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30.6.2011 | Von:
Jana Puglierin
Christoph Schwarz

Das Ende der amerikanischen Supermacht nach "9/11"?

Weiterhin innovativste Volkswirtschaft

Auch mit Blick auf die Situation in den USA selbst stellt sich die Lage nicht derart dramatisch dar, wie Kritiker meinen. Zwar liegt das Haushaltsdefizit fraglos auf einem gefährlich hohen Niveau. Gegenwärtige Verbindlichkeiten und zukünftige Belastungen sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Demgegenüber ist festzuhalten, dass die USA nach wie vor die innovativste Volkswirtschaft sind, der amerikanische Markt immer noch außerordentlich attraktiv für ausländische Investitionen ist und die Vereinigten Staaten nichts von ihrer Anziehung als Zielland für Einwanderer aus aller Welt verloren haben. Zuwanderung und Integration verhindern nicht nur, dass es zu einem vergleichbaren demografischen Problem wie in Europa oder China kommt, sondern sind zudem wesentlich für die vielfach bewunderte Dynamik und Erneuerungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich.

Schließlich ist der US-Dollar trotz seiner bereits notorischen Schwäche nach wie vor die weltweite Leitwährung. Sollten sich China und die anderen Aufsteiger in die bestehende Weltordnung integrieren, dürfte sich daran auch in Zukunft wenig ändern. Denn gerade weil das "Reich der Mitte" eine exportorientierte Volkswirtschaft ist und den größten Posten der im Ausland gehaltenen US-Staatspapiere hält,[26] hat es ein eigenes Interesse an Stabilität und Kurswert der amerikanischen Währung. Insgesamt hat sich nichts an dem Befund geändert, dass die USA zu den größten Gewinnern der Globalisierung zählen.

Im Bildungssektor ist die Lage ebenfalls nicht so düster, wie vielfach behauptet. Bloße Absolventenzahlen sagen wenig über die Qualität der Ausbildung und die Fähigkeiten der Studierenden aus. Amerikanische Universitäten und Business Schools gehören nach wie vor zu den besten der Welt. Schließlich liegen die USA auch im Bereich der Bildungsinvestitionen, die häufig als kritische Variable für die zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit eines Landes angesehen wird, deutlich an der Spitze.

Fußnoten

26.
Vgl. Niall Ferguson, Der Aufstieg des Geldes. Die Währung der Geschichte, Berlin 2010, S. 296.