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12.4.2011 | Von:
Simone Wörner
Nina Holsten

Frauenfußball - zurück aus dem Abseits

Die Geschichte des Frauenfußballs zeigt, dass Spielerinnen mit unterschiedlichsten Klischees konfrontiert wurden. Gleich geblieben ist nur die Folie, vor der die Zuschreibung erfolgt: die Folie der Männerperspektive auf Männerfußball.

Einleitung

Unter dem Slogan "20Elf von seiner schönsten Seite" findet vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 die "FIFA Frauen-Weltmeisterschaft" in Deutschland statt.[1] Seit 2008 wird das sportliche Weltereignis vom Organisationskomitee des Deutschen Fußballbundes (DFB) unter Leitung der ehemaligen Nationalspielerin Steffi Jones vorbereitet, und die Werbung für Event, Sportart und Spielerinnen läuft auf Hochtouren. Welches Bild des Frauenfußballs ist es nun, das seit einigen Jahren von Veranstaltern und Medien in der Öffentlichkeit lanciert wird? Jones sagte dazu bei der Präsentation des Slogans: "Die Emotionen des Fußballs generell, die besondere Ästhetik und Dynamik des Frauenfußballs und die einzigartige Atmosphäre einer WM - all' diese Aspekte vereint unser Leitspruch. (...) Jeder soll dabei sein, wenn im Jahr 2011 die besten Frauen der Welt die schönste (Neben)Sache der Welt zelebrieren. In der für Frauen typischen Art und Weise: elegant, dynamisch, technisch versiert, leicht und locker ... kurzum: schön."[2]

Hier scheint sich in den vergangenen Jahren ein fundamentaler Wahrnehmungswandel vollzogen zu haben: Das lange gepflegte Klischee der Ball tretenden "Suffragetten", "Mannweiber" oder "Kampflesben" scheint ausgedient zu haben zugunsten eines neuen Klischees der "emotionalen und schönen" Frauen, die ebensolchen Fußball spielen. Was gleich geblieben ist, ist die Folie, vor der die Zuschreibung erfolgt: die Folie der Männerperspektive auf Männerfußball.

Nach zahlreichen internationalen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft - sieben Europa- und zwei Weltmeistertitel, sowie dreimal olympisches Bronze in knapp 30 Jahren - bietet die Frauen-WM einen geeigneten Anlass, einen bilanzierenden Blick auf den Frauenfußball zu richten und dabei über das reine Spiel hinaus zu sehen.[3] Dabei ist auszuloten, inwieweit sich Fußball als "eines der letzten Reservate von Männlichkeit",[4] das seismografisch auf die Auflösung von klassischen Rollenbildern oder Geschlechtszuschreibungen reagiert, dazu eignet, die Frage nach Emanzipation anhand der Kriterien Ausgrenzung und Teilhabe, Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung zu erörtern. Zudem soll nach der emanzipatorischen Wirkkraft speziell des Frauenfußballs gefragt werden. Denn die zurückliegenden Jahrzehnte der mehr oder minder friedlichen Koexistenz von Fußball und Frauenfußball haben gezeigt, dass diese Unterscheidung notwendig zu sein scheint, um beiden Phänomenen gerecht zu werden.

Fußnoten

1.
Die Fußballautorin Nicole Selmer hat darauf hingewiesen, dass in der offiziellen Bezeichnung dieser Weltmeisterschaft das Wort Fußball nicht vorkommt. Männer spielen bei einer WM Fußball. Was passiert bei einer Frauen-WM?
2.
WM-Slogan 2011:20Elf von seiner schönsten Seite!, 22.4.2009, online: www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=17956&tx_dfbnews_pi1[sword]=logo%20arena%20deutschland&tx_dfbnews_pi4[cat]=167 (13.2.2011).
3.
Überblicke bieten z.B. Beate Fechtig, Frauen und Fußball, Dortmund 1995; Eduard Hoffmann/Jürgen Nendza, Verlacht, verboten und gefeiert. Zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland, Weilerswist 2006; Rainer Hennies/Daniel Meuren (Hrsg.), Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennung, Göttingen 2009.
4.
Matthias Marschik, Frauenfußball und Maskulinität, Münster u.a. 2003, S. 405.

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