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12.4.2011 | Von:
Sabine Radtke

Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport

Inklusion im Leistungssport

In der Literatur wird diskutiert, dass der kompetitive Charakter des Sports seine "Attraktivität und Wirkmächtigkeit (...) vor allem in homogenen und nicht in heterogenen Situationen" entfaltet.[20] Das Problem der nicht vorhandenen direkten Vergleichbarkeit der Leistungsfähigkeit tritt nicht nur in inklusiven Kontexten, sondern auch im separierten Behindertenleistungssport auf. Um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten (und zur aktiven Teilnahme am Wettkampfsport zu motivieren), soll ein Klassifizierungssystem helfen, die Athletinnen und Athleten je nach individueller Leistungsklasse einzuteilen. Dies kann jedoch zur Folge haben, dass beispielsweise, wie bei den Paralympics 2008 in Peking im 100-Meter-Finale der Männer geschehen, 16 Sportler als Sieger geehrt werden - ein System, das der Zuschauerfreundlichkeit des Sports abträglich ist. Eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit der Klassifikationsthematik zeigte sich bei den Paralympischen Spielen 2000 in Sydney, als der spanischen Basketballnationalmannschaft der Herren nachträglich die Bronzemedaille aberkannt wurde, als sich herausstellte, dass zehn der zwölf Mannschaftsmitglieder eine intellektuelle Beeinträchtigung vorgetäuscht hatten. Nach diesem Skandal wurde der Internationale Sportverband für Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung (INAS-FID) seitens des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) von den Spielen ausgeschlossen.

Bei den Paralympics 2012 in London werden in den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Tischtennis wieder Sportlerinnen und Sportler mit intellektuellen Beeinträchtigungen an den Start gehen, wobei in Fachkreisen die Diskussion um den Nachweis des Grades einer geistigen Behinderung anhält. So schreibt der Weltverband INAS-FID ein umfangreiches Registrierungsverfahren vor, um zu verhindern, dass Menschen ohne Behinderung an Sportveranstaltungen für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen teilnehmen. Das Verfahren sieht einen IQ-Test, ein psychologisches Gutachten sowie den Nachweis über den Eintritt der geistigen Behinderung vor dem 18. Lebensjahr vor. Als problematisch ist in diesem Zusammenhang zu werten, dass hinsichtlich der Definition von geistiger Behinderung kulturelle Abhängigkeiten bestehen, denen das vom Weltverband durchgesetzte Registrierungsverfahren nicht gerecht wird.

Generell bleibt festzuhalten, dass sich der Leistungssport mit Veränderungsprozessen, die Inklusion überhaupt erst ermöglichen, eher schwertut. Die Umsetzung so mancher - im Sinne des inklusiven Ansatzes durchaus gerechtfertigten - Forderung (etwa nach einer grundsätzlichen Öffnung der Olympischen Spiele für Athletinnen und Athleten mit jeglicher Art von Behinderung) scheint zumindest aktuell utopisch. Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch die Tatsache, dass auch auf der Ebene des Leistungssports durchaus Erfolge zu verzeichnen sind, die inklusive Tendenzen aufzeigen. So haben in der Vergangenheit immer wieder vereinzelte Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung an den Olympischen Spielen teilgenommen, wie etwa die zu Beginn genannte Schwimmerin Natalie du Toit.

Fußnoten

20.
Vgl. G. Hölter (Anm. 16), S. 18.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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