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23.3.2011 | Von:
Stephanie Müssig
Nilden Vardar

Zur Rolle von muslimischen Konvertierten im Gemeindeleben

Muslime mit Migrationshintergrund

Im Jahr 2009 wurde die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" (MLD) vorgelegt.[4] Die Datenbasis mit Angaben zu rund 17000 Personen mit Migrationshintergrund aus 49 verschiedenen Herkunftsländern erlaubt generalisierbare Aussagen über die muslimische Bevölkerungsgruppe in Deutschland und tiefer gehende Analysen zu ihrer soziodemografischen und sozioökonomischen Situation. Laut Hochrechnungen leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies entsprach im Jahr 2009 einem Bevölkerungsanteil von rund 5 Prozent.[5] Ein wichtiger Befund der Studie lautet, dass deutsche Muslime kein monolithischer Block sind. Sie unterscheiden sich nach Herkunftsregionen und zeichnen sich durch unterschiedliche Zuwanderungsgeschichten, Bildungsverläufe und Religionspraktiken aus. Nach den erfassten Angaben der Befragten und ihrer Haushaltsmitglieder sind 63,2 Prozent türkeistämmig. Doch rund jeder dritte stammt aus einer anderen Region: 13,6 Prozent aus Südosteuropa und 8,1 Prozent aus dem Nahen Osten. Mit 6,9 Prozent stellen Muslime aus Nordafrika die viertgrößte Herkunftsgruppe. Geringere Anteile kommen aus den Ländern Süd- und Südostasiens (4,6 Prozent), Iran (1,7 Prozent), dem Afrika südlich der Sahara (1,5 Prozent) sowie Zentralasien (0,4 Prozent).

Die Vielfalt spiegelt sich auch in der konfessionellen Zusammensetzung wider. Knapp drei Viertel (74,1 Prozent) bezeichnen sich oder ihre Haushaltsangehörigen als Sunniten. Die zweitgrößte muslimische Konfessionsgruppe stellen die Aleviten mit einem Anteil von 12,7 Prozent dar. 7,1 Prozent rechnen sich dem Schiitentum zu. Aber auch Personen, die kleineren muslimischen Glaubensgemeinschaften wie der Ahmadiyya (1,7 Prozent) und der Ibadiyya (0,3 Prozent) angehören oder eher mystische und sufische Glaubenstraditionen (0,1 Prozent) pflegen, wurden in der Studie erfasst. Insgesamt sind sie relativ eng mit ihrer Religion verbunden: Rund 86 Prozent der Befragten gaben auf einer vierstufigen Skala von "gar nicht gläubig" bis "sehr stark gläubig" an, eher gläubig oder sehr stark gläubig zu sein. Dieser Befund ist relativ stabil, da eine hohe Religiosität von Muslimen auch in anderen Studien nachgewiesen wurde.[6]

Fußnoten

4.
Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.), Muslimisches Leben in Deutschland, Nürnberg 2009.
5.
Vgl. ebd., S. 80. Die im Folgenden zitierten Zahlenangaben sind ebenfalls der Studie entnommen oder auf Grundlage der Daten berechnet.
6.
Vgl. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2008. Eine hohe Religiosität ist jedoch nicht allein bei den muslimischen Befragten zu beobachten. Auch nichtmuslimische Personen mit Migrationshintergrund bezeichnen sich in einem ähnlichen Ausmaß als religiös. Vgl. MLD (Anm. 4), S. 138ff.