APUZ Dossier Bild

10.1.2011 | Von:
Arne Busse

Mit "Ballerspielen" gegen pädagogische "No-Go-Areas"? Erfahrungen mit Eltern-LANs

Konzept und Ablauf der Eltern-LANs

Unter dem Titel "Eltern-LAN. Zusammen. Spiele. Erleben." wird der vernetzen Spielweise zahlreicher aktueller Computerspiele Rechnung getragen, wie auch dem pädagogischen Charakter der Veranstaltung, mit der unter anderem eine kommunikative "Vernetzung" der jungen und alten Generation beabsichtigt ist. Die Teilnehmenden einer Eltern-LAN bauen Berührungsängste mit dem Medium Computer ab und probieren unter pädagogischer Anleitung selbst Spiele in einem geschützten Rahmen aus, darunter auch den kontrovers diskutierten Taktik-Shooter "Counter-Strike". Ihnen werden Orientierungswissen und Medienkompetenz vermittelt, und es wird damit die Motivation und Fähigkeit gefördert, sich mit den eigenen Kindern, mit Schülern und Schülerinnen sowie mit Heranwachsenden in der Jugendarbeit über deren mediales Handeln und die Inhalte von Computerspielen kritisch auseinanderzusetzen.

Als Rahmen der Eltern-LANs wurden bewusst die Live-Veranstaltungen der Electronic Sports League (ESL) gewählt, die in zahlreichen deutschen Städten stattfinden. Auf den "Intel Friday Night Game"-Veranstaltungen der ESL treffen sich bis zu 2000 Jugendliche und junge Erwachsene, die wie bei einer herkömmlichen Sportveranstaltung professionellen Computerspielern und -spielerinnen via Großleinwand zuschauen, den Analysen von Kommentatoren zuhören, "ihr Team" anfeuern und erfolgreiche Spielzüge bejubeln. Neben den eigenen Spielerfahrungen können die Teilnehmenden der Eltern-LANs so auch einen Einblick in die jugendliche Spielkultur gewinnen und mit Spielern sowie Organisatoren der Events ins Gespräch kommen.

Der typische Programmablauf einer Eltern-LAN dauert etwa fünfeinhalb Stunden und beginnt mit einer medienpädagogischen Einführung zu Computerspielen sowie dem jugendkulturellen Phänomen eSport (das wettbewerbsmäßige Spielen von Computerspielen im Mehrspielermodus). In einer rund zweistündigen Spielphase werden dann unter Anleitung das Auto-Rennspiel "TrackMania Nations Forever" und "Counter-Strike" gespielt. Vor der jeweiligen Spielphase werden die Spiele vorgestellt und die Steuerung erläutert. Während des Spielens unterstützen professionelle Spieler und Spielerinnen die Teilnehmenden, helfen bei der Steuerung oder erklären den Spielablauf. Nach der Spielphase stellt ein Moderator oder ehemaliger professioneller Computerspieler die ESL vor, beantwortet Fragen der Teilnehmenden zum eSport oder schildert an seinem persönlichen Werdegang, wie das Hobby zum Beruf wurde. Im Anschluss wird das Thema "Medienwirkung/Exzessives Spielen" in einem eigenständigen Themenblock dargestellt. Danach tauschen sich Teilnehmende mit Pädagogen und Pädagoginnen in einer Nachbesprechung über die gewonnenen Erfahrungen aus und diskutieren Fragen zum erzieherischen Umgang mit Computerspielen. Abschließend werden die Teilnehmenden in Kleingruppen über die Liga-Veranstaltung geführt und mit professionellen Computerspielern sowie Besuchern ins Gespräch gebracht. Eine Broschüre mit Hintergrundinformationen sowie Tipps zum Medienalltag in der Familie wird den Teilnehmenden bereits vor der Veranstaltung zur Verfügung gestellt und kann überdies auch auf der Internetseite der Eltern-LAN (http://www.eltern-lan.info/) kostenfrei heruntergeladen oder bestellt werden.

Als wesentliches pädagogisches Prinzip der Eltern-LAN-Veranstaltungen lässt sich der "Perspektivwechsel" beschreiben. Eltern und Lehrkräften wird in einem geschützten medienpädagogischen Rahmen ermöglicht, Computerspiele selbst auszuprobieren, für zwei Stunden die Perspektive computerspielender Kinder und Jugendlicher einzunehmen und die Faszination digitaler Spielewelten zu erkunden, von denen ihre Kinder zu berichten wissen. Dies soll nicht in Billigung des Medienhandelns resultieren, wohl aber in Verständnis und Motivation zur Kommunikation mit den Heranwachsenden.