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28.12.2010 | Von:
Birgit Sauer

Die Allgegenwart der "Androkratie": feministische Anmerkungen zur "Postdemokratie"

Es herrscht eine Unterrepräsentation von Frauen in den politischen Strukturen. Geschlechterdemokratisierung erfordert Institutionen, die an der Verteilung von Arbeit und Generativität und den damit verbundenen Ungleichheiten ansetzen.

Einleitung

Nicht nur Feministinnen beschleicht Unbehagen beim Betrachten des gegenwärtigen Zustands repräsentativer Demokratien. Die Bezeichnung "Postdemokratie" - so der Begriff des französischen Philosophen Jacques Rancière,[1] den der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch[2] als Zeitdiagnose popularisierte - trifft auch auf die Bundesrepublik zu: Die "nachdemokratische" Konstellation wird von Crouch[3] als eine entpolitisierte Situation beschrieben, in der es zwar konkurrierende Parteien und Verbände gibt, in der zwar noch Wahlen stattfinden, aber die Bürgerinnen und Bürger zu bloßen Konsumentinnen und Konsumenten eines politisch kaum noch zu unterscheidenden Angebots degradiert werden. Sie werden "zwangsweise" zu "Passivbürgerinnen" und "Passivbürgern" gemacht, und Chancen zur Aktivbürgerinnenschaft sind kaum noch gegeben. Demokratische Institutionen sind bloße Verwaltungshüllen, und der sogenannte Sachzwang erzwingt vorgeblich Entscheidungen, doch in Wirklichkeit wurde die Entscheidungsmacht den "Lobbyisten der Wirtschaft" übereignet.[4]




Fußnoten

1.
Vgl. Jacques Rancière, Demokratie und Postdemokratie, in: Alain Badiou et al. (Hrsg.), Politik der Wahrheit, Wien 1997, S. 94-122.
2.
Vgl. Colin Crouch, Postdemokratie, Frankfurt/M. 2008.
3.
Vgl. ebd., S. 10, S. 13.
4.
Vgl. ebd., S. 11.