APUZ Dossier Bild

12.12.2011 | Von:
Nicole Renvert

Von Soft Power zu Smart Power: Zur Rolle der Mittler in den transatlantischen Beziehungen

Die transatlantischen Beziehungen werden nicht nur auf Regierungsebene gestaltet, sondern auch durch zahlreiche andere Akteure wie politische Stiftungen. Deren "weiche Macht" entfaltet sich vor allem in Krisenzeiten.

Einleitung

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA werden oft durch das Prisma der jeweiligen Regierungen wahrgenommen und der aktuelle Zustand des transatlantischen Verhältnisses daran gemessen. Bekannt sind die engen Bindungen zwischen John F. Kennedy und Willy Brandt, der seinen Wahlkampf 1961 als "deutscher Kennedy" bestritt, die Animositäten zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter in den 1970er Jahren, das freundschaftliche Verhältnis von Helmut Kohl und George Bush Senior vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung, aber auch die offene Auseinandersetzung anlässlich der US-Intervention im Irak 2003 zwischen Gerhard Schröder und George W. Bush.[1]

Bei dieser personalisierten und auf die Regierungsvertreter konzentrierten Sichtweise der transatlantischen Beziehungen wird zuweilen unterschätzt, dass das Verhältnis auch von zahlreichen anderen Akteuren mit geprägt wird. Dabei ist nicht allein deren große Anzahl und die Vielfältigkeit der bestehenden Projekte beeindruckend, sondern die Rolle, die sie in Zeiten von politischen Spannungen spielen. Besonderes Merkmal dieser Akteure ist ihre "weiche Macht" beziehungsweise soft power. Diese zeigt sich in der Fähigkeit, bestimmte Positionen zu beeinflussen und Bindungen zu schaffen, nicht etwa aufgrund wirtschaftlicher Anreize oder militärischer Drohungen, sondern durch die Anziehungskraft der Werte, für die diese Akteure stehen. Laut Joseph Nye ist die Beherrschung dieser soft power Garant dafür, sich in einer veränderten Weltlage erfolgreich zu behaupten.[2] Am Beispiel ausgewählter Mittlerorganisationen, der Sonderbeauftragten für deutsch-amerikanische Beziehungen und der deutschen politischen Stiftungen soll in diesem Beitrag gezeigt werden, welches Potenzial diese Akteure in der Mitgestaltung der transatlantischen Beziehungen haben.

Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ist eine von Interessen geleitete Beziehung. Deutlicher als in den Nachkriegsjahren geht es um die Wahrung von eigenen Identitäten und Befindlichkeiten, aber auch um die Erhaltung einer Basis zur Kooperation und Kommunikation. Es ist eine an den Glauben an gemeinsame Werte gefestigte Bindung, die aber immer wieder die Unterstützung durch vertrauensbildende Maßnahmen, persönliche und institutionelle Bindungen und gemeinsame Projekte braucht. Dabei nehmen die Mittlerorganisationen sowie andere in der transatlantischen Zusammenarbeit engagierten Akteure eine besondere Rolle ein. Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben mit jeweils verschiedenen Methoden und sind in den USA und in Deutschland in unterschiedliche kulturpolitische Konzepte eingebettet. Ihnen ist gemein, das sie durch ihre Brückenfunktion jenseits des politischen Tagesgeschehens und unabhängig von der Regierungsebene den transatlantischen Dialog kontinuierlich beleben. Die "Mittler" lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Zum einen in kulturpolitische Mittlerorganisationen des Auswärtigen Amtes (AA) sowie nichtstaatliche Akteure, die transatlantische Projekte und Initiativen fördern; zum anderen in Vermittler wie die deutschen politischen Stiftungen oder die Sonderbeauftragten für transatlantische Beziehungen.

Fußnoten

1.
Vgl. Hans Peter Schwarz, Die deutsche Außenpolitik nach dem Irakkrieg, in: Politische Studien, 55 (2003) 393, S. 78-91.
2.
Vgl. Joseph S. Nye, Soft Power: The means to success in world politics, New York 2004.