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12.12.2011 | Von:
Nicole Renvert

Von Soft Power zu Smart Power: Zur Rolle der Mittler in den transatlantischen Beziehungen

Sonderbeauftragte

Der Irak-Einsatz hatte nicht nur einen dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust für die Bush-Administration zur Folge, sondern für das amerikanische Gesellschaftsmodell insgesamt. Während der zweiten Amtszeit George W. Bushs wurde deshalb verstärkt auf die Möglichkeiten verbesserter public diplomacy gesetzt.[18] 2005 besetzte George W. Bush die Position des Under Secretary for Public Diplomacy mit einer engen Vertrauten, Karen Hughes. Sie sollte das durch den Irak-Krieg beschädigte Image der USA verändern helfen. Dazu wurden verschiedene Programme ins Leben gerufen, die zum Beispiel die Einrichtung von Leseecken mit amerikanischer Fachliteratur in öffentlichen Bibliotheken finanzierten und NGOs unterstützten, die deutsch-amerikanische Austauschprogramme organisierten. Hughes warb öffentlichkeitswirksam bei Fernsehauftritten und anderen öffentlichen Foren für den American way of life und reagierte damit auf die verschlechterten Umfragewerte der USA.[19]

In Deutschland gibt es seit 1981 die Position des Koordinators für deutsch-amerikanische Beziehungen beim AA. Aufgabe des Koordinators ist es, die transatlantischen Beziehungen zu stärken und Wege der engeren Kooperation zu identifizieren. Von 1999 bis 2009 übte der ehemalige außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karsten Voigt, diese Funktion aus. Auf Grund seiner exzellenten Kontakte in die Politik gelang es ihm, der Position des Koordinators besondere Relevanz zu verleihen. Maßgeblich für den Erfolg seiner Arbeit war die Vertrauensbasis, die er sich über viele Jahre bei seinen amerikanischen Partnern erarbeitet hatte und von der diese Position in den schwierigen Umständen der Krise 2003 profitierte. Seit Juli 2011 bekleidet der FDP-Bundestagsabgeordnete Harald Leibrecht das Amt.

Die Position ist nicht deckungsgleich mit der des Under Secretary for Public Diplomacy: Die Rolle des Koordinators für deutsch-amerikanische Beziehungen ist geprägt von einem kritischen Blick auf das eigene Land und soll nicht nur die Wissensdefizite über die USA und Deutschland beheben helfen, sie sieht zudem eine zentrale Vermittlerrolle vor, womit sie weit über public diplomacy hinausgeht. Mit der Schaffung der Positionen der Sonderbeauftragten wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass der gesellschaftspolitische Dialog immer entscheidender für die Gestaltung von bilateralen Beziehungen geworden ist. Die Komplexität der Themen hat deutlich zugenommen, was gerade unter schwierigen Rahmenbedingungen der Kommunikation auf gesellschaftspolitischer Ebene besondere Bedeutung verleiht.

Fußnoten

18.
Vgl. Thomas Jäger, Die amerikanische Regierung gegen die Weltöffentlichkeit? Theoretische und empirische Analysen der Public Diplomacy zum Irakkrieg, Wiesbaden 2008, S. 15-38.
19.
Vgl. Umfrage des Pew Research Center, 23.6.2005, online: www.pewglobal.org/2005/06/23/us-image-up-slightly-but-still-negative (23.11.2011).