APUZ Dossier Bild

26.10.2011 | Von:
Markus Klein
Tim Spier

Parteibeitritt und Parteimitgliedschaft im Wandel

Die Motive für die Mitgliedschaft in politischen Parteien verändern sich. Prozesse des sozialen Wandels geraten ebenso in den Blick wie Veränderungen im Verlauf der Mitgliedschaft.

Einleitung

Die politischen Parteien in Deutschland haben in den vergangenen Jahren einen deutlichen Mitgliederrückgang erfahren. Ende 2010 waren in den sechs im Bundestag vertretenen Parteien insgesamt knapp 1,4 Millionen Menschen organisiert; 20 Jahre zuvor hatte die entsprechende Zahl noch 2,4 Millionen betragen[1] - ein Rückgang von mehr als 40 Prozent in einem Zeitraum von nur zwei Jahrzehnten. Auch wenn die Geschwindigkeit des Mitgliederschwunds von Partei zu Partei variiert und Bündnis 90/Die Grünen im genannten Zeitraum sogar Mitglieder hinzu gewinnen konnten, erlebt die Bundesrepublik Deutschland doch zweifellos eine deutlich rückläufige gesellschaftliche Integrationskraft ihres Parteiensystems.

Diese Entwicklung wirft eine Reihe von weit reichenden Fragen auf, die nicht alle an dieser Stelle diskutiert werden können. Wir wollen uns vielmehr der Frage zuwenden, ob die rückläufigen Mitgliederzahlen durch einen Wandel der individuellen Motive des Parteibeitritts und der Parteimitgliedschaft begleitet, wenn nicht gar verursacht werden. Wir betrachten dabei zwei Arten von Wandlungsprozessen: Zum einen gehen wir von der Annahme aus, dass sich die Anreize des Individuums für einen Parteibeitritt im Zuge des sozialen Wandels gravierend verändert haben. Wir halten es dabei insbesondere für plausibel, dass in den vergangenen Jahren verstärkt solche Menschen in politische Parteien eingetreten sind, die sich dort auch aktiv beteiligen wollen. Reine Unterstützungs- und Bekenntnismitgliedschaften hingegen verlieren an Bedeutung, in der Folge sinkt die Zahl der Parteibeitritte.

Darüber hinaus richten wir den Blick aber auch auf den Wandel von Mitgliedschaftsmotiven im Laufe der Parteimitgliedschaft selbst. Während die Entscheidung über einen Parteibeitritt letztlich auf Vermutungen über die mit der Parteimitgliedschaft verbundenen Vor- und Nachteile basiert, können diese nach dem Beitritt auf der Grundlage eigener Erfahrungen realistisch eingeschätzt werden. Hieraus können im Einzelfall Enttäuschungen resultieren, die einen Parteiaustritt nach sich ziehen.

Fußnoten

1.
Vgl. Oskar Niedermayer, Parteimitgliedschaften im Jahr 2010, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 42 (2011) 2, S. 365-383.