In einem Labor der Gewebebank des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Adipositaserkranungen (IFL) an der Universität Leipzig beobachtet Tierpflegerin Eva Böge eine adipöse Maus mit einem Gewicht von 52 Gramm (l) und eine normale Maus mit 20 Gramm, aufgenommen am 06.01.2012. Die Labormäuse gehören zu einem großen Forschungsprogramm der Wissenschaftler am IFL, die hier unter anderem auch auf der Suche nach der ultimativen Schlankheitspille ohne Nebenwirkungen sind. Helfen sollen dabei Untersuchungen des Fettgewebes von adipösen Patienten und bei Tieren. In einer bundesweiten Gewebebank, die gegenwärtig weiter ausgebaut wird, lagert bereits Material von rund 800 Patienten. Foto: Waltraud Grubitzsch dpa/lsn (zu dpa-Korr vom 08.01.2012)

14.2.2012 | Von:
Wolf-Michael Catenhusen

Tiere und Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung

Neue Wissenschaftsfelder haben zur Schaffung von Mensch-Tier-Mischwesen geführt. Ist dies mit unserem Selbstverständnis, das traditionell von einer klaren Grenzziehung zwischen Mensch und Tier ausgeht, vereinbar?

Einleitung

Schon in der Antike ging die Ausbildung der Medizin in Griechenland nicht nur mit der Sektion toter Tiere, sondern auch mit Eingriffen an lebenden Tieren, mit Tierversuchen einher. In der Entwicklung der modernen Medizin seit dem 16. Jahrhundert wurden Tierversuche nach einer Pause von mehr als 1000 Jahren wieder aufgenommen. Im 19. Jahrhundert wurde die Medizin wie die Physik und die Chemie zu einer experimentellen Wissenschaft, die sich auf die Ergebnisse von Tierversuchen stützt.

Seitdem ist es zu einem stetigen Anstieg wissenschaftlicher Tierversuche gekommen. Ihre Ergebnisse lieferten wichtige Beiträge bei der Erforschung von Krankheiten sowie der Entwicklung von Impfstoffen und Arzneimitteln. Mit der Ausbildung der modernen biomedizinischen Grundlagenforschung kam es zu einer stetigen Ausweitung wissenschaftlicher Fragestellungen als Begründung von wissenschaftlichen Tierversuchen. Heute findet Forschung an Tieren im Wesentlichen an speziell zu Forschungszwecken gezüchteten Tieren statt. 2009 wurden in Deutschland 2,78 Millionen Wirbeltiere für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwandt sowie 690000 Wirbeltiere zu wissenschaftlichen Zwecken getötet.[1]

Fußnoten

1.
Vgl. Tierschutzbericht der Bundesregierung 2011, Bundestags-Drucksache 17/6826, S. 52, S. 63.