Großbritannien
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Sozialstruktur und Gesellschaftspolitik


27.2.2009
Charakteristika Großbritanniens sind die ethnische Vielfalt und eine sozial gespaltene Gesellschaft. In den letzten Jahren bemüht sich der Staat, soziale Problemgruppen zu integrieren und eine Grundversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Die Tower-Bridge in London.Die Tower-Bridge in London. (© picture-alliance/AP)

Einleitung



Das Vereinigte Königreich hatte 2006 nach OECD und dem britischen statistischen Amt (National Statistics) 60 587 300 Einwohnerinnen und Einwohner. Davon lebten nach National Statistics 83,8 Prozent in England, das circa 60 Prozent des gesamten Territoriums des Vereinigten Königreiches von 242 000 Quadratkilometern ausmacht. 4,9 Prozent lebten in Wales, 8,4 Prozent in Schottland und 2,9 Prozent in Nordirland.

Großbritannien ist ein multikulturelles Land. Im Laufe der jüngeren Geschichte des Landes hat es mehrere Einwanderungsschübe gegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten die Einwandernden aus den früheren britischen Kolonialgebieten. Sie kamen in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch infolge von Konflikten in ihren unabhängig gewordenen Ursprungsländern. In den fünfziger Jahren stammte ein Großteil der Neubürger von den Westindischen Inseln (vor allem aus Jamaika). Es begann zu dieser Zeit auch schon die Einwanderung vom indischen Subkontinent, die bis heute ein konstanter Faktor geblieben ist. 50 Prozent der Einwanderer kommen aus Asien. 2006 wanderten 510000 Menschen nach Großbritannien ein. Über ein Drittel (139 000) kam aus dem so genannten New Commonwealth, also aus Afrika, vor allem aber vom indischen Subkontinent: (102 000), 80 000 kamen aus den alten Commonwealth-Staaten, zu denen neben Australien, Kanada und Neuseeland auch Südafrika gezählt wird, 205 000 kamen aus den 25 EU-Staaten. 2008 verschärfte Großbritannien seine Einwanderungsbestimmungen, um Zwangsheiraten zu erschweren. Das Einreise-Mindestalter wurde auf 21 Jahre erhöht, und Bräute sind verpflichtet, vor dem Zuzug Englisch zu lernen.

Ethnische Vielfalt



Die frühen Commonwealth-Einwanderer aus der Dritten Welt waren als Arbeitskräfte für wenig beliebte und für manuelle Arbeiten in der Zeit der relativen Blüte der britischen Wirtschaft in den 1960er Jahren hochwillkommen. Sie fanden Beschäftigung unter anderem bei den Verkehrsbetrieben innerhalb und außerhalb Londons, bei der Bahn, in der Stahlindustrie sowie im Gesundheitswesen. Heute ist der Trend der Zuwanderung aus der Dritten Welt etwas abgeflacht. Die Einwanderer aus der Karibik und aus Asien leben meist in den Innenstädten Südenglands, den West Midlands, South East Lancashire und North Yorkshire, wo sie jeweils mehr als fünf Prozent der Erwerbstätigen stellen. In Groß-London gehören circa 20 Prozent der Bevölkerung einer ethnischen Minderheit an.

Quellentext

Londons Kleinwirtschaft

[...] Sie bügeln in stickigen Hinterhof-Wäschereien Hemden im Akkord. Sie kutschieren übergewichtige Touristen in Fahrrad-Rikschas durch die Stadt. Sie schleppen Supermarkt-Kunden die Wochenendeinkäufe. Sie brutzeln Pommes frites in fettigen Fish-and-Chips-Küchen. Sie zwängen sich in bunte Micky-Maus-Kostüme, um vor Schnellrestaurants Werbezettel zu verteilen. Sie kommen zum Putzen, Hunde-Ausführen und Entrümpeln. Die meisten haben noch nie Urlaub gehabt. Ein Acht-Stunden-Tag wäre für sie Luxus. Von einer staatlichen Hilfe wie Hartz IV können sie nur träumen.
Die kleinste ökonomische Einheit ist der Mensch. Nach diesem Motto hat sich eine blühende Kleinwirtschaft entwickelt, ohne die London nicht funktionieren würde. Die britische Hauptstadt zieht vor allem auch arbeitshungrige Immigranten aus aller Welt an - 38 Prozent der Londoner sind im Ausland geboren. Kaum eine andere europäische Stadt ist so international. Das hat in erster Linie historische Ursachen. In den siebziger und achtziger Jahren sind viele Menschen aus den ehemaligen britischen Kolonien des indischen Subkontinents sowie der Karibik an die Themse gekommen. Es war die Stadt ihrer Träume. Und sie ist es trotz harter Arbeit bis heute geblieben.
[...] Im Mutterland des Kapitalismus können Immigranten kaum auf Hilfen des Staates vertrauen - die sind seit Zeiten der eisernen Lady Margaret Thatcher weitgehend abgeschafft. "Hire and fire" ("einstellen und feuern") richtet sich nach der jeweiligen Konjunkturlage. Die Konkurrenz ist so hart, dass viele sogar für weniger als den gesetzlich festgelegten Mindestlohn von 5,52 Pfund (7,73 Euro) pro Stunde arbeiten. Wer krank wird, kann nur darauf hoffen, einen gutwilligen Arzt aus dem staatlichen Gesundheitssystem NHS zu finden. [...]
Robin Mathi ist vor fünf Jahren aus Jamaika nach London gekommen. Er hatte kein Visum und besitzt bis heute keine Arbeitserlaubnis. Doch das ist dem 35-Jährigen egal. Er ist bei einem Cousin untergekommen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Bei einem Hedge-Fonds-Manager putzt er den Sportwagen. Er wird aber auch als Notfall-Klempner gerufen. Dann reinigt Mathi verstopfte Toiletten und Spülen. Dafür hat er sich sogar ein Spezialwerkzeug besorgt, einen meterlangen Spiralbohrer.
Eine gute Investition, denn es gibt kaum einen Londoner, der nicht über solche drängenden Haushaltsprobleme klagt. Erstens stammen viele marode Abwasserrohre noch aus viktorianischer Zeit. Und zweitens sind selbst die Ausführungen neueren Datums für flauschiges Toilettenpapier notorisch zu klein ausgelegt. Am liebsten spielt der muskulöse Rasta-Mann mit den kräftigen Oberarmen, die auch einem Profi-Boxer gehören könnten, aber auf seinen Bongo-Trommeln.
Die hat er an diesem nasskalten Dezembertag in den zugigen Gängen der U-Bahnstation Tottenham Court Road aufgestellt. Seine Hände wirbeln zwischen den Trommeln hin und her. Es sind virtuose Rhythmen, eine Mischung zwischen Reggae und Hip-Hop. Eine Menschentraube hat sich um Mathi gebildet. Die meisten kommen vom Weihnachtseinkauf. Sie klatschen und johlen. Mathis bunte Pudelmütze, die er neben sich gelegt hat, füllt sich schnell mit Münzen. Es sind sogar einige Fünf-Pfund-Noten darunter. Der Jamaikaner träumt davon, eines Tages im berühmten Jazz-Café in Camden Town auftreten zu können. "Ich spare schon auf die Bühnenklamotten", sagt der Bongo-Musiker. [...]

Andreas Oldag, " Kapitalismus ganz unten", in: Süddeutsche Zeitung vom 22.Dezember 2007


Die britische Regierung verfolgt eine Politik, die das Schwergewicht auf die Integration der Zuwanderer und ihrer Nachkommen sowie auf den Kampf gegen den Rassismus legt. Gleichzeitig wurden im Konsens über alle Parteigrenzen hinweg die Einwanderungsbestimmungen und die Asylgesetzgebung verschärft und das Staatsbürgerrecht verändert, das 1948 noch allen Commonwealth-Bürgern ein uneingeschränktes Niederlassungsrecht in Großbritannien eingeräumt hatte. Der British Nationality Act schuf 1981 drei Klassen von Staatsangehörigkeit. Uneingeschränkt britische Bürger sind nur im Jahre 1982 bereits in Großbritannien lebende Bürger bzw. die im Ausland geborenen Kinder, deren einer Elternteil die britische Staatsangehörigkeit besitzt. Briten zweiter Klasse sind die Bürger der abhängigen Gebiete, wie Bermuda, Gibraltar oder die britischen Karibikinseln (eine Ausnahme bilden die Falkland-Inseln, deren Bewohner die volle Staatsangehörigkeit besitzen). Sie haben kein automatisches Einreiserecht nach Groß-britannien. Briten dritter Klasse sind diejenigen, die in früheren britischen Kolonien leben. Ihr Status als British Overseas Citizen ist mit keinen Rechten verbunden.

Künftig soll die Zuwanderung von Arbeitskräften mit wenig Kenntnissen und geringer Entlohnung möglichst unterbunden werden. Statt dessen sieht die Gesetzgebung vor, mittels eines Punktesystems qualifizierte und junge Bewerber ins Land zu holen. Einwanderer müssen eine Million Pfund Kapital mitbringen, oder sie müssen, um die verlangten 75 Einwanderungspunkte zu sammeln, zum Beispiel einen Bachelor-Abschluss und Englischkenntnisse nachweisen.

Bemühen um Integration

Trotz der Bemühungen um die Integration der Zuwanderer in die britische Gesellschaft und trotz der Möglichkeiten für Betroffene, sich bei diskriminierender Behandlung in Staat und Gesellschaft an eine Regierungskommission zu wenden (seit 2007: Commission for Equality and Human Rights, CEHR), kam es in den 1980er und 1990er Jahren immer wieder zu Gewaltausbrüchen in den Großstädten. Auch wenn die Anlässe solcher häufig von ethnischen Minderheiten ausgehenden Gewaltaktionen sehr unterschiedlich waren, sind sie ebenso Indiz für ungelöste Probleme des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft wie die über 1000 Beschwerden, die bei der Regierungskommission eingingen. Aufgerüttelt haben die britische Gesellschaft auch die Terroranschläge in London im Jahre 2005, begangen von im Lande aufgewachsenen britischen Muslimen, sowie Umfragen, nach denen sich 81 Prozent der britischen Muslime in erster Linie als Muslime und erst in zweiter Linie als Briten verstehen.

Die vergleichsweise schlechtere Ausgangsposition der farbigen Einwanderer in der britischen Gesellschaft lässt sich ablesen an ihrer höheren Arbeitslosigkeit (etwa dreimal so hoch wie die der weißen Mehrheit), an ihrer im Durchschnitt geringeren Schulbildung und der teilweisen Konzentration der Zuwanderer in heruntergekommenen Stadtvierteln, in denen billige kommunale Wohnungen zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Minderheitsgruppen. Besonders schwierig ist die Lage der Bangladeshis. Pakistanis, Schwarzafrikaner und Einwanderer aus der Karibik nehmen eine Zwischenposition ein, während sich die Lebenssituation der Chinesen und Inder weit weniger von der der weißen Bevölkerung unterscheidet. Nach Religionszugehörigkeit sind die britischen Muslime die sozial schwächste Gruppe.

Quellentext

Paradoxes Sicherheitsempfinden

Wer in England einen Bekannten zum ersten Mal zu Hause besucht, sollte grundsätzlich rund 20 Minuten für die Lokalisierung des Hauses einplanen, auch dann, wenn er eine Straßenkarte mitführt. Engländer verstecken ihre Hausnummern gern hinter Efeu, schreiben sie winzig klein neben den Klingelknopf oder lassen sie gleich ganz weg. Als Antwort auf die Frage, warum Briten es Besuchern so schwer machen, bietet die Anthropologin Kate Fox die alte Weisheit "My home is my castle" an: Zwar könne man am Reihenhaus keine Zugbrücke hochziehen, aber zumindest könne man es möglichst schwer machen, das Haus zu finden, und somit die Privatsphäre ein wenig schützen. Das Eigenheim wird in England mehr als irgendwo sonst als eine Art exterritorialer Raum betrachtet, als unantastbarer Rückzugsort des Individuums, von dem die breitere Öffentlichkeit im Idealfall nicht einmal wissen soll, wo er sich befindet. [...]
"Privacy International" kämpft in Großbritannien an vielen Fronten. Die nichtstaatliche Organisation, die alljährlich den "Big Brother Award" für die massivste Verletzung der Privatsphäre vergibt, tritt unter anderem auch vehement gegen die Einführung einer Personalausweispflicht in Großbritannien ein. Bisher herrschte nur in den vierziger Jahren kriegsbedingt kurzzeitig eine allgemeine Ausweispflicht auf der Insel; heute stellt die Weigerung, sich auszuweisen, nach britischem Recht kein Vergehen dar. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat die Labour-Regierung immer wieder Vorstöße versucht, biometrische Ausweise für alle Briten verbindlich zu machen. Die darin enthaltenen Informationen sollen in einer zentralen Datenbank gebündelt werden. "Privacy International" kann sich beim Kampf gegen diese Datenerfassung der Unterstützung der meisten Engländer gewiss sein. [...]
Dabei würde der Ausweis ein in Großbritannien weit verbreitetes, in Ländern mit Ausweispflicht hingegen nahezu unbekanntes Verbrechen sehr erschweren: den sogenannten "Identitätsdiebstahl". Derzeit genügt als Identitätsnachweis der Briefkopf einer Strom- oder Gasrechnung, nach deren Vorlage man Konten eröffnen, Mitglied im Fitnessclub werden oder sein Kind bei der Schule anmelden kann. In vielen Fällen führt eine achtlos ins Altpapier geworfene Rechnung beispielsweise dazu, dass dem Betroffenen einige Wochen später eine Mahnung ins Haus flattert, doch bitte die ausstehenden Gebühren für das neue Mobiltelefon zu begleichen, das von einem Identitätsdieb mithilfe der aus dem Müll entwendeten Rechnung angemeldet wurde. Und doch scheinen viele Briten bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, solange garantiert ist, dass ihre Daten nicht in einem staatlichen Archiv erfasst sind. Sie könnten ja verloren gehen. Hier wird das geradezu schizophrene Verhältnis der Engländer zum Datenschutz deutlich: Denn nicht die Angst vor einem möglichen "Überwachungsstaat" ist in erster Linie der Grund für die Ablehnung der Ausweispflicht. [...]
Aus deutscher Sicht ist dies besonders verwunderlich, da die Briten in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten klaglos zum meist-überwachten Volk der Welt avanciert sind: Rund fünf Millionen Überwachungskameras sind mittlerweile auf das Land verteilt. Damit kommt auf je zwölf Einwohner eine Kamera. Obwohl Groß-britannien nur über 0,2 Prozent der bewohnbaren Landmasse der Welt verfügt, wird es von 20 Prozent aller Closed Circuit Television- oder CCTV-Kameras überwacht. Ein Londoner, der seinen Geschäften im Stadtzentrum nachgeht, wird am Tag durchschnittlich von 300 verschiedenen Kameras gefilmt. Eine Abdeckung, angesichts derer die umstrittenen Vorschläge, deutsche Bahnhöfe stärker zu überwachen, nachgerade niedlich wirken. Allein im Stadtteil Westminster filmen 160 Kameras 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr alles, was zwischen Trafalgar Square und Oxford Street geschieht. Hinzu kommen etwa 1000 Kameras der Londoner Verkehrsbetriebe und eine nicht genau bezifferte AnzahlKameras, die zur Erhebung der Innenstadtmaut das Nummernschild jedes Westminster durchfahrenden Autos aufzeichnen. Das CCTV-Kontrollzentrum am Piccadilly Circus ist als Gemeinnützige Einrichtung eingetragen und wird vom Westminster Council finanziert.
Die Gemeinnützigkeit der Dauerüberwachung ist derart allgemein akzeptiert, dass "Privacy International" auf wenig öffentlichen Rückhalt hoffen darf, wenn es die "Orwellschen" Implikationen dieser Komplettabdeckung mit Überwachungskameras anprangert. Denn Tatsache ist, dass die Briten sich Erhebungen zufolge desto sicherer fühlen, je mehr CCTV-Geräte ihr Land spicken. "Die Leute sehen diese Kameras eher als eine Art gütigen Vater, nicht als Big Brother", sagt Peter Fry, Direktor der "CCTV User Group", eines Zusammenschlusses von rund 600 privaten und öffentlichen Organisationen, die CCTV nutzen. Diesen Ruf erwarb sich das System im Jahr 1993, als der Mord am zweijährigen Jamie Bulger in Liverpool nur mithilfe der Kamera eines Shoppingcenters aufgeklärt werden konnte. [...]
So ziehen die Briten zu Hause weiterhin die virtuelle Zugbrücke hoch, während sie - unbelastet von Erfahrungen mit totalitären Systemen im eigenen Land - im public space nahezu blind den Bollwerken der Technik vertrauen. Sobald sie aus der Haustür treten, geben sie aus freien Stücken den absoluten Anspruch auf jene Privatsphäre auf, die ihnen in den eigenen vier Wänden als höchstes Gut gilt. Als einzige plausible Erklärung für dieses paradoxe Verhalten erscheint die subjektive Gewissheit der Bürger, dass Dauerüberwachung öffentliche Sicherheit garantiert, vor Terroristen ebenso schützt wie vor Graffiti-Sprayern. Die beste aller Welten ist also in britischer Sicht aufgespalten in eine sichere, weil gänzlich unantastbare Privatsphäre und eine ebenso sichere, weil bis in den letzten Winkel beobachtete Öffentlichkeit.

Alexander Menden, "Unter Dauerüberwachung lebt sich´s freier", in: Süddeutsche Zeitung vom 4. Dezember 2007


Gesellschaftsunterschiede



Großbritannien hat noch immer eine sozial gespaltene Gesellschaft. Auch wenn die sozialen Unterscheidungsmerkmale zwischen middle class und working class in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Gewicht verloren, wirken diese im Alltagsleben weiter. Nach Umfragen glauben 70 Prozent der Briten, daß ihre Mitbürger sich dieser Zuordnungen bedienen. Die Selbsteinordnung der Befragten zeigt, dass trotz des sozialen Aufstiegs der früheren Angehörigen der working class in der britischen Gesellschaft sich über die letzten Jahrzehnte hinweg konstant circa ein Drittel der Briten als Angehörige der middle class verstehen und zwei Drittel als Angehörige der working class. Nur ein sehr kleiner Teil der Briten rechnet sich selbst der Oberschicht zu.

Mit der sozialen Abgrenzung sind traditionell Unterschiede der Sprache, der Ausbildung und des Lebensgefühls verbunden. Angehörige der middle class sprechen das Queen's English, also die Hochsprache ohne Dialektfärbung. Sie trachten danach, ihre Kinder in renommierten Privatschulen und in Oxford oder Cambridge ausbilden zu lassen. Das Ideal des Gentleman ist auch heute noch mehr als eine historische Erinnerung. Die Verteilung der Einkommen und Vermögen in der britischen Bevölkerung war durch die Steuerpolitik der Labour-Regierungen der 1970er Jahre weniger ungleich geworden. Seit den 1980er Jahren geht die Schere der Einkommen zwischen arm und reich wieder weiter auseinander. Dieser Trend hielt auch in den Regierungsjahren Tony Blairs an.