Zerstörter Straßenzug in Rotterdam im Mai 1940
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Verdrängung und Erinnerung


18.12.2012
Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterlässt Deutschland in Trümmern. Die Staatsgewalt übernehmen zunächst die Alliierten. Die Täter sollen bestraft werden, und den Opfern soll Gerechtigkeit und Genugtuung widerfahren. Doch die Folgejahrzehnte zeigen, welche Hürden dem im Wege stehen.

Blick auf die Anklagebank während der Nürnberger ProzesseBlick auf die Anklagebank während der Nürnberger Prozesse (© Bundesarchiv, Bild 146-1994-120-22A)

Einleitung


Am Ende des NS-Regimes war von der "Volksgemeinschaft“ eine "Trümmergesellschaft“ übrig geblieben. Über fünf Millionen deutsche Soldaten waren getötet worden, der Luftkrieg hatte in Deutschland etwa 570 000 Todesopfer gefordert, rund 14 Millionen Deutsche flüchteten aus den damaligen deutschen Ostgebieten oder wurden aus ihnen vertrieben.

Insgesamt kostete der Zweite Weltkrieg geschätzt etwa 55 Millionen Menschen das Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Am stärksten war die Sowjetunion mit geschätzten 24 Millionen Toten betroffen. Annähernd sechs Millionen Juden waren ermordet worden, ebenso waren Hunderttausende Roma und Sinti, behinderte und kranke Menschen der rassistischen Politik des NS-Regimes zum Opfer gefallen.

Rund 15 000 Juden hatten in Deutschland überlebt, hinzu kamen Zehntausende, die aus den verschiedensten Lagern befreit worden oder aus Osteuropa in den Westen geflohen waren. Über 150 000 jüdische "Displaced Persons“ (DPs) wurden im Sommer 1946 in diversen Lagern, vor allem in Bayern, von den Besatzungsmächten und jüdischen Hilfsorganisationen versorgt. Hunderttausende von Häftlingen hatten die alliierten Armeen aus den Konzentrationslagern befreit, allein in Buchenwald 35 000 Menschen. Millionen von ausländischen Zwangsarbeitern ebenso wie Flüchtlinge und Vertriebene aus Osteuropa befanden sich auf deutschem Gebiet. Allein auf dem Gebiet der späteren westlichen Besatzungszonen fanden die alliierten Armeen zwischen 6,5 und sieben Millionen DPs vor.

Die totale Niederlage des NS-Regimes bedeutete, dass es keinen deutschen Staat und keine deutsche Regierung mehr gab. Stattdessen teilten die Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen auf, in denen sie die Macht übernahmen. Auf der Konferenz von Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 bestimmten Stalin, Harry S. Truman, der Nachfolger des im April 1945 verstorbenen US-Präsidenten Roosevelt, und Churchill, der, nachdem die Konservativen Anfang Juli 1945 die Wahlen in Großbritannien verloren hatten, vom britischen Labourpolitiker Clement Richard Attlee abgelöst wurde, dass Deutschland entnazifiziert, demokratisiert und entmilitarisiert werden sollte. Bis auf weiteres bestimmten die Sowjetunion, die USA, Großbritannien und Frankreich in einem gemeinsamen Kontrollrat die Geschicke Deutschlands. Bald jedoch brachen die politischen Gegensätze auf, und die sowjetische Besatzungszone auf der einen und die drei westlichen Zonen auf der anderen Seite verfolgten eine gegensätzliche Politik.

Die Teilung Deutschlands, die bis 1990 anhalten sollte, war eine der schwerwiegendsten Konsequenzen des Nationalsozialismus. Durch die Teilung zerriss nach Kriegsende auch der bisherige Zusammenhang der Ernährungswirtschaft, und die Versorgung der westdeutschen Bevölkerung hing zum entscheidenden Teil von den Getreideimporten aus den USA und Kanada ab. Jetzt erst wurde deutlich, wie sehr die Ernährung der "Volksgemeinschaft“ durch die rücksichtslose Ausplünderung der besetzten Gebiete sichergestellt worden war. Nicht während des Krieges mussten die Deutschen hungern, sondern danach.

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Webdocumentary

Auschwitz heute - dzisiaj - today

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur "Volksgemeinschaft" gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt - in deutscher, englischer und polnischer Sprache. Weiter...