Paul Langrock / Zenit / laif – Ein Tunnel im Berliner Untergrund verbindet Friedrichshain und Marzahn per Stromautobahn. Ein Netzingenieur auf Inspektionstour
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Treibhauseffekt und Klimaschutz

24.9.2013

Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften



Die globale Erwärmung kann zu verschiedenen Effekten führen, die wiederum erheblichen Einfluss auf Ökosysteme und menschliche Gesellschaften haben können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die durch den Treibhauseffekt bedingten Temperaturerhöhungen nicht gleichmäßig vollziehen. Vor allem über den Landmassen der Kontinente werden die Temperaturen deutlicher steigen als über den Ozeanen. Als sehr wahrscheinlich gilt heute, dass folgende Veränderungen eintreten werden:
  • Der Meeresspiegel steigt deutlich an (durch die thermische Ausdehnung der Wassermassen sowie das Abschmelzen der Polarkappen),
  • Gletscher schmelzen ab,
  • die Extremtemperaturen erhöhen sich,
  • Temperaturspreizungen im Tagesverlauf vermindern sich,
  • Niederschläge werden heftiger und
  • Trockenzeiten werden länger, wodurch die Dürregefahr wächst.
Noch nicht abschließend nachgewiesen ist die durch den Klimawandel bedingte Zunahme anderer extremer Wetterereignisse wie Hurricans oder Taifune; die Wahrscheinlichkeit solcher Effekte ist jedoch keineswegs vernachlässigbar. Langfristig können darüber hinaus auch gravierende Störungen globaler Zyklen entstehen, wie zum Beispiel der irreversible Abriss des Golfstroms im Atlantik, dessen Wärmetransport das vergleichsweise warme Klima Europas sichert.

Quellentext

Klima – ein komplexes Kräftespiel

Und nun das: Die Erwärmung der Erde, melden Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Geoscience", pausiert, obwohl der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) von Jahr zu Jahr immer neue Rekorde aufstellt. Von 1991 bis 2000, so die jüngste Studie, stieg die durchschnittliche Erdtemperatur um 0,24 Grad, von 2001 bis 2010 jedoch nur um 0,03 Grad. Diese letzte Dekade (2001-2010) war, so die Welt-Meteorologie-Organisation (WMO), die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen (1850).

Die veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Oxford unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI/Hamburg) schlägt dennoch ziemliche Wellen: Die sogenannten Klimaskeptiker jubeln und betrachten sie als Bestätigung ihrer Zweifel, wonach nicht die Treibhausgase aus der Verbrennung von Kohle und Öl den Planeten erwärmen, sondern natürliche Faktoren wie etwa die Sonnenaktivität. Keine Entwarnung gibt hingegen Professor Jochem Marotzke, Direktor des MPI: "Diese Abschwächung der Temperaturerhöhung an der Erdoberfläche können wir mit unseren Modellen bisher nicht erklären, allerdings hat sich die Erde insgesamt weiter erwärmt, aber diese Erwärmung hat vor allem in den tieferen Schichten der Ozeane stattgefunden."

Fakten und Zusammenhänge sind geeignet, Klimalaien gehörig zu verwirren. Auch deshalb, weil der Nicht-Forscher Wetter und Klima doch irgendwie als Zwillinge ansieht. Ihm erscheint ein strenger Winter spontan als Gegenbotschaft zum Klimawandel und Tropenhitze als dessen Bestätigung. Tatsächlich steckt hinter dem Klima ein komplexes Kräftespiel: Hier die natürlichen Kräfte, die das Erdklima zwischen kalt und warm hin- und herschubsen, dort der von einer Sieben-Milliarden-Menschheit angerührte wärmende Treibhausgas-Cocktail. Zudem können einige Ausdünstungen der Zivilisation auch kühlen, etwa freigesetzte Schwefelpartikel aus der Schwerindustrie. Alle Einflüsse können sich aufheben, verstärken und überlagern. Das klingt nach einer Sache, die so kompliziert ist, dass sie sich im Prinzip gar nicht vorhersagen lässt.

Es ist paradox: Während der Mensch zu einfachen Wahrheiten neigt und gelegentlich Wetter-Bauernregeln auswendig aufsagen kann, erklären Klimaforscher vermeintlich abstruse Zusammenhänge und globale Fernwirkungen: Mehr Kälte im Winter in Mitteleuropa durch weniger Eis in der Arktis. Mit anderen Worten: Die globale Erwärmung kann regional sogar mehr Kälte verursachen.
Neben Schwefel, wie ihn auch Vulkane freisetzen, ist La Niña ein weiterer Gegenspieler des Erwärmungstrends – eine aus der Tiefe des Pazifiks aufsteigende Kaltwasserflut. Im Gegenzug werden große Wärmemengen in tiefere Ozeanschichten verfrachtet. Nach 1998 hat allein La Niña dreimal zugeschlagen. Die NASA berichtet, der Erwärmungstrend wäre ungebrochen, würden La-Niña-Effekte herausgerechnet. Ein dritter Abkühlungsfaktor spielt in Asien [...], denn selbst verbrannte Kohle kann kühlen, wenn sie viel Schwefel enthält.

Unterm Strich habe sich "das große Bild", so Professor Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, durch die Studie nicht verändert. Der Klimaberater der Bundesregierung sagte in den "Potsdamer Neuesten Nachrichten": Wenn die "Anreicherung der tieferen Ozeanschichten mit der überschüssigen Wärme" abgeschlossen sei, werde sich die Oberfläche wieder erwärmen – "und zwar schneller als zuvor". [...].

Wolfgang Wiedlich, "Die Erde erwärmt sich langsamer", in: General-Anzeiger Bonn vom 26. Juni 2012


Solche Veränderungen haben Folgen. So werden in Regionen, deren Wasserhaushalt ohnehin schon stark beansprucht wird, die Probleme der Wasserversorgung zunehmen. Vor neuen Herausforderungen werden aber auch Regionen stehen, deren Wasserversorgung in erheblichem Maße von Gletschern gespeist wird. Die erhöhte Niederschlagsintensität auf der einen Seite und die Gefahr von höheren Extremtemperaturen und Trockenheiten auf der anderen Seite können die Nahrungsmittelversorgung in vielen Regionen gefährden. Sowohl der Anstieg des Meeresspiegels als auch die Niederschlagsintensitäten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Überflutungsgefahr für einige Regionen der Erde verstärken, wobei besonders – aber keineswegs nur – die oft dicht besiedelten Küstenregionen betroffen sind. Die Verschiebung von Klima- und Vegetationszonen wird Gesundheitsprobleme – etwa durch Malaria, Dengue-Fieber oder Hitzestress – vergrößern.

Darüber hinaus werden viele Ökosysteme der Erde (von arktischen Lebensräumen bis zu australischen Unterwasser-Riffs) durch den globalen Klimawandel absehbar unwiederbringlich geschädigt.
Die Fähigkeiten der verschiedenen Gesellschaften, zumindest einige Effekte des Klimawandels abzuschwächen oder auszugleichen, sind höchst unterschiedlich. So ist die Verletzlichkeit vieler Entwicklungsländer mit Blick auf die Folgen des Klimawandels deutlich höher als die der hoch entwickelten Industriestaaten. Erstere leiden unter ungünstigeren klimatischen Vorbedingungen, Kapitalmangel, schlechterer Infrastruktur und Defiziten in der Bildung. Die Industriestaaten verantworten damit bisher, das heißt vor allem aus der historischen Perspektive, den größten Teil des anthropogenen Klimawandels. Dessen Folgen entstehen jedoch vor allem für die Entwicklungs- und Schwellenländer. Diese regionale Asymmetrie zwischen Verursachern und Betroffenen führt zu erheblichen Herausforderungen für die Klimapolitik.
Mit Blick auf die Handlungsnotwendigkeiten kommt dem "Zwei-Grad-Ansatz" eine besondere Bedeutung zu. Demnach soll die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf maximal zwei Grad Celsius im Vergleich zu dem Temperaturniveau in der vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Als zusätzliche Bedingung wird in einigen Analysen gefordert, neben dieser langfristigen Begrenzung die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs auf maximal 0,2°C pro Dekade (alle 10 Jahre) zu reduzieren. Dafür müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen bis Mitte des Jahrhunderts um mindestens 50 Prozent zurückgeführt und danach massiv weiter reduziert werden.