Paul Langrock / Zenit / laif – Ein Tunnel im Berliner Untergrund verbindet Friedrichshain und Marzahn per Stromautobahn. Ein Netzingenieur auf Inspektionstour
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Treibhauseffekt und Klimaschutz

24.9.2013

Verursachende Bereiche



Aktuell liegen die weltweiten Treibhausgasemissionen – gemessen in Kohlendioxid-Äquivalenten – bei über 50 Milliarden Tonnen pro Jahr. Etwa 77 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfallen dabei auf Kohlendioxid und davon über drei Viertel auf die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Die verbleibenden CO2-Emissionen stammen vor allem aus Änderungen der Landnutzung (Entwaldung in einigen Regionen der Erde) sowie aus bestimmten Industrieprozessen wie der Herstellung von Zement und Kalk.
Auf den Methan-Ausstoß entfallen etwa 16 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Er wird vor allem durch die Landwirtschaft (Tierhaltung, Reisanbau) sowie die Abfall- und Energiewirtschaft verursacht. Etwa sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen bestehen aus Lachgas, das ganz überwiegend ebenfalls durch die Landwirtschaft (Bodenbewirtschaftung) verursacht wird. Die synthetischen Treibhausgase (HFKW, FKW, FCKW, SF6) spielen mit einem Anteil von etwa zwei Prozent im Vergleich zu den anderen Treibhausgasen noch keine wesentliche Rolle, doch auch sie werden durch den starken Anstieg der Emissionen in der jüngsten Vergangenheit zum Problem – insbesondere wegen ihrer teilweise extrem langen Lebenszeit.
Diese kurze Analyse zeigt bereits, dass Maßnahmen zur Verminderung des Treibhauseffekts besonders zwei Wirtschaftsbereiche berühren: die Energiewirtschaft und die Landwirtschaft – und damit also die Sicherheit der Energieversorgung und der Ernährung.

Anteilsstrukturen

Eine vertiefte Analyse der Verursacherstrukturen unterstreicht diese These. Etwa 43 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger waren im Jahr 2010 der Kohlenutzung zuzurechnen, knapp 36 Prozent dem Verbrauch von Erdöl und etwa 20 Prozent dem Erdgaseinsatz. Eine besondere Rolle spielt die Stromerzeugung mit weltweit etwa 41 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen. Den zweitgrößten Verursacherbereich bildet der Verkehrssektor mit einem Beitrag von etwa 22 Prozent, davon entfallen fast drei Viertel auf den Straßenverkehr. Der Emissionsbeitrag der anderen Industriezweige liegt mit ungefähr 20 Prozent in einer ähnlichen Größenordnung. Die privaten Haushalte und der Dienstleistungssektor zeichnen weltweit für etwa elf Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich.
Auch wenn die Treibhausgasemissionen in allen Sektoren gesenkt werden müssen, verdeutlichen die Zahlen, dass ohne eine Änderung der Technologie- und Brennstoffbasis für die Stromerzeugung und den Verkehrssektor selbst massive Emissionsminderungen in den anderen Bereichen, wie zum Beispiel in Industrie und Haushalten oder in der Land- und Abfallwirtschaft, das Klimaproblem nicht lösen können.

Wieviel CO2 verursacht jeder Deutsche jährlich?Wieviel CO2 verursacht jeder Deutsche jährlich?



Bemerkenswert ist auch, wer im weltweiten Vergleich wie viel zu den Treibhausgasemissionen, beiträgt. Die Industriestaaten verursachen derzeit knapp 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, und ihr Anteil an den energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen liegt bei etwa 50 Prozent. Die wesentlich von der Landwirtschaft verursachten Methan-Emissionen entfallen dagegen zu knapp drei Vierteln auf die Entwicklungsländer, die Industriestaaten verantworten hier nur etwas mehr als ein Viertel.
Nachdem über viele Jahre die europäischen, nordamerikanischen und pazifischen OECD-Staaten sowie Russland den weltweit größten Verursacherblock gebildet haben, stammt inzwischen der größere Teil der weltweiten Treibhausgas-emissionen im Ganzen wie auch der CO2-Emissionen im Speziellen aus den stark wachsenden Volkswirtschaften der Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem in Asien und Südamerika. So stehen der EU mit energiebedingten CO2-Emissionen von ca. 3,98 Mrd. t CO2 und den USA mit etwa 5,79 Mrd. t CO2 sowie Russland (1,7 Mrd. t CO2) und Japan (1,4 Mrd. t CO2) inzwischen Staaten wie China (9,3 Mrd. t CO2) oder Indien (1,8 Mrd. t CO2) gegenüber (alle Daten für 2012). In einigen Ballungsräumen der Entwicklungs- und Schwellenländer werden inzwischen Pro-Kopf-Emissionen wie in einigen Industriestaaten erreicht.

Auch wenn die OECD-Staaten den weitaus größten Teil der historischen Verantwortung für den Klimawandel tragen und die Pro-Kopf-Emissionen der meisten Entwicklungs- und Schwellenländer oft noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen – zur notwendigen Trendumkehr bei den Treibhausgasemissionen werden daher spätestens mittelfristig auch die Nicht-OECD-Staaten deutlich beitragen müssen.
In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um Optionen zur Treibhausgas-Vermeidung zu entwickeln und kostengünstiger zu gestalten. So sind in puncto Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Industrieprozesse, CO2-Abtrennung oder Materialeffizienz erhebliche Fortschritte erzielt worden. Wenn die Treibhausgasemissionen innerhalb eines engen Zeitrahmens und in einem beträchtlichen Ausmaß gesenkt werden sollen, um die Auswirkungen des globalen Klimawandels in seinen verschiedenen Dimensionen in noch tolerierbaren Grenzen zu halten, muss das Innovationstempo für technologische, wirtschaftliche und soziale Ansätze und Lösungen allerdings erheblich gesteigert werden.