Unternehmen und Produktion
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Gewinne oder Verluste - die ökonomische Seite


7.3.2007
Gewinn ist das Ziel unternehmerischen Handelns. Er entsteht, wenn der am Markt erzielte Umsatz höher ist als die Produktionskosten. Aufschluss darüber geben das betriebliche Rechnungswesen und die doppelte Buchführung.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg enthüllt im Blue Room der New Yorker City Hall das, was er ein "Budget voll mit schwierigen Entscheidungen" nennt, nämlich den Verlust von mehr als 6.000 Lehrern.Nachdem Unternehmensgründer Michael Bloomberg 2001 zum New Yorker Bürgermeister gewählt wurde, zog sich der Millardär aus der Unternehmensführung zurück. (© AP)

Einleitung



Entscheidungen über die Einführung neuer Produkte, über die Veränderung von Produktionsprozessen, die Einstellung oder Entlassung von Mitarbeitern sind in marktwirtschaftlich organisierten Unternehmen vor allem darauf ausgerichtet, Gewinn zu erzielen. Diese Orientierung wird auch als erwerbswirtschaftliches Prinzip bezeichnet. Sie gibt das Ziel unternehmerischen Handelns aber nur verkürzt wieder. Während Maßnahmen zur Kostensenkung und zur Umsatzsteigerung direkt auf die Gewinnsteigerung ausgerichtet sind, können Strategien zur Ausweitung von Marktanteilen bis hin zur Marktführerschaft langfristig den Gewinn steigern, kurzfristig aber Verluste mit sich bringen. Zweifellos sind Unternehmen ohne Gewinne auf Dauer nicht überlebensfähig. Die Gewinnerzielung selbst wird aber von vielen Rahmenbedingungen beeinflusst:
  • Werden die Bedürfnisse der Kunden nach angemessenen Preisen und guter Qualität nicht berücksichtigt, wird sich das beim Umsatz bemerkbar machen.
  • Werden die Mitarbeiter durch schlechte Arbeitsbedingungen oder niedrige Löhne demotiviert, können Auswirkungen auf die Qualität der Produkte die Folge sein.
  • Gilt Kostensenkung als oberstes Ziel, kann schlechte Qualität das Ansehen eines Unternehmens und das Prestige seiner Produkte nachhaltig beeinträchtigen.
  • Wird das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, vernachlässigt, sind zunächst keine bestandserhaltenden oder -erweiternden Investitionen oder Innovationen möglich, auf Dauer steht die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel.
  • Wird die Steigerung des Unternehmenswertes, ausgedrückt im Kurswert der Aktien, und die Auszahlung von Dividenden vernachlässigt, verlieren Kapitalgeber das Interesse am Unternehmen und ziehen ihre Anteile zurück oder sind zurückhaltend bei der Kreditvergabe.


Wirtschaftlichkeit und Produktivitätssteigerung



Eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Handeln ist eine vernünftige Verwendung der verfügbaren Mittel, unabhängig davon, ob Gewinne angestrebt, nur Kosten gedeckt oder sogar Zuschüsse beansprucht werden sollen. Wenn Unternehmen nicht wirtschaftlich mit ihren knappen Ressourcen umgehen, verschwenden sie Mittel und verursachen höhere Kosten als nötig. Die Folgen sind leicht absehbar: Wenn die höheren Kosten aufgrund der Konkurrenz nicht über die Preise an die Verbraucher weitergegeben werden können, fallen die Gewinne zunächst niedriger aus, und schließlich bleiben Erweiterungsinvestitionen oder Lohnsteigerungen aus.

Wirtschaftlichkeit: Ökonomisches PrinzipWirtschaftlichkeit: Ökonomisches Prinzip
Insofern gilt das ökonomische Prinzip als betriebswirtschaftliche Basisnorm unternehmerischen Handelns und ist gleichzeitig auch die traditionelle Grundlage der volkswirtschaftlichen Lehre. Danach sollen entweder die gegebenen Ressourcen so eingesetzt werden, dass sie den größtmöglichen Ertrag bringen (Maximalprinzip) oder aber ein angestrebter Ertrag mit möglichst geringem Einsatz erreicht wird (Minimalprinzip). Entgegen den oft üblichen Vorstellungen bedeutet wirtschaftliches Handeln also nicht, mit möglichst wenig möglichst viel zu erreichen. Ins Extrem gewendet würde dies bedeuten, mit Nichts Alles zu erreichen - also ohne Mitteleinsatz maximalen Gewinn zu realisieren. Solche Situationen sind zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber sie sind doch eher das Ergebnis eines seltenen Zufalls, eine glückliche Ausnahme. Hingegen bedeutet wirtschaftliches Handeln zunächst den planvollen Einsatz und die vernünftige Verwendung von Mitteln zur Erzielung eines bestimmten Ergebnisses. Dennoch hat wirtschaftliches Handeln nicht zwangsläufig Gewinne zum Ergebnis, denn ob wirtschaftliches Handeln durch Erfolg belohnt oder vom Misserfolg bestraft wird, ist letztendlich vom Markt abhängig, wobei die Intensität des Wettbewerbs den Spielraum der Gewinnrealisierung beeinflusst.

Während bis in die 1980er Jahre "Made in Germany" international als Qualitätssiegel galt, das den höheren Preis der Produkte rechtfertigte, demonstrierten die nachholenden Industriestaaten des Fernen Ostens, dass gute Qualität auch zu günstigen Preisen angeboten werden konnte. Mit der umfassenden Unternehmensphilosophie der Lean Production gewann das ökonomische Prinzip eine noch stärkere Bedeutung. Diese "schlanke Produktion" bezog sich nicht allein auf Produktion, sondern auch auf die Produktentwicklung, Konstruktion, Beschaffung und den Vertrieb. Danach sollten die Kundenwünsche bei hoher Qualität mit möglichst geringem Ressourceneinsatz an Zeit, Material, Arbeitseinsatz erfüllt werden, entsprechend wurden auch flachere Hierarchien gebildet. Diese Philosophie hat sich heute auf viele gesellschaftliche Bereiche erstreckt, so sollen auch Staat und Verwaltung schlanker werden.

Verbesserung des Produktionsergebnisses

ArbeitsproduktivitätArbeitsproduktivität
Eine weitere Voraussetzung zur Verbesserung des Leistungsergebnisses ist die Steigerung der produzierten Gütermenge im Verhältnis zur eingesetzten Menge der Produktionsfaktoren. So kann eine Steigerung der Produktivität bedeuten, dass die gleiche Anzahl an Arbeitskräften in der gleichen Arbeitszeit mehr Güter produziert. Sie kann auch dadurch entstehen, dass für die gleiche Gütermenge weniger Arbeitszeit benötigt wurde. Diese Produktivitätssteigerung kann sowohl durch Lerneffekte als auch durch eine verbesserte Arbeitsorganisation sowie durch den Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen (Automatisierung) bedingt sein. Die Produktivität wird in der Regel auf die einzelnen Produktionsfaktoren bezogen gemessen und erst durch den Vergleich unterschiedlicher Perioden aussagekräftig.

Diese Kennziffer wird auch als Argument bei Konflikten um Lohnerhöhung herangezogen: Wenn die beteiligten Produktionsfaktoren in der gleichen Arbeitszeit mehr Güter herstellen, beanspruchen auch alle ihren Anteil am Leistungserfolg. Da aber abwägende Entscheidungen für den Einsatz von Kapitalgütern oder für den Einsatz von Arbeitskräften auch von deren Kosten abhängig sind, können produktivitätsbedingte Lohnsteigerungen wiederum Anlass zu Automatisierung und damit zu weiteren Produktivitätssteigerungen geben.

Immer schon war die - vor allem durch Technisierung oder Automatisierung - bedingte Produktivitätssteigerung Anlass zu heftiger Kritik, da Arbeitsplätze als bedroht galten. Historisch ist mit dieser Entwicklung eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen und des Lebensstandards verbunden. So mussten noch im 19. Jahrhundert die Arbeiter bis zu 16 Stunden täglich arbeiten. Dennoch reichte ihr Lohn kaum für eine ausreichende Ernährung, von ihrer Gesundheit und Lebenserwartung sowie ihren Chancen auf Teilhabe an Bildung und Kultur ganz zu schweigen.

Gewinn: Belohnung über den Markt



GewinnGewinn
Um dauerhaft bestehen zu können, müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln und Gewinn anstreben. Dabei gilt der Gewinn als Antriebsfeder für unternehmerisches Handeln: Er ist der "Lohn" für die Inkaufnahme von Risiken. Gewinne sind aber auch die unverzichtbare Voraussetzung für die Existenzsicherung, für Erweiterungs- und Erhaltungsinvestitionen und für die Weiterentwicklung der Güter und Dienstleistungen. Gewinne entstehen nur, wenn der am Markt erzielte Umsatz höher ist als die für die Produktion aufgewandten Kosten. Gewinne werden beeinflusst durch die Nachfrager, durch das Angebot der Konkurrenz sowie durch den eigenen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen. Ein Unternehmen kann den Preis nicht beliebig wählen, den Gewinn nicht unbegrenzt maximieren, da die Verbraucher nicht bereit sind, jeden beliebigen Preis zu zahlen. Der Gewinnspielraum wird aber nicht nur durch die Kunden, sondern auch durch die existierenden und sogar durch noch nicht existierende Konkurrenten beschränkt. Können nämlich am Markt Preise durchgesetzt werden, die weit über den Produktionskosten liegen, sind kurzfristig hohe Gewinne möglich: Diese stellen aber auch Anreize für andere Anbieter dar, auf diesem Markt tätig zu werden. So zwingt der Wettbewerb der Anbieter um die begrenzten Mittel der Kunden im Idealfall zu qualitativ guten Produkten und zu günstigen Preisen. Wirtschaftlicher Erfolg zeigt sich im Gewinn, Misserfolg in Form von Verlusten.

Ein hoher Gewinn ist also nicht zwangsläufig die Belohnung guter wirtschaftlicher Leistung. Er könnte auch das Ergebnis mangelnden Wettbewerbs oder von Konsumenten sein, die nicht auf Preis und Qualität achten. Er könnte schließlich aus dem Desinteresse von Bürgern bzw. ihren politischen Vertretern resultieren, die es erlauben, dass Unternehmen betriebswirtschaftliche Kosten zu Lasten Dritter auslagern oder dass Betrug und Täuschung nicht angemessen geahndet werden. Ebenso gut entsteht Gewinn durch die Freisetzung von Kapital. Wenngleich Gewinn die zwingende Voraussetzung für Innovationen und arbeitsplatzschaffende Erweiterungsinvestitionen ist, so wird er nicht nur dafür verwandt, sondern es existieren daneben noch vielfältige andere Möglichkeiten:
  • Gewinne können eingesetzt werden, um Aktien zurückzukaufen. Auf diese Weise lässt sich der Unternehmenswert kurzfristig steigern, während sich die Aktionäre über wachsende Dividenden freuen können. An kurzfristigen Ertrags- und Wertsteigerungen interessierte Kapitaleigner bleiben bei entsprechenden Steigerungen dem Unternehmen eher treu, sie mögen auch eher geneigt sein, im Rahmen der Aufsichtsorgane der Steigerung der Managereinkommen zuzustimmen.
  • Mit Gewinnen können Fusionen und Übernahmen realisiert werden, um unliebsame Konkurrenz oder Überkapazitäten zu beseitigen, sie können auch für Auslandsinvestitionen genutzt werden. Sie führen damit häufig zum Verlust von Arbeitsplätzen, zum Teil aber auch zu deren Sicherung.
  • Gewinne können auch zur Steigerung von Löhnen verwendet werden. Dies birgt zwar zunächst die Möglichkeit, die kaufkräftige Gesamtnachfrage zu erhöhen, sie steigern aber zunächst die eigenen Kosten und fließen dem Unternehmen nicht direkt als Nachfrage wieder zu.
  • Ebenso können Gewinne für arbeitsplatzschaffende Erweiterungsinvestitionen eingesetzt werden. Es besteht dabei aber immer ein Risiko, da unklar ist, ob die zusätzlich geschaffene Menge auf dem Markt auch längerfristig absetzbar ist.


Rentabilität: Verzinsung des eingesetzten Kapitals

Unternehmer wissen nicht von vorneherein, ob sich der Einsatz der Mittel überhaupt lohnt. Aber selbst wenn eine Leistung erbracht und auch abgesetzt wurde, kann erst davon gesprochen werden, dass es sich gelohnt hat, wenn auch tatsächlich ein "angemessener" Gewinn erzielt wurde. Man stelle sich vor, ein kleiner Unternehmer investiert zunächst 100 000 Euro Eigenkapital und stellt am Ende des Jahres fest, dass er nach Abzug aller Kosten einen Gewinn von 5000 Euro erzielt hat. Hätte er das gleiche Geld für sechs Prozent fest angelegt, wären ihm wahrscheinlich Aufwand, Mühe und manche schlaflose Nacht und zusätzlicher Stress erspart blieben, und er hätte doch risikoloser einen höheren Ertrag erzielt. Wer also lediglich Rendite für sein eigenes oder fremdes Kapital einsetzen will, wird sicher mindestens den Zins erzielen wollen, den ihm risikolose Staatsanleihen ermöglichen, aber auch eine "Zitterprämie" zum Ausgleich des Verlustrisikos.

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Um also vergleichen zu können, ob bei einem alternativen Einsatz des Eigenkapitals eine höhere Rendite erzielt wird, wird die Rentabilität ermittelt. Dadurch wird ausgedrückt, wie hoch sich das eingesetzte Kapital verzinst hat. Der Gewinn wird auf den Mitteleinsatz bezogen, um vergleichen zu können, ob mit einem alternativen Einsatz des Eigenkapitals höhere Renditen möglich gewesen wären. Es kann sogar mit einem geringen Gewinnanteil am Umsatz eine günstige Eigenkapitalrentabilität erwirtschaftet werden, wenn nämlich ein hoher Umsatz erzielt wurde - wie etwa bei den Lebensmitteldiscountern.

Vor allem die Kapitaleigner sind an einer hohen Rentabilität orientiert. Aus der Zusammensetzung dieser Kennziffer wird deutlich, dass die Rentabilität auch dann gesteigert wird, wenn Gewinn und Eigenkapital bzw. die Eigenkapitalbasis des Unternehmens verringert werden. Es erscheint plausibel, dass beispielsweise Fondsmanager, die kurzfristig Kursgewinne realisieren bzw. -verluste vermeiden wollen, an der Rentabilitätsentwicklung in noch höherem Maße interessiert sind als Eigentümerunternehmer bzw. Familienunternehmen, die eine emotionale Beziehung zum jeweiligen Unternehmen, seinen Produkten und seiner langfristigen Entwicklung haben. Studien der Unternehmensberatung Ernst&Young und der Universität St. Gallen diagnostizierten in Familien- und Eigentümerunternehmen ein größeres Interesse am langfristigen Überleben mit dauerhaft hoher Dividendenrendite sowie ein Interesse an Kontinuität auf der Managementebene und der eigenen Unabhängigkeit mit der Folge, dass unternehmerische Entscheidungen sich weniger stark an kurzfristigen Erfolgen ausrichten.



 

Dossier

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Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor. Weiter...