Fußball - mehr als ein Spiel
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Fußball weltweit


4.5.2006
Auf allen Kontinenten wird Fußball gespielt. Eine wichtige Rolle spielt die FIFA. Ihr ehemaliger Präsident Joao Havelange stärkte mit Unterstützung internationaler Firmen die Fußballverbände in Lateinamerika, Afrika und Asien. Seit 1998 ist der Schweizer Sepp Blatter FIFA-Präsident.

Der Schweizer FIFA-Präsident Joseph Blatter öffnet den Umschlag, der verkündet, dass die FIFA Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika stattfinden wird.Der Schweizer FIFA-Präsident Joseph Blatter öffnet den Umschlag, der verkündet, dass die FIFA Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika stattfinden wird. (© AP)

Gründung der FIFA



Als sich vom 21. bis 23. Mai 1904 in Paris sieben fußballbegeisterte Europäer aus fünf Nationen trafen und die FIFA gründeten, konnten sie nicht ahnen, dass ihr Sport einmal weltweit populär werden würde. Ebenso wenig konnten sie vorhersehen, dass ihr Verband einige der wichtigen Entwicklungen widerspiegeln würde, die das 20. Jahrhundert prägten. Hierzu zählt zum Beispiel der allmähliche Machtverlust der europäischen Staaten, das Bemühen von Ländern aus Lateinamerika, Asien und Afrika, sich als gleichberechtigte Partner zu behaupten, eine globale Kommerzialisierung oder das prekäre Verhältnis von politischer und ökonomischer Macht.

1904 in Paris war die Zielsetzung eigentlich ganz einfach. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Europa bereits mehr als zwanzig Fußballverbände, die zwar erst wenige Mitglieder zählten, aber an internationalen Begegnungen interessiert waren. Diese erforderten einheitliche Regeln, klare Zuständigkeiten und eine gemeinsame Organisation. Da der Fußball in England am weitesten entwickelt war und als Vorbild diente, hofften die Beteiligten, der englische Verband werde diese Aufgabe übernehmen. Dieser hielt sich jedoch zurück, da er in dem geplanten Zusammenschluss für sich keinen Vorteil sah. Zudem gab es bereits seit 1882 einen International Football Association Board mit je einem Mitglied aus England, Schottland, Wales und Irland, der die Festlegung und Einhaltung der Regeln sicherte.

Nicht nur die Fußballer organisierten sich um die Jahrhundertwende international. In dieselbe Zeit fielen auch ein internationales Patentabkommen (1883), die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (1894), die Erste Haager Friedenskonferenz (1899), der Internationale Frauentag (1911) oder eine Beleuchtungskommission zur Festlegung verbindlicher Standards (1913). Doch neben solchen Bemühungen um eine internationale Zusammenarbeit war die damalige Zeit durch große Spannungen geprägt. Dazu gehörten vor allem Nationalitätenkonflikte, die auch Auswirkungen auf die FIFA hatten, denn jedes Land bzw. jede Nation durfte in der FIFA nur durch einen Verband vertreten sein. Es gab aber Nationen, die über keinen eigenen Staat verfügten, so zum Beispiel die Böhmen. Sie besaßen aber einen eigenen Fußballverband und wurden in die FIFA aufgenommen. Da Böhmen jedoch politisch zu Österreich-Ungarn gehörte und dieser Vielvölkerstaat seine Existenz durch die aufstrebendennationalen Bewegungen bedroht sah, setzte der österreichische Verband 1908 den Ausschluss Böhmens durch.

Mit dem Ersten Weltkrieg scheiterten die Bemühungen um internationale Verständigung und lebten auch danach nur langsam wieder auf. So gab es anfangs in der FIFA Forderungen, Spiele gegen die ehemaligen Kriegsgegner Deutschland, Österreich und Ungarn zu verbieten. Daran hielten nach langen Diskussionen aber nur die britischen Verbände fest, die sich deshalb von 1920 bis 1924 aus der FIFA zurückzogen. Zu Spannungen kam es auch mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), denn an den Olympischen Spielen nahmen auch Fußballmannschaften teil, die nicht nur aus Amateuren bestanden, was einen Verstoß gegen die Amateur-Prinzipien des IOC bedeutete.

Einrichtung der Fußball-WM



Unabhängig von diesem Konflikt fanden die Fußballbegegnungen bei den Olympischen Spielen so viele Zuschauer, dass die FIFA überlegte, einen eigenen Wettbewerb zu veranstalten. Da mehrere europäische Verbände ähnliche Pläne verfolgten und die Spannungen mit dem IOC nicht nachließen, beschloss die FIFA 1928, alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft auszutragen. Sie fand 1930 zum ersten Mal in Uruguay statt. Dieses Land hatte sich um die Ausrichtung des Turniers beworben, um internationale Anerkennung zu erlangen und den hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeit zu feiern. Außerdem unterbreitete Uruguays Fußballverband der finanzschwachen FIFA das beste finanzielle Angebot, und das Fußballteam Uruguays hatte 1924 und 1928 die olympischen Turniere gewonnen. Auch im eigenen Lande war die Mannschaft aus Uruguay 1930 siegreich, und das Turnier löste in ganz Südamerika große Begeisterung aus. Aus Europa hingegen nahmen nur vier Verbände teil, da die anderen die weite Anreise sowie die Kosten scheuten und zudem über die Vergabe des Wettbewerbs nach Uruguay pikiert waren.

Weltmeisterschaften 1934 bis 1954

Das darauf folgende Turnier fand in Italien statt, dessen Regierung sich ebenfalls politisch profilieren wollte. Die heimische Mannschaft gewann den Titel und siegte 1938 in Frankreich erneut. Dort traten die politischen Spannungen in Europa bereits deutlich zutage. Als eine "großdeutsche" Mannschaft aus deutschen und österreichischen Spielern gegen die Schweiz antrat, zeigten viele Zuschauer offen, dass sie das nationalsozialistische Deutschland ablehnten, und trugen dadurch zum frühen Ausscheiden der Mannschaft bei. 1934 waren aus Südamerika lediglich Brasilien und Argentinien und 1938 sogar nur Brasilien angereist. In Italien nahm erstmals eine Auswahl aus Ägypten teil, während in Frankreich Mannschaften aus Kuba und Indonesien vertreten waren. Auf dem Papier handelte es sich 1934 und 1938 somit um "Weltmeisterschaften", doch faktisch waren bei diesen beiden Turnieren die europäischen Mannschaften weitgehend unter sich.

Etwas internationaler sah es 1950 in Brasilien aus. Hier beteiligten sich immerhin sechs europäische Länder und weitere sechs aus Lateinamerika. Außer diesen nahmen jedoch lediglich die USA teil, sodass diese Weltmeisterschaft letztlich ein Vergleich zwischen Europa und Südamerika war. Zahlreiche Länder beteiligten sich nicht, da sie weiterhin die Kosten der weiten Anreise scheuten oder untereinander in Konflikte verwickelt waren. So zog Argentinien aufgrund einer Auseinandersetzung mit dem brasilianischen Verband seine Meldung zurück. Kurz darauf sagten auch Peru und Ecuador ab. In Europa scheuten gleich mehrere Mannschaften die weite Anreise, so aus der Türkei, Ungarn, Schottland oder Frankreich, obwohl sie bereits qualifiziert waren oder die FIFA sie ausdrücklich eingeladen hatte.

Die Fußball-Weltmeister seit 1930Die Fußball-Weltmeister seit 1930
Demgegenüber fand 1954 die Weltmeisterschaft in der Schweiz ein bedeutend größeres Interesse. 44 Mitglieder der FIFA aus der ganzen Welt meldeten sich dazu an, darunter Indien, Kuba und Vietnam. Die Mitfavoriten aus Brasilien und Uruguay reisten bereits Wochen vor Beginn des Turniers in die Schweiz, und aus der ganzen Welt trafen fast 900 zugelassene Journalisten ein - sehr zur Freude der Schweiz und der FIFA, die sich von der WM hohe Einnahmen erhofften.

Regionale Dachverbände



Die europäischen Vereine gründeten während des Turniers 1954 einen eigenen Dachverband, die Union of European Football Associations (UEFA). Dazu trug bei, dass die Europäer bisher die FIFA weitgehend als "ihren Club" betrachteten und jetzt die zahlreicher werdenden Vertreter aus Lateinamerika als Konkurrenten ansahen. Diese hatten sich bereits 1916 in einem eigenen Dachverband, der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL), zusammengeschlossen und meldeten vermehrt ihre Interessen gegenüber den europäischen Verbänden an.


Die Welt spielt FußballDie Welt spielt Fußball
Da zudem immer mehr Länder aus Afrika und Asien der FIFA beitraten, verschoben sich langsam die Kräfteverhältnisse. 1954 entstand die Asian Football Confederation (AFC), 1957 die Confédération Africaine de Football (CAF), 1961 die Confederation of North and Central American and Caribbean Association Football (CONCACAF) und 1966 die Oceania Football Confederation (OFC). Diesem Verband gehörte Ende der 1970er Jahre vorübergehend auch Israel an, da Spiele zwischen israelischen und arabischen Mannschaften zunehmend zu Spannungen führten und die damals gemeinsame Mitgliedschaft im asiatischen Verband problematisch wurde. Deshalb wurde Israel Ozeanien zugeordnet, was zwar gegen die territoriale Aufteilung der FIFA verstieß, aber die Möglichkeit bot, einen politischen Konflikt auszuklammern. Seit 1991 ist der israelische Fußballverband Mitglied der UEFA - auf Vorschlag des Brasilianers Joao Havelange, der seit 1974 Präsident der FIFA war.



 

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