Umweltpolitische Herausforderungen
Umweltbelastungen sind regional äußerst unterschiedlich verteilt. Doch auch scheinbar lokal begrenzte Umweltprobleme treten in Wechselwirkung mit globalen Gefährdungen und bedrohen so die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit.
Armut führt zu ökologisch nachteiligen Verhaltensweisen, z.B. wenn Bäume im Regenwalt gerodet werden, um Brennholz zu gewinnen. (© dapd)Einleitung
Neben der Bekämpfung von Hunger und Armut zählt das Bemühen um die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit auch im 21. Jahrhundert zu den größten politischen Herausforderungen. Eine Vielzahl lokaler, regionaler und globaler Umweltprobleme trägt in weiten Teilen der Erde zur Verschärfung von Hunger, Armut und Elend bei. Einem knappen Fünftel der Bevölkerung weltweit fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und mehr als einem Drittel mangelt es an sanitären Einrichtungen. 1,2 Milliarden Menschen müssen von weniger als einem US-Dollar täglich leben.
Umgekehrt nötigen Verelendung, Hunger und Armut die Menschen vielerorts zu ökologisch nachteiligen Verhaltensweisen und tragen somit ihrerseits zur Verschärfung der weltweiten Umweltprobleme bei. Dies geschieht zum Beispiel, wenn Urwälder gerodet werden, um Ackerfläche und Brennholz zu gewinnen. Um diesem Dilemma sinnvoll begegnen zu können, haben sich die Regierungen der Welt auf das Leitbild der so genannten nachhaltigen Entwicklung verständigt.
Verteilung der Risiken
Die drängendsten Umweltprobleme betreffen die Atmos-phäre und das Klimasystem, die Ozeane, die biologische Vielfalt sowie die sinkende Qualität von Böden und Gewässern. Eng damit zusammen hängen unter anderem das stetige Wachstum der Weltbevölkerung, die weltweite Verknappung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und Süßwasservorkommen sowie das Phänomen der Verstädterung (Urbanisierung) der Weltgesellschaft.
Die auftretenden Umweltprobleme können dabei sowohl quantitativer als auch qualitativer Natur sein.
- Eine quantitatives Umweltproblem liegt dann vor, wenn der Verbrauch eines bestimmten Umweltgutes dessen Regenerationsfähigkeit übersteigt, wenn also zum Beispiel dauerhaft mehr Kabeljau aus den Meeren gefischt wird, als natürlicherweise nachwachsen kann, oder einem Grundwasserreservoir mehr Wasser entnommen wird, als der natürliche Wasserkreislauf einspeist.
- Ein qualitatives Umweltproblem liegt dann vor, wenn sich der Zustand eines bestimmten Umweltgutes materiell verschlechtert. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Grundwasser in Folge von landwirtschaftlicher Überdüngung verseucht oder die Luftqualität durch Verkehrs- und Industrieabgase dauerhaft gemindert wird.
Quellentext
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Ökologische Wachstumsgrenzen
Der Soziologe und Theologe Wolfgang Sachs leitet das Projekt "Globalisierung und Nachhaltigkeit" am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie.
Der Club of Rome löste in den 70er Jahren mit dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" einen Schock aus. Viele sagen heute: Er hat sich geirrt. Das Wachstum kann praktisch unendlich weitergehen.
Wolfgang Sachs: Dass der Globus biologische und physikalische Grenzen hat, die der Mensch überschreiten kann, ist doch weitgehend unbestritten. Die Frage ist nur: Wann werden die Grenzen wirksam und wie passiert das? [...]
Erdöl und andere Rohstoffe reichen offenbar länger als früher vorausgesagt.
Wir betrachten die Natur nicht nur als Lagerhaus von Ressourcen wie Öl oder Holz, das begrenzt ist. Sie hat noch eine zweite Seite: Sie ist auch ein Lebensnetz, das uns zum Beispiel Wasser zur Verfügung stellt, die Befruchtung von Blumen sichert, die Photosynthese organisiert. [...] Dieses Netz ist viel schwerer zu ersetzen als die Ressourcen aus dem Lagerhaus.
Was passiert mit ihm konkret?
Es wird bei Überlastung dünner, wird weniger wirksam, verschwindet. Anzeichen dafür sind unübersehbar: Klimawandel, Wasserknappheit, Erosion der Agrarflächen, sinkende Fischreserven in den Meeren - das sind Erscheinungsformen der Grenzen.
Umweltforscher mögen das feststellen. Aber wenn Sie heute dem Mann auf der Straße sagen: Die Naturgrenzen sind erreicht, wird er das nicht so sehen. Er spürt davon wenig bis nichts.
Ja, weil es keine Ziellinie gibt, bei der man spürt: Nun ist die Grenze erreicht, und der Schritt darüber hinaus ist schon der Schritt im roten Bereich. Es gibt keine Mauer, an die man dranklatscht. Die Biosphäre ist eher einem Gewebe vergleichbar, das Fäden verliert, bis dann mal die Löcher reißen.
Sie argumentieren: Die Menschen produzieren und konsumieren schon so viel, dass die Naturgrenzen bereits um 20 Prozent überschritten werden. Trotzdem setzt alle Welt auf weiteres Wirtschaftswachstum. Müsste nicht alles getan werden, den "ökologischen Fußabdruck" von 120 auf 100 Prozent zu verkleinern?
Die 120 Prozent sind ein kräftiges Warnsignal. Die immer noch weit verbreitete Losung "Wachstum hilft den Entwicklungsländern, die Armut zu überwinden und auf die Augenhöhe der reichen Staaten zu kommen" führt in die Irre. 25 Prozent der Erdbewohner zählen zur transnationalen Konsumentenklasse - die meisten davon leben in den Industriestaaten, doch eine zunehmende Zahl auch in den Schwellenländern wie China oder Brasilien. Es sind rund 1,7 Milliarden Menschen. Bereits dieses Viertel überstrapaziert die Biosphäre.
Die Folgerungen daraus?
Die Reichen müssen ihren Wohlstand mit viel weniger Rohstoffen produzieren, er muss schlanker, ressourcenleichter werden. Und die Länder, die heute noch nicht an den Fressnäpfen sitzen, dürfen nicht die Entwicklung imitieren, die der Norden genommen hat. Sie müssen einen Weg suchen, der bei weitem nicht zu einer ähnlich hohen Belastung der Biosphäre führt. [...]
Politiker in Entwicklungsländern werden zu Recht sauer, wenn der reiche Norden von ihnen Beschränkung verlangt.
[...] Glaubwürdig kann der Norden nur sein, wenn er seinen Übergang zur ressourcenleichten Produktion und Lebensweise drastisch beschleunigt. Erst dann wird bei den ärmeren Ländern die Neugier wachsen: Was machen die denn da? Zum Teil passiert das ja auch schon. [...] Interessanterweise geschehen Veränderungen in Ländern wie China, Indien oder Brasilien dann viel schneller, als wir es in unserer Geschichte gewohnt sind.
Mit Wolfgang Sachs sprach Joachim Wille. "Die Armut sinkt, aber die Umweltkrise verschärft sich", in: Frankfurter Rundschau vom 12. Mai 2005
Der Club of Rome löste in den 70er Jahren mit dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" einen Schock aus. Viele sagen heute: Er hat sich geirrt. Das Wachstum kann praktisch unendlich weitergehen.
Wolfgang Sachs: Dass der Globus biologische und physikalische Grenzen hat, die der Mensch überschreiten kann, ist doch weitgehend unbestritten. Die Frage ist nur: Wann werden die Grenzen wirksam und wie passiert das? [...]
Erdöl und andere Rohstoffe reichen offenbar länger als früher vorausgesagt.
Wir betrachten die Natur nicht nur als Lagerhaus von Ressourcen wie Öl oder Holz, das begrenzt ist. Sie hat noch eine zweite Seite: Sie ist auch ein Lebensnetz, das uns zum Beispiel Wasser zur Verfügung stellt, die Befruchtung von Blumen sichert, die Photosynthese organisiert. [...] Dieses Netz ist viel schwerer zu ersetzen als die Ressourcen aus dem Lagerhaus.
Was passiert mit ihm konkret?
Es wird bei Überlastung dünner, wird weniger wirksam, verschwindet. Anzeichen dafür sind unübersehbar: Klimawandel, Wasserknappheit, Erosion der Agrarflächen, sinkende Fischreserven in den Meeren - das sind Erscheinungsformen der Grenzen.
Umweltforscher mögen das feststellen. Aber wenn Sie heute dem Mann auf der Straße sagen: Die Naturgrenzen sind erreicht, wird er das nicht so sehen. Er spürt davon wenig bis nichts.
Ja, weil es keine Ziellinie gibt, bei der man spürt: Nun ist die Grenze erreicht, und der Schritt darüber hinaus ist schon der Schritt im roten Bereich. Es gibt keine Mauer, an die man dranklatscht. Die Biosphäre ist eher einem Gewebe vergleichbar, das Fäden verliert, bis dann mal die Löcher reißen.
Sie argumentieren: Die Menschen produzieren und konsumieren schon so viel, dass die Naturgrenzen bereits um 20 Prozent überschritten werden. Trotzdem setzt alle Welt auf weiteres Wirtschaftswachstum. Müsste nicht alles getan werden, den "ökologischen Fußabdruck" von 120 auf 100 Prozent zu verkleinern?
Die 120 Prozent sind ein kräftiges Warnsignal. Die immer noch weit verbreitete Losung "Wachstum hilft den Entwicklungsländern, die Armut zu überwinden und auf die Augenhöhe der reichen Staaten zu kommen" führt in die Irre. 25 Prozent der Erdbewohner zählen zur transnationalen Konsumentenklasse - die meisten davon leben in den Industriestaaten, doch eine zunehmende Zahl auch in den Schwellenländern wie China oder Brasilien. Es sind rund 1,7 Milliarden Menschen. Bereits dieses Viertel überstrapaziert die Biosphäre.
Die Folgerungen daraus?
Die Reichen müssen ihren Wohlstand mit viel weniger Rohstoffen produzieren, er muss schlanker, ressourcenleichter werden. Und die Länder, die heute noch nicht an den Fressnäpfen sitzen, dürfen nicht die Entwicklung imitieren, die der Norden genommen hat. Sie müssen einen Weg suchen, der bei weitem nicht zu einer ähnlich hohen Belastung der Biosphäre führt. [...]
Politiker in Entwicklungsländern werden zu Recht sauer, wenn der reiche Norden von ihnen Beschränkung verlangt.
[...] Glaubwürdig kann der Norden nur sein, wenn er seinen Übergang zur ressourcenleichten Produktion und Lebensweise drastisch beschleunigt. Erst dann wird bei den ärmeren Ländern die Neugier wachsen: Was machen die denn da? Zum Teil passiert das ja auch schon. [...] Interessanterweise geschehen Veränderungen in Ländern wie China, Indien oder Brasilien dann viel schneller, als wir es in unserer Geschichte gewohnt sind.
Mit Wolfgang Sachs sprach Joachim Wille. "Die Armut sinkt, aber die Umweltkrise verschärft sich", in: Frankfurter Rundschau vom 12. Mai 2005
Globale Gefährdungen
Zerstörung der Atmosphäre
Kein anderes Umweltmedium ist von so offenkundig globaler Bedeutung wie die den Erdball umhüllende Atmosphäre, deren vielfältige ökologische Funktionen für die Menschheit sowie die Tier- und Pflanzenwelt überlebenswichtig sind. Sie stellt die sprichwörtliche Luft zum Atmen bereit und filtert das Sonnenlicht, das ohne diesen Filter schädlich wäre. Die Atmosphäre besteht ungefähr zu 78 Prozent aus Stickstoff, zu 21 Prozent aus Sauerstoff und zu nur einem Prozent aus einer Reihe von so genannten Spurengasen, die aber maßgeblich die klimatischen Bedingungen des Planeten bestimmen. Dazu zählen unter anderem Kohlenstoffdioxid, Methan, Wasserdampf, Stickstoffoxid, Ozon und Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die so genannten FCKW.
Vor allem der aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe - namentlich Erdöl, Kohle und Erdgas - resultierende Anstieg von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre ist ursächlich für die allmähliche globale Erwärmung und den daraus resultierenden Klimawandel, dessen bedrohliche Auswirkungen sich immer deutlicher abzeichnen. Schon eine geringe Erwärmung der Erdatmosphäre bringt Wechselwirkungen mit zahlreichen weiteren Umweltproblemen mit sich und verschärft diese in aller Regel. So können schon geringe Klimaschwankungen weitreichende Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt nach sich ziehen und zum Beispiel das Wanderungsverhalten von Zugvögeln und Fischschwärmen beeinflussen, die Ausbreitung von Tropenkrankheiten wie Malaria ermöglichen und die Degradation von Böden beschleunigen. Eine ungebremste Aufheizung der Atmosphäre könnte in den nächsten Jahrzehnten zu tiefgreifenden Veränderungen im Erdsystem führen, mit weitreichenden Folgen fürÖkosysteme und Rahmenbedingungen menschlicher Entwicklung.
Ein zweites atmosphärisches Umweltproblem von globaler Bedeutung ist die Ausdünnung der stratosphärischen Ozonschicht. Dabei wird jener Teil unserer vielschichtigen Atmosphäre, der die Erde in zwanzig bis fünfzig Kilometern Höhe vor gefährlicher ultravioletter Sonnenstrahlung schützt, durch die Reaktion mit bestimmten Chemikalien (zum Beispiel FCKW, Methylbromide) zersetzt. Diese Chemikalien sind unter anderem in Kühlstoffen und Düngemitteln enthalten und gelangen aus der Industrieproduktion beziehungsweise durch den Konsum entsprechender Industriegüter sowie durch die Landwirtschaft in die Atmosphäre. Durch die steigende UV-Belastung erhöht sich das Hautkrebsrisiko und Augenlinsen können sich eintrüben. Ferner vermindert sich die Photosynthesetätigkeit bei Pflanzen, was wiederum Ertragseinbußen in der Landwirtschaft nach sich ziehen kann.
Das Ausmaß der Ozonproblematik wurde der Weltöffentlichkeit erstmals bewusst, nachdem britische Wissenschaftler 1985 eine massive Ausdünnung der Ozonschicht über der Antarktis - das so genannte Ozonloch - nachweisen konnten. Seither hat die internationale Staatengemeinschaft durch eine Fülle verbindlicher und immer detaillierter werdender Regelungen wichtige Weichenstellungen vorgenommen, um Herstellung und Verbrauch der so genannten Ozonkiller wirksam zu reduzieren. Gleichwohl ist eine dauerhafte Lösung der Ozonproblematik noch nicht gesichert, zumal auch hier eine negative Wechselwirkung mit dem Klimawandel angenommen wird.
weitere Inhalte:
- Ausgewählte Bereiche gemeinschaftlichen Handelns
- Balanceakt zwischen Ernährung und Naturschutz - die Landwirtschaft
- Entwicklungen innerhalb der EU
- Geschichte der deutschen Umweltpolitik
- Internationale und Europäische Umweltpolitik
- Klima und Klimawandel
- Klimawandel und Klimaschutz
- Länder und Kommunen als Motoren des Umweltschutzes
- Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung
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- Schutz vor schädlicher UV-Strahlung: Die Ozonschicht
- Staatliche Umweltpolitik am Beispiel Deutschlands
- Umwelt und Verbraucher – Angebot und Nach(haltigkeits)frage
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Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus? Weiter...


