Umweltpolitik
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Industrie im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie


6.5.2008
Mit "nachgeschaltetem" Umweltschutz wurden in den 1970er/80er Jahren Industrieabgase "am Ende des Schornsteins" herausgefiltert. Moderne Umweltpolitik setzt auch auf "vorsorgenden" Umweltschutz, um Emissionen erst gar nicht entstehen zu lassen.

Säcke mit biologisch angebautem Getreide stehen an einem Stand der Messe "BioFach 2008" in Nürnberg. Die Weltleitmesse fuer Bio-Produkte dauert vom 21. bis 24. Februar 2008.Die Messe für Bio-Produkte "BioFach 2008" öffnete vom 21.-24. Februar 2008 in Nürnberg ihre Tore. (© AP)

Einleitung



Die industrielle Herstellung von Gütern ist mit der Nutzung von Umweltressourcen untrennbar verbunden. Das beginnt bei der Entnahme und dem Transport von Rohstoffen, deren Verarbeitung in vielen Zwischenschritten und hört mit dem Transport der Produkte nicht auf. Dabei werden Rohstoffe und Energie verbraucht, Emissionen in Luft, Boden und Wasser geleitet, und es entstehen Produktionsabfälle. Verarbeitendes Gewerbe, Industrieprozesse und -feuerungen trugen im Jahr 2005 in Deutschland zu circa 30 Prozent der SO2-Emissionen und zu 20 Prozent der CO2-Emissionen bei (www.umweltdaten.de). Dabei sind die Emissionen, die in der Energiewirtschaft durch industriellen Stromverbrauch entstehen, noch nicht mit eingerechnet. Nicht nur die Herstellung, sondern auch Produkte selbst können mehr oder weniger umweltfreundlich gestaltet sein. Das betrifft zum Beispiel mögliche Inhaltsstoffe, Energie- oder Wasserverbrauch während des Gebrauchs oder Belastungen, die durch deren Entsorgung entstehen. Die durch industrielle Produktion bzw. durch Produkte verursachten Umweltschäden treten bei anderen Nutzern der Umwelt (oder zukünftigen Generationen) als zusätzliche Kosten auf. Soweit diese Kosten nicht vom Verursacher getragen werden, wird von negativen externen Effekten gesprochen.

Ziel umweltpolitischer Maßnahmen ist es, indu-s-triell bedingte Umweltbelastungen zu vermindern sowie die Entwicklung und Vermarktung umweltfreundlicherer Produkte zu fördern. Jedoch führen Umweltauflagen oft zu zusätzlichen Kosten bei den betroffenen Branchen. Daher ist Umweltpolitik Anlass für oft scharfe Auseinandersetzungen zwischen betroffenen Unternehmen und Umweltbehörden, aber auch innerhalb des Regierungsapparates, zwischen dem Umweltressort und den Ministerien, denen die Interessen der Industrie näher stehen. Bisherige umweltpolitische Strategien haben mit unterschiedlichen Instrumenten versucht, auf diese Zielkonflikte zu reagieren.

Maßnahmen gegen industrielle Umweltbelastungen



In einer ersten Phase der Umweltpolitik ging es zunächst darum, lokale Umweltbelastungen zu vermindern. Die Industrie baute hohe Schornsteine, um Schadstoffe weiträumig zu verteilen. Abfälle wurden ins Meer verbracht, um sie zu verdünnen. Im Wesentlichen sollten Beeinträchtigungen in der Nachbarschaft von Industrieanlagen vermindert werden. Die entsprechenden rechtlichen Grundlagen wurden in vielen Ländern bereits mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert geschaffen. Die Basis dafür war in der Regel ein Nachbarschaftsrecht, mit dem benachbarte Grundbesitzer ihre Rechte durch Klagen wahren konnten. Seit Ende der 1960er Jahre wurde unter dem Eindruck erheblicher Umweltschäden, zum Beispiel weiträumiger, sichtbarer Wasser- und Luftverschmutzungen, die Aufgabe des Umweltschutzes zunehmend durch den Staat übernommen.

"End of Pipe"-Umweltschutz

Die Defizite einer Umweltpolitik, die vor allem auf eine weiträumige Verteilung von Schadstoffen setzt,wurden mit dem allgegenwärtigen Auftreten von Schadstoffen in allen Umweltmedien (Wasser, Boden, Luft) und in der Nahrungsmittelkette (zum Beispiel Blei in Nahrungsmitteln) deutlich. Eine neue Phase der Umweltpolitik zielte seit den 1970er/80er Jahren darauf, die Emissionen am Ende des Produktionsprozesses in Filtern zu sammeln. Im Rahmen von Genehmigungsverfahren für Industrieanlagen wurden Auflagen für Schadstoff-Grenzwerte erteilt, deren Einhaltung vonAufsichtsbehörden kontrolliert wurde.Technologien, die zur Einhaltung dieser Grenzwerte notwendig sind, wurden den Betreibern von Industrieanlagenrechts verbindlich vorgeschrieben. Die bevorzugten Technologien dazu sind Filter und Kläranlagen. Diese werden dem Produktionsprozess zugeschaltet, ohne dass die zentralen Verfahren verändert werden. Diese Art der Umweltschutztechnologie trägt den Namen End of pipe-Technologie, weil sie am Emissionsaustritt einsetzt.

Integrierte Technologien

EOP-Umweltschutz hat eine Reihe von Nachteilen. Auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Kosten fürdiese Technologien nicht sehr hoch sind (der Anteil der Umweltschutzausgaben von Staat und Industrie am Bruttoinlandsprodukt beträgt insgesamt 1,6 Prozent), sind einige Branchen aber besonders empfindlich betroffen. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Schadstoffe in konzentrierter Form als Filterstäube oder Klärschlämme anfallen und deponiert oder behandelt werden müssen. In vielen Branchen wurden daher Technologien entwickelt, bei denen durch die Veränderung der Produktionsprozesse die Schadstoffe überhaupt nicht mehr auftreten oder doch stark vermindert werden (integrierte Technologien/clean technologies). Beispiele sind CO2-arme oder -freie Technologien zur Stromerzeugung oder emissionsarme Herstellungsverfahren für Chemikalien.

Ausgaben des Produziereden Gewerbes für den UmweltschutzAusgaben des Produziereden Gewerbes für den Umweltschutz
Die Anwendung dieser Technologien erfordert zumeist eine Umstellung des Produktionsprozesses und erhebliche Investitionen. In vielen Fällen werden dabei aber auch Ressourcen und Energie eingespart. Meist entscheiden sich Unternehmen für integrierte Technologien, wenn alte Anlagen ersetzt werden müssen.



 

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