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Baustein 4: Und nun? Was können wir tun? - Projekte & Maßnahmen


28.7.2014
Für den Umgang mit Rechtsextremismus ist neben theoretischem Wissen auch praktisches Engagement von entscheidener Bedeutung. Dieser Baustein stellt bereits erfolgreich durchgeführte Praxisbeispiele vor. Darüber hinaus werden Infomaterialen, wie z.B. Hilfen zum Projekt- und Zeitmanagment, zur Verfügung gestellt, die die Durchführung eines eigenen Projekts gegen Rechtsextremismus unterstützen und vereinfachen. Eine Liste mit ausgewählten Projektideen hilft Ihnen, ein geeignetes Projekt zu finden, dass sich unter den vorhandenen Rahmenbedingungen auch umsetzen lässt.

Für den Umgang mit Rechtsextremismus ist neben theoretischem Wissen auch praktisches Engagement von entscheidender Bedeutung.

In diesem Baustein geht es darum, nach der theoretischen Erarbeitung des Themas Rechtsextremismus in den Bausteinen 1 bis 3, nun selbst gegen Rechts aktiv zu werden. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer stellen sich dabei die Fragen: Was können wir im Rahmen der Schule gegen Rechtsextremismus tun? Gibt es Projekte aus der Praxis, die auch ohne großen Aufwand realisierbar sind? Können wir uns auch als gesamte Schule gegen den Rechtsextremismus engagieren?

Um Lehrerinnen und Lehrer bei der Suche, Planung und Durchführung eines eigenen Projekts oder einer Aktion gegen Rechtextremismus zu unterstützen, bietet dieser Baustein diverse Hilfsmittel.

1. Best Practice Projekte



Zunächst werden sechs in der Praxis erfolgreich durchgeführte Projekte gegen Rechtsextremismus dokumentiert, um aufzuzeigen, wie in unterschiedlicher Ausprägung eine erfolgreiche Aktion aus einer im schulischen Umfeld entstandenen Idee realisiert werden kann. Diese Best Practice Projekte geben zusammen mit einer Liste möglicher Projektideen (Info 04.04) eine erste Orientierung für ein eigenes Projekt.

Zudem lassen sie einige zentrale Punkte, die schon in der didaktischen Konzeption genannt und ausgeführt wurden, exemplarisch erkennen. Sie sollen hier noch einmal zusammengefasst werden:
  • Projektarbeit funktioniert dort gut, wo Schülerinnen und Schüler sich ernstgenommen fühlen, sie in der Umsetzung ihrer Ideen unterstützt werden und auch „abseitige“ Vorschläge wertschätzend diskutiert werden.
  • Die Umsetzung von Projekten erfordert Engagement und unter Umständen einen langen Atem. Das Verteilen der Arbeit auf mehrere Schultern bei Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern sollte daher von Beginn an mitgedacht werden. Zudem bietet sich die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern an (siehe Linksammlung: „Weiterführende Hilfen und Unterstützung“).
  • Erst durch die Formulierung von konkreten Zielen kann ein Projekt funktionieren. Wen will ich warum wie mit was erreichen? Und bis wann? (Vgl. Info 04.01.)
  • Schon bei der Planung und den ersten Schritten des Projekts sollte darauf geachtet werden, möglichst nicht gegen Widerstände, sondern mit Rückenwind zu arbeiten (siehe Info 04.02 Stakeholder – Kraftfelder – Einflüsse – Interessen). Schon frühzeitig sollten alle relevanten Akteurinnen und Akteure eingebunden und das Vorgehen transparent gemacht werden.
  • Eine gute, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erstellte und stetig weiterentwickelte Planung ermöglicht es allen Beteiligten, sowohl bei kleineren, zeitlich begrenzten Aktionen als auch bei langfristig angelegten Projekten den Überblick zu behalten und das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren.
  • Sofern erwünscht, kann eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit das Projekt im Schulumfeld bekannt machen und positive Rückwirkung sowohl auf das Image der Schule wie auch auf die Motivation der Beteiligten haben.
    (Hinweise bietet folgende Übersicht von Dokumentationsmethoden).

2. Projektmanagement: Organisieren, anleiten und unterstützen



Die folgende grobe Planungsskizze, soll Sie bei der Organisation und Durchführung einer eigenen Aktion oder eines eigenen Projekts unterstützen. Hier finden Sie hilfreiche Hinweise, die sich direkt aus den beschriebenen Praxisprojekten ableiten lassen und durch begleitende Materialien (z.B. Info 04.03) unterstützt werden.

Phase 1: Partizipativer Einstieg

Warum sollten wir überhaupt etwas gegen Rechtsextremismus tun?

Die Schülerinnen und Schüler haben in den vorangegangenen Bausteinen 1-3 mit sozialwissenschaftlichen Methoden selbst untersucht, welche Einstellungen in ihrem Umfeld vorhanden sind (Baustein 1), sowie Phänomene (Baustein 2) und Erklärungsansätze (Baustein 3) des Rechtsextremismus erörtert. Daraus ergibt sich aber nicht für alle Schülerinnen und Schüler automatisch der Impuls, etwas „dagegen“ tun zu wollen oder zu müssen. Dieser Impuls wird häufig eher von Lehrkräften "verordnet". Eine partizipative Bearbeitung der Frage „Warum sollten wir überhaupt etwas gegen Rechtsextremismus tun?“ ist somit zunächst pädagogisch notwendig, des Weiteren aber ebenso als Sicherung der bisher erarbeiteten Inhalte hilfreich.

Der Bezug auf den von den Schülerinnen und Schülern erlebten Alltag und ihre Lebenswelt kann sich durch einen Rückbezug auf Baustein 1 und die Ergebnisse der Befragung ergeben. Hier kann auch bei der Frage nach möglichen Zielformulierungen angeknüpft werden: Was brauchen wir überhaupt an unserer Schule? Was ist gerade Thema? Geht es eher um Aufklärung über eine organisierte Neonazi-Szene? Oder gibt es so etwas hier bei uns gar nicht und die Sensibilisierung hinsichtlich alltäglicher Diskriminierungen sollte im Mittelpunkt stehen?

Am Ende dieser Phase kann ein erstes Leitziel des Projekts formuliert werden. Hierzu bietet sich etwa die Unterrichtsmethode „Placemat“ an (s. M 04.03), bei der die Schülerinnen und Schüler zuerst allein und dann in der gesamten Lerngruppe ihre Impulse und Ideen zum Thema reflektieren können. Explizit soll es in dieser Phase noch nicht um die Umsetzung konkreter Aktionen gehen, sondern um die Beantwortung der zentralen Frage „Warum überhaupt etwas tun?“

Phase 2: Brainstorming

Die 1.000-Euro-Frage: Was würdet ihr gegen Rechtsextremismus an unserer Schule tun, wenn ihr 1.000 Euro zur Verfügung hättet?

Diese Methode bietet sich als Impuls für den Einstieg in eine konkrete Planung von Aktionen und Schwerpunkten, vor allem aber die Formulierung von Zielen, an. Anhand von ersten Projektideen können die Schülerinnen und Schüler die relevanten Fragen diskutieren. In der Regel ergibt dieses erste Brainstorming eine kreative Sammlung von Aktionsideen. Die Bandbreite reicht dabei von leicht durchführbaren Ideen bis zu völlig utopischen Einfällen. In der Auswertung der entwickelten Vorschläge sollten allerdings zunächst alle gleichwertig behandelt werden. Mit Hilfe folgender Leitfragen können die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften abwägen, welche Ideen realistisch umsetzbar und sinnvoll vor dem Hintergrund des in Phase 1 erarbeiteten Leitziels sind:
  • Wer soll angesprochen werden? (Zielgruppe)
  • Um welches Thema geht es?
  • Wie viel Geld (Zeit, Aufwand, Engagement, Engagierte,…) würde das tatsächlich kosten?
Unterstützend kann hierbei die Tabelle zur „Themenfindung“ (M 04.01) genutzt werden. Am Ende dieser Phase können Inhalte und Aktionen des Projekts benannt werden.

Phase 3: „Smarte“ Mittler- und Handlungsziele

Nachdem schon in Phase 1 ein Leitziel vereinbart worden ist und in Phase 2 mögliche Inhalte und Aktionen diskutiert wurden, gilt es nun, diese Planung konkreter zu machen und mit Hilfe von Mittler- und Handlungszielen auszudifferenzieren. Die Ziele sollten dabei immer SMARTE Ziele sein. Sie müssen klar definiert und erreichbar sein, zudem muss überprüfbar sein, ob sie erreicht worden sind sowie verbindliche (End-)Termine festgelegt werden (siehe hierzu Info 04.01 Planungshilfe Projekte). In Gruppenarbeit können die Schülerinnen und Schüler die Formulierung der Ziele mit Hilfe des Arbeitsblatts „Gruppenplanung im Detail“ (M 04.06) vornehmen.

Phase 4: Detailplanung/Vorbereitung

Die Planung der Details eines kleinen, aber auch eines umfangreichen Projekts bis hin zu ganzen Projektwochen verbindet die Notwendigkeit eines guten Zeit- und Aufgabenplans, der für alle Beteiligten transparent, verbindlich und gemeinsam vereinbart ist. Eine erste Orientierung bietet folgender modellhafter Zeitplan (M 04.02). Anhand dieses Arbeitsblatts lässt sich mit der Lerngruppe ein Projekt mit allen notwendigen Aufgaben planen und die Arbeit gerecht auf mehrere Schultern verteilen. Hier werden auch Aufgaben deutlich, für die es einer Kooperation mit externen Partnern bedarf, beispielsweise als Referent/-innen. Um von den in der Regel vielfältigen Erfahrungen dieser Partner zu profitieren, sollten diese schon in einer frühen Phase der Planung einbezogen werden. So können konstruktive Vorschläge einfacher aufgenommen werden. Gerade in dieser Phase können die formulierten Leit-, Mittler- und Handlungsziele einen hilfreichen „Kompass“ für die Planung von Details bieten und sollten daher immer wieder mit eingebracht werden – durch Aushängen im Klassen- oder Projektraum sind sie der Lerngruppe immer präsent.

Phase 5: Durchführung

Die Durchführung und Verwirklichung von Projekten ist je nach Schulform, Vorhaben und gegebenem Rahmen immer sehr individuell. Wichtig ist es, gerade bei länger andauernden Projekten, die Motivation unter den Schülerinnen und Schülern hoch zu halten und eine enge Begleitung zu gewährleisten, ohne allzu steuernd einzugreifen.

Phase 6: Nachbereitung

Ist die Durchführung eines Projektes abgeschlossen, drängen häufig neue Herausforderungen. Der Lehrplan fordert neue Themen und ein rasches Fortschreiten im Stoff, vielleicht setzt auch eine Ermüdung bei den Beteiligten ein. Einer Nachbereitung auf mindestens zwei Ebenen sollte daher schon in der Planung des Projekts Platz und Zeit eingeräumt werden. Zum einen geht es gerade in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern darum, abseits vom Leistungs- und Notendruck einen positiven Abschluss zu finden, der auch für zukünftiges Engagement motiviert. Das Herausstellen des positiv Erreichten und der Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler sollte daher zentrales Moment der Nachbereitung sein. Im Rahmen einer schülerorientierten Feierstunde, bei der die Schulleitung und weitere wichtige Personen des gesellschaftlichen Lebens, etwa der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin, den Einsatz der Schülerinnen und Schüler honorieren, oder auch im kleinen Rahmen bei einer „Klassenparty“ kann sehr einfach Wertschätzung demonstriert werden.

Darüber hinaus ist es aus fachlicher Sicht wichtig, noch einmal zu überprüfen, ob die gesetzten Ziele erreicht worden sind, und gegebenenfalls gemeinsam zu überlegen, warum bestimmte Punkte aus dem Fokus geraten sind. Möglichkeiten für eine Reflexion der eigenen Arbeit bieten Reflexionsbögen, die entweder im Anschluss an jede Einheit oder am Ende des Projekts von den Beteiligten ausgefüllt werden können (M 04.08), aber auch einfachere Varianten wie die „Zielscheibe“, mit deren Hilfe die Passgenauigkeit der Projektaspekte gemeinsam überprüft werden kann (M 04.09). Die Ergebnisse einer solchen Reflexion liefern zudem den Lehrkräften wichtige Erkenntnisse für weitere Projektarbeit mit anderen Gruppen zum gleichen, aber auch zu anderen Themen.



 
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