Anti-Nazi-Aufkleber

28.7.2014 | Von:
Wolfgang Sander
Cornelius Knab

Info 03.03 Hinweise zum Rollenspiel „Tatort Stadion“ M 03.11

Das Rollenspiel ist eine Methode, bei der die Lebenswirklichkeit mit spielerischem Agieren verbunden wird. Alltagssituationen, Probleme oder Konflikte werden im Rollenspiel nachempfunden oder vorausschauend bearbeitet. Ziel dieser Methode ist es, Einstellungen und Verhaltensweisen zu verdeutlichen und Ansatzpunkte für Veränderungen aufzuzeigen. Somit können Rollenspiele die Jugendlichen schulen, ihre soziale Umwelt wahrzunehmen und zu beobachten. Das Nachempfinden der Realität befähigt die Schülerinnen und Schüler, Konflikte darzustellen und zu analysieren. Darüber hinaus können sie eigene Verhaltensweisen bewusst erleben und neue Verhaltensweisen einüben.

Aus unterrichtspraktischer Sicht ist die Unterscheidung zwischen spontanem und angeleitetem Rollenspiel wichtig. Bei spontanen Rollenspielen werden Spielsituationen aus dem unmittelbaren Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen. Hierzu zählen beispielsweise Konflikte in der Familie und Probleme in der Schule. Sofern der Unterricht auf Verhaltenstraining, Stärkung der Handlungskompetenz oder soziales Lernen im Zusammenhang mit der Lebenswelt der Jugendlichen abzielt, empfiehlt sich das spontane Rollenspiel. Da die nachzustellende Situation den Beteiligten aus dem Alltag bekannt ist, bedarf diese Art des Rollenspiels außer einer kurzen Einstimmung keiner größeren Vorbereitung. Den Schülerinnen und Schülern ist nur eine Rahmenhandlung vorzugeben, während der Spielablauf und die Ausgestaltung der Rollen flexibel bleiben. Die Bezeichnung "spontanes Rollenspiel" leitet sich nicht davon ab, dass die Schülerinnen und Schüler von sich aus zu agieren beginnen, sondern sie bezieht sich auf die rasche Umsetzung der Spielidee innerhalb des Unterrichtsverlaufs.

Im Gegensatz zum spontanen Rollenspiel steht das angeleitete Rollenspiel. Bei dieser Art werden Situationen oder Probleme bearbeitet, die nicht aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler stammen, sondern zukünftige Lebenssituationen vorgreifen, andere Lebensbereiche simulieren oder sich auf geschichtliche Vorgänge beziehen.

Angeleitete Rollenspiele bedürfen der Aufbereitung durch die Lehrkraft und müssen im Unterricht vor- und nachbereitet werden. Informationsmaterial, Rollenkarten mit Hinweisen für die Spielerinnen und Spieler, sowie Aufgaben zur Generalisierung und zum Transfer kennzeichnen die angeleiteten Rollenspiele.

Einführung in das Thema Fußball und Rechtsextremismus als Vorbereitung auf das Rollenspiel (M 03.10) Jugendkultur wird hier nochmals am Beispiel Fußball thematisiert und nimmt so Bezug zu den Erklärungsansätzen.

Ort: Stadion von Fortuna Kinderhaus

Im letzten Jahr ist die Fußballmannschaft von "Fortuna Kinderhaus" (Münster) in die 3. Liga aufgestiegen und spielt jetzt im Profibereich. Das Team spielte eine sehr gute erste Saisonhälfte und befindet sich auf dem vierten Platz in der Tabelle. Durch die guten Leistungen des Teams ist das Zuschauerinteresse während der Saison stark angestiegen. Neben den vielen Zuschauern konnte Fortuna Kinderhaus einen neuen Sponsor gewinnen der den Verein mit hohen Beträgen unterstützt. In der Kurve von Fortuna Kinderhaus gibt es zwei Fanclubs, die besonders aktiv die Mannschaft unterstützen. Das sind zum Einen die „Alten Kameraden Kinderhaus“ und zum Anderen, die „Ultras Kinderhaus“.

Der Vorfall:

Im letzten Heimspiel vor der Winterpause kommt es bei der Begegnung zwischen Fortuna Kinderhaus und Wacker München zu Pöbeleien und Schmährufen gegen den dunkelhäutigen Spieler von Wacker München Josef Ismaier. Während des gesamten Spiels stimmen Mitglieder des Fanclubs „Alte Kameraden Kinderhaus“ Affenlaute an, wenn Josef Ismaier den Ball erhält. Mehrfach werden auch Bananen auf das Spielfeld geworfen. Josef Ismaier ist betroffen und macht im Interview mit der „Sportschau“ auf die Vorfälle aufmerksam. Daraufhin wird in den Medien ausführlich und kritisch über das Geschehen in Kinderhaus berichtet. Die „Ultras Kinderhaus“ fordern ebenso wie der Sponsor Konsequenzen. Die Lokalzeitung lädt daraufhin zu einem „Runden Tisch“ ein, um mit allen Beteiligten über die Vorfälle zu diskutieren und verbindliche Vereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Das Rollenspiel hat das Ziel, dass sich die Vertreter aller Interessengruppen (alle Rollen) gemeinsam an einen Tisch setzen und die Ereignisse des letzten Heimspiels miteinander diskutieren. Am Ende der Diskussion sollen Maßnahmen gefunden und Beschlüsse getroffen werden, die menschenverachtendes Verhalten im Stadion von Fortuna Kinderhaus unterbinden.

Folgende Rollen sind vorgesehen:

a) Vorstand des Vereins Fortuna Kinderhaus
b) Sponsor: Textilunternehmen „Generation Sport“
c) Ordnungsdienst: „Sicherheit in Kinderhaus“
d) Fanclub „Alte Kameraden Kinderhaus“
e) Fanclub „Ultras Kinderhaus“
f) Fußballspieler Josef Ismaier


Organisation und Verlauf des Rollenspiels

Vorbereitungsphase
  • Die Klasse wird über die Ausgangssituation informiert. Hierzu dient das Arbeitsblatt.
  • Die Gruppen erhalten die Informationen über die jeweiligen Rollen.
  • Die Gruppen entscheiden, für welche Partei die von ihnen dargestellte Person stimmen wird. Hierbei ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler die Entscheidung aus Sicht der jeweiligen Rolle sachlich begründen können und sie sich die Argumente für das Spiel zurechtlegen. (Zur Entscheidungshilfe empfiehlt sich der Einsatz von Parteiinhalten.)
  • Die einzelnen Gruppen wählen eine Spielerin oder einen Spieler aus. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht in eine bestimmte Rolle gedrängt werden bzw. Positionen vertreten, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Die Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Gruppe müssen darauf vorbereitet sein die jeweiligen Spieler/-innen oder Vertreter/-innen aus ihrer Gruppe abzulösen.
Spielphase
  • Während die Darsteller/-innen agieren, beobachten die übrigen Schülerinnen und Schüler das Spiel und notieren sich stichwortartig sowohl die Argumente als auch die Begründungen der einzelnen Rollen.
  • Im Idealfall sollte der Klassenraum in zwei Bereiche unterteilt werden: die Bühne, auf der das Rollenspiel aufgeführt wird, und die „Realität“, in der sich die übrigen Klassenmitglieder befinden. Wenn sich jemand beim Rollenspiel nicht wohl fühlt, muss er die Möglichkeit haben, seine Rolle zu verlassen und in den Raum der "Realität“ zurückzukehren.
  • Die Lehrkraft nimmt während des Rollenspiels die Rolle von Christa bzw. Christian Meyer ein. Meyer berichtet regelmäßig über die Spiele des Vereins Fortuna Kinderhaus und kennt sich bestens in der Fußballwelt aus. Sie bzw. er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Umfeld des Clubs und wird auch von den sehr medienkritischen Ultras akzeptiert.
  • Die Aufgabe von Meyer besteht darin, den Runden Tisch, der auf ihr/sein Anliegen hin initiiert wurde, zu moderieren. Meyer muss während der gesamten Veranstaltung für eine angeregte, aber faire, Diskussion sorgen.
  • Falls sich in der Klasse eine Schülerin oder ein Schüler befindet, welche/r die Kompetenzen besitzt, die Moderation des Runden Tischs zu übernehmen, kann diese/r auch anstelle der Lehrkraft die Rolle von Christa/Christian Meyer übernehmen.
  • Humor sollte zugelassen werden, jedoch keine Albernheiten.
  • Sofern an der Schule eine entsprechende Ausstattung vorhanden ist, kann das Rollenspiel auf Video aufgezeichnet werden. Zum einen können so die Spieler/-innen ihr Agieren beobachten, zum anderen kann die Aufzeichnung in der Auswertungsphase eingesetzt werden.
  • Im Rollenspiel geht es nicht direkt um eine druckfertige Lösung für die Problematik des Vereins Fortuna Kinderhaus. Vielmehr ist ein Perspektivwechsel der Schülerinnen und Schüler das Ziel.
  • Mögliche Lösungen für die Zukunft: diese können z.B. eine neue Stadionordnung, die Bildung einer Arbeitsgruppe (bestehend aus Ultras, Alten Kammeraden, Vereinsführung) oder die Initiierung einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne gegen Rassismus und Diskriminierung sein


Auswertungsphase
  • Die Spielerinnen und Spieler bekommen die Gelegenheit, sich über die Aufführung, ihre Rolle und ihre Empfindungen zu äußern.
  • Die Beobachter kommentieren den Spielverlauf. Ist der Spielverlauf an die Realität angelehnt?
  • Die ganze Klasse diskutiert über die einzelnen Argumente der Rollen und die jeweiligen Begründungen. Die Argumente mit den wichtigsten Begründungen werden festgehalten.
  • Auf der Grundlage des Materials M 03.10 und des Rollenspiels wird die Problematik von Fußball, Jugendkultur und rechtsextremistischen Einstellungen noch einmal im Klassenverbund diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler können hier auch Erfahrungen aus ihrem Alltag einfließen lassen.


Mögliche Schwierigkeiten bei Rollenspielen

Da bei allen Formen von Rollenspielen ähnliche Schwierigkeiten auftreten können, werden die aufgeführten möglichen Probleme allgemein formuliert.

Mögliche Schwierigkeit während der Vorbereitungsphase:
  • Für die Vorbereitungsphase wird zu wenig Zeit eingeplant. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten unter Zeitdruck.
  • Mögliche Schwierigkeiten während des Rollenspiels:
  • Die Rollen knüpfen nicht an die Lebenssituationen der Schülerinnen und Schüler an. Als Folge kann die Aufführung gezwungen wirken.
  • Die Spielleitung greift stark steuernd in den Spielverlauf ein.
  • Verursacht durch die Angst, sich bloßzustellen bzw. sich zu blamieren, haben die Schauspielerinnen und Schauspieler während der Aufführung Hemmungen. (Speziell dieser Schwierigkeit kann entgegengewirkt werden, beispielsweise indem die Rollen in Kleingruppen ausgearbeitet werden, welche dann aus der Gruppe die Schauspielerin oder den Schauspieler auswählen, oder indem Rollenspiele regelmäßig eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist besonders wichtig, dass die Aufführung sachbezogen beurteilt wird.)


Das Arbeitsmaterial ist hier als PDF-Dokument abrufbar.

Eiegener Text


Das Auffliegen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat gezeigt: In Deutschland sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Aber nicht nur im Untergrund oder am Rand der Gesellschaft gibt es rechtsextreme Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und den Glauben an einen starken Führer.

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