Digital Divide
8.6.2010
In den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten entsprachen die Internetkosten (20 Stunden pro Monat) im Jahr 2006 123 Prozent des monatlichen pro Kopf Einkommens.
Fakten
Der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) hat sich in den letzten 20 Jahren in allen Regionen der Welt verbessert. Alle den Gesamttrend zusammenfassenden Statistiken bestätigen eine Verringerung der digitalen Kluft (Digital Divide) zwischen den Staaten. Dies gilt sowohl für die Bereiche Festnetz und Mobilfunk als auch für das Internet. Allerdings bestehen nach wie vor große Unterschiede zwischen den Staatengruppen. Zudem muss neben dem Zugang zu IuK-Technologien auch das potenzielle Nutzerverhalten betrachtet werden, um bestehende Unterschiede erkennen zu können.
Das Nutzerverhalten korreliert stark mit den relativen Kosten, die durch die Nutzung von IuK-Technologien entstehen. Im Jahr 2006 lagen die Internetkosten (20 Stunden pro Monat) in den ökonomisch entwickelten Staaten bei 1 Prozent des monatlichen pro Kopf Einkommens. In einzelnen Staaten, wie zum Beispiel den USA, entsprachen die Kosten sogar nur 0,4 Prozent des durchschnittlichen monatlichen pro Kopf Einkommens. Bei den ökonomisch sich entwickelnden Staaten lag der entsprechende Wert mit 8 Prozent schon deutlich höher. Weit abgeschlagen sind die ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten. Hier entsprachen die Internetkosten 123 Prozent des monatlichen pro Kopf Einkommens. Dabei lag der Wert in der Region Lateinamerika/Karibik mit 213 Prozent nochmals höher.
Auch im Bereich Mobilfunk wird die Nutzung in den ärmeren Staaten massiv durch die Kosten eingeschränkt. Während die Mobilfunkkosten (100 Minuten pro Monat) in den ökonomisch entwickelten Staaten im Jahr 2006 lediglich 2 Prozent des durchschnittlichen monatlichen pro Kopf Einkommens betrugen, waren es bei den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten 60 Prozent. In Afrika war der entsprechende Wert mit 87 Prozent am höchsten.
Die International Telecommunication Union (ITU) hat einen Index entwickelt, der den Zugang zu IuK-Technologien misst und diesen auf das monatliche pro Kopf Einkommen bezieht. Es ist nicht verwunderlich, dass die von der ITU erhobenen Daten einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und dem Zugang zu IuK-Technologien bestätigen. Bemerkenswert ist allerdings wie stark der Zugang vom monatlichen pro Kopf Einkommen abhängt: Im Jahr 2007 lag der sogenannte Korrelationskoeffizient bei 0,91, wobei bei einem Wert von minus 1,0 oder plus 1,0 ein vollständiger linearer Zusammenhang besteht und bei einen Wert von 0 überhaupt kein linearer Zusammenhang festzustellen ist.
Datenquelle
International Telecommunication Union (ITU), OECD u.a.: The Global Information Society: a Statistical View
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Der Begriff 'Digital Divide' wird auch im deutschen Sprachraum verwendet und steht für die Kluft zwischen ökonomisch entwickelten und ökonomisch sich entwickelnden Staaten im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien.
Übergangsstaaten sind hier: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine sowie Usbekistan.
Das Einkommen pro Kopf entspricht hier dem Bruttonationaleinkommen pro Kopf. Das Bruttonationaleinkommen (BNE, früher BSP) wird berechnet, indem vom Bruttoinlandsprodukt die an das Ausland fließenden Löhne und Gewinne (Faktoreinkommen) abgezogen und entsprechend die vom Ausland ans Inland fließenden Faktoreinkommen addiert werden.
Weitere Informationen zur Ausstattung mit IuK-Technologien finden Sie »hier...«.
Tabelle: Digital Divide
Internet- und Mobilfunkkosten in Prozent des monatlichen pro Kopf Einkommens, 2006
| Internetkosten* | Mobilfunkkosten* | |
| in Prozent des monatlichen pro Kopf Einkommens** |
||
| ökonomisch entwickelte Staaten | 1 | 2 |
| darunter: | ||
| USA | 0,4 | 0,3 |
| Japan | 0,5 | 2 |
| Ozeanien | 0,9 | 2 |
| Europa | 1 | 2 |
| Übergangsstaaten*** | 11 | 17 |
| darunter: | ||
| Europa | 7 | 15 |
| Asien | 26 | 35 |
| ökonomisch sich entwickelnde Staaten | 8 | 8 |
| darunter: | ||
| Asien | 3 | 3 |
| Lateinamerika und Karibik | 11 | 9 |
| Afrika | 21 | 14 |
| Ozeanien | 53 | 6 |
| ökonomisch am wenigsten entwickelte Staaten | 123 | 60 |
| darunter: | ||
| Asien | 39 | 18 |
| Ozeanien | 50 | 35 |
| Afrika | 168 | 87 |
| Lateinamerika und Karibik | 213 | 39 |
* Internet: 20 Stunden pro Monat / Mobilfunk: 100 Minuten pro Monat
** monatliches Bruttonationaleinkommen pro Kopf
*** Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine sowie Usbekistan.
Quelle: International Telecommunication Union (ITU), OECD u.a.: The Global Information Society: a Statistical View
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