Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Kirche

26.9.2012
Im Jahr 2010 gehörten 59,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einer der beiden christlichen Volkskirchen an. Der Anteil der Konfessionslosen lag im selben Jahr bei 33,1 Prozent.

Kirchenmitglieder, Kirchenaustritte, Kirchensteuern und KirchgeldKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Im Jahr 2010 gehörten 59,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einer der beiden christlichen Volkskirchen an. In Rheinland-Pfalz (75,6 Prozent) und in Bayern (74,8 Prozent) traf dies auf drei Viertel der Bevölkerung zu, im Saarland war der entsprechende Anteil mit 82,1 Prozent sogar noch höher. In Baden-Württemberg (68,5 Prozent), Nordrhein-Westfalen (68,4 Prozent) sowie in Niedersachsen (66,5 Prozent) gehörten rund zwei Drittel einer der beiden christlichen Volkskirchen an. Am niedrigsten war der entsprechende Anteil in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt (17,6 Prozent), Brandenburg (20,2 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (20,5 Prozent) sowie in Sachsen (23,8 Prozent). Und auch in den Stadtstaaten Bremen (52,7 Prozent), Hamburg (39,3 Prozent) und Berlin (27,9 Prozent) war der Anteil unterdurchschnittlich hoch.

Im Saarland (62,8 Prozent) und in Bayern (54,4 Prozent) war im Jahr 2010 mehr als die Hälfte der Bevölkerung katholisch. Darauf folgten Rheinland-Pfalz (44,9 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (41,2 Prozent). Schleswig-Holstein war 2010 das einzige Bundesland, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war (52,2 Prozent). In Niedersachsen war knapp die Hälfte evangelisch (49,1 Prozent). Darauf folgten Bremen (40,4 Prozent), Hessen (39,0 Prozent) und Baden-Württemberg (32,3 Prozent).

Bezogen auf die absoluten Zahlen lebten 2010 mehr als die Hälfte aller evangelischen Kirchenmitglieder in den drei Bundesländern Nordrhein-Westfalen (20,3 Prozent), Niedersachsen (16,3 Prozent) und Baden-Württemberg (14,5 Prozent). Und zusammen fast drei Viertel der Mitglieder der Katholischen Kirche lebten in Nordrhein-Westfalen (29,9 Prozent), Bayern (27,7 Prozent) und Baden-Württemberg (15,8 Prozent).

Deutschlandweit lag der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung im Jahr 2010 bei 30,2 Prozent. Dieser Wert hat sich seit 1950 nur leicht reduziert. Die seit Beginn der 1970er-Jahre steigende Zahl von Kirchenaustritten konnte durch den Zuzug von Katholiken kompensiert werden. Im Jahr 1970 traten rund 69.500 Personen aus der Katholischen Kirche aus. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die Zahl im Jahr 1992 mit knapp 193.000 Austritten. In den folgenden Jahren reduzierte sich die Zahl der Kirchenaustritte tendenziell und lag 2006 bei rund 84.500. Seitdem ist sie jedes Jahr gestiegen – auf 123.681 Austritte 2009 und noch einmal sprunghaft auf 181.193 Austritte im Jahr 2010. Zu dem auffallend starken Anstieg der Austritte um 46,5 Prozent von 2009 auf 2010 haben auch die Berichte über zahlreiche Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen beigetragen. Im Jahr 2010 traten zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr Katholiken als Protestanten aus der Kirche aus. Zudem verließen erstmals mehr Katholiken die Kirche als neu getauft wurden. 2011 lag die Zahl der Austritte mit 126.488 wieder deutlich niedriger.

Nach Angaben des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz entfielen auf die Katholische Kirche im Jahr 2010 170.339 Taufen, 224.932 Erstkommunionen, 48.524 Trauungen und 252.965 Bestattungen. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer lagen 2010 bei 4,79 Milliarden Euro. Die Teilnahme an den sonntäglichen Eucharistiefeiern ging in Westdeutschland zwischen 1960 und 1989 um 5,8 Millionen oder um fast 49 Prozent zurück. 2004 besuchten rund 3,9 Millionen Personen den Sonntagsgottesdienst, dies waren etwa 15 Prozent aller Katholiken in Deutschland. Bei den beiden in allen Pfarreien und Seelsorgestellen jährlich stattfindenden Zählungen der Gottesdienstbesucher wurden für 2010 rund 3,1 Millionen Teilnehmer ermittelt. An Feiertagen oder an den Hochfesten der Kirche ist die Teilnehmerzahl höher.

Der Anteil der evangelischen Kirchenmitglieder (ohne evangelische Freikirchen) an der Bevölkerung lag deutschlandweit im Jahr 2010 bei 29,2 Prozent. 1950 lag der Anteil noch bei rund 51 Prozent. Die Evangelische Kirche ist stärker von Kirchenaustritten betroffen als die Katholische Kirche, gleichzeitig reichen die Aufnahmen in die Evangelische Kirche und die Zahl zugewanderter Mitglieder nicht aus, um die Austritte zu kompensieren. Bezogen auf die Zeit vor der Wiedervereinigung war die Zahl der Austritte in Westdeutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1970 und 1974 am höchsten und dann bis 1979 rückläufig. Zwischen 1985 und 1990 traten zwischen 138.000 und 148.000 Personen pro Jahr aus der Kirche aus. Nach der kirchlichen Wiedervereinigung (Beitritt der östlichen Gliedkirchen zur EKD) stieg die Zahl der Austritte zunächst steil an – auf gut 361.000 im Jahr 1992. In den Folgejahren verringerte sich die Zahl der Kirchenaustritte tendenziell und lag 2005 bei rund 119.500. Bis 2008 stieg die Zahl der Austritte auf knapp 169.000, 2010 lag sie bei 145.250.

Auf die Evangelische Kirche entfielen im Jahr 2010 nach Angaben des Kirchenamtes der EKD 174.164 Taufen, 231.891 Konfirmationen, 51.882 Trauungen und 292.602 Bestattungen. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer lagen 2010 bei 4,23 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland im Durchschnitt von zwei Zählsonntagen (1. Sonntag der Passionszeit und 1. Advent mit der Wertung zwei zu eins ohne Berücksichtigung von Kindergottesdiensten) 862.504 Gottesdienstbesucher gezählt – das entsprach 3,6 Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder. 7,99 Millionen Menschen – rund ein Drittel der EKD-Kirchenmitglieder – besuchten 2010 die Christvespern und Metten am Heiligen Abend.

Die größte Gruppe unter den nichtchristlichen religiösen Menschen sind die Muslime. Im Jahr 2010 hatten die Muslime nach Angaben der EKD einen Anteil von 4,89 Prozent an der Bevölkerung in Deutschland. Die 1.268.500 Angehörigen der orthodoxen Kirchen hatten einen Anteil von 1,55 Prozent. Bei den evangelischen Freikirchen (0,40 Prozent), den Angehörigen anderer christlicher Kirchen (0,04 Prozent), den Buddhisten (0,30 Prozent), Juden (0,24 Prozent) sowie den Hindus (0,12 Prozent) lag der Anteil an der Bevölkerung bei weniger als einem halben Prozent. Die Konfessionslosen hatten mit 33,06 Prozent den größten Anteil an der Bevölkerung Deutschlands – noch vor den Katholiken (30,15 Prozent) und den Mitgliedern der EKD (29,23 Prozent).

Bei den Angaben zur Religionszugehörigkeit ist zu bedenken, dass die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft für die einzelnen Menschen eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann. Im Extremfall ist für die einen die Zugehörigkeit lebensbestimmend, andere sind Mitglied einer Kirche ohne überhaupt an einen Gott oder eine spirituelle Kraft zu glauben. Beispielsweise bezeichneten sich im Jahr 2009 laut einer Allensbach-Umfrage 17 Prozent der deutschen Katholiken als 'Gläubige Kirchennahe', 37 Prozent als 'Kritische Kirchenverbundene' und 46 Prozent als 'distanziert, unsicher oder nicht religiös'.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2011, Datenreport 2006; Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Statistik über die Äußerungen des kirchlichen Lebens in den Gliedkirchen der EKD im Jahr 2010, Kirchenmitgliederzahlen am 31.12.2010, Statistik kurz und bündig 2012; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Katholische Kirche in Deutschland: Zahlen und Fakten 2010/11

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Tabelle: Kirchenmitglieder, Kirchenaustritte, Kirchernsteuern und Kirchgeld



In absoluten Zahlen, Evangelische und Katholische Kirche, 2009 und 2010

  Katholische Kirche Evangelische Kirche Bevölkerung mit anderer oder ohne Konfession
Mitglieder (2009) 24.909.332 24.194.986 32.697.939
Mitglieder (2010) 24.651.001 23.896.089 33.204.512
Austritte (2009) 123.681 148.450
Austritte (2010) 181.193 145.250
Austritte (2011) 126.488
Kirchensteuern, in Tsd. Euro (2009) 4.903.049** 4.332.242***
Kirchensteuern, in Tsd. Euro (2010) 4.794.017** 4.227.919***
Kirchgeld, in Tsd. Euro (2009) 27.699
Kirchgeld, in Tsd. Euro (2010) 27.621

* Istaufkommen. Diese Daten geben nicht die reale Kirchensteuerentwicklung wieder, sondern stellen ein vorläufiges kassenmäßiges Aufkommen auf Grund von Abrechnungen im innerkirchlichen Verrechnungsverfahren in diesem Rechnungsjahr dar, das in den folgenden Jahren wieder ausgeglichen wird.
** unter Berücksichtigung des gegenseitigen Verrechnungsverkehrs. Einschließlich Verwaltungskosten (Ausgaben): 2009: 152.946 Euro, 2010: 148.170 Euro.
*** abzüglich der Erhebungskosten der Finanzämter und unter Berücksichtigung des gegenseitigen Verrechnungsverkehrs. Einschließlich Kirchensteuer als Zuschlag auf die Kapitalertragsteuer nach § 51a Abs. 2c EStG / Einschließlich Militärseelsorge und Seelsorge an Soldaten in den östlichen Gliedkirchen: 2009: 8.249.350 Euro, 2010: 8.117.300 Euro.


Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2011; Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Statistik kurz und bündig 2012; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Katholische Kirche in Deutschland: Zahlen und Fakten 2010/11


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