Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

counter
25.1.2014

Ausbildungsmarkt

Während sich die Lücke zwischen gemeldeten Bewerbern und gemeldeten Ausbildungsstellen zwischen 2000/2001 und 2005/2006 stetig vergrößerte, ist seit 2005/2006 genau die gegenteilige Entwicklung zu beobachten.

Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

In Deutschland darf ein Betrieb nur dann einen Ausbildungsplatz anbieten, wenn er die gesetzlichen Voraussetzungen zur Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) bzw. dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) sowie die Voraussetzungen der Handwerksordnung (HwO) erfüllt. Nicht nur die Ausbildungsstätte muss für die Berufsausbildung geeignet sein, auch die Zahl der Auszubildenden muss in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze oder zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte stehen. Eine weitere Voraussetzung ist die Eignung der Person des Arbeitgebers bzw. Ausbilders – auch wenn die Ausbildung im Verbund mit anderen Betrieben erfolgt (Verbundausbildung).

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im Jahr 2010 rund 41 Prozent der Betriebe nicht ausbildungsberechtigt (Westdeutschland: 39 Prozent / Ostdeutschland: 48 Prozent). Im Mittel der Jahre 2000 bis 2010 war der Wert mit 42 Prozent ähnlich hoch (West: 40 Prozent / Ost: 49 Prozent). Da größere Betriebe häufiger ausbildungsberechtigt sind als kleinere, ist der durchgehend deutlich niedrigere Anteil an ausbildungsberechtigten Betrieben in Ostdeutschland auch auf die im Vergleich zu Westdeutschland stärker kleinbetrieblich geprägte Wirtschaftsstruktur zurückzuführen. Bundesweit hatten im Jahr 2010 von den Betrieben mit einem bis neun Beschäftigten 48 Prozent keine Ausbildungsberechtigung. Bei den Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten war es nur ein Viertel. Schließlich lag der Anteil der Betriebe ohne Ausbildungsberechtigung bei den Betrieben mit 50 bis 499 bzw. 500 oder mehr Beschäftigten bei lediglich 12 bzw. 3 Prozent.

Im Jahr 2010 bildete nur etwa die Hälfte aller ausbildungsberechtigten Betriebe aus (53 Prozent). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass viele Betriebe nicht jedes Jahr ausbilden, sondern in größeren Abständen. Nach Daten des IAB bildet gut ein Viertel der ausbildungsberechtigten Betriebe dauerhaft nicht aus (in den Jahren 2000 bis 2005 lag der Anteil bei 27 Prozent), wobei dies insbesondere Kleinbetriebe betrifft. Bundesweit bildeten im Jahr 2010 von den ausbildungsberechtigten Betrieben mit einem bis neun Beschäftigten 41 Prozent der Betriebe aus. Bei den Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten lag der entsprechende Anteil bei 71 Prozent. Von den Betrieben mit 50 bis 499 Beschäftigten beteiligten sich 85 Prozent an der Ausbildung und bei den Großbetrieben mit 500 oder mehr Beschäftigten betrug der Anteil sogar 97 Prozent. Dieser Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Ausbildungsaktivität lässt sich sowohl in West- als auch in Ostdeutschland beobachten.

In Westdeutschland steigt mit der Betriebsgröße auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein zur Ausbildung berechtigter Betrieb Auszubildende im Anschluss an die Ausbildung einstellt, in Ostdeutschland ist dieser Zusammenhang hingegen nicht festzustellen. Bundesweit lag im Jahr 2010 die Übernahmequote bei Betrieben mit einem bis neun Beschäftigten bei 48 Prozent (West: 47 Prozent / Ost: 51 Prozent). Bei den Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten waren es 57 Prozent (West: 57 Prozent / Ost: 53 Prozent). Betriebe mit 50 bis 499 Beschäftigten hatten eine Übernahmequote von 64 Prozent (West: 68 Prozent / Ost: 50 Prozent), Großbetriebe mit 500 oder mehr Beschäftigten haben 2010 drei Viertel der Auszubildenden mit erfolgreich beendeter Ausbildung übernommen (West: 78 Prozent / Ost: 57 Prozent). Deutschlandweit lag die Übernahmequote für alle Betriebe bei 61 Prozent (West: 63 Prozent / Ost: 52 Prozent).

Während sich die Lücke zwischen gemeldeten Bewerbern und gemeldeten Ausbildungsstellen zwischen 2000/2001 und 2005/2006 stetig vergrößerte, ist seit 2005/2006 genau die gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wurden bis zum Stichtag 30.9.2012 insgesamt 627.279 Ausbildungsplätze nachgefragt. Da 551.271 Verträge abgeschlossen wurden, blieben 76.008 Bewerber unversorgt (12,1 Prozent). Davon hatten 2,5 Prozent keine Alternative zur Ausbildung und 9,6 Prozent konnten auf eine Alternative zurückgreifen (zum Beispiel erneuter Schulbesuch, Praktikum, "Jobben"). Obwohl fast jeder achte Ausbildungsinteressent Ende September 2012 ohne Ausbildungsplatz war, blieben von den bundesweit 584.424 angebotenen Ausbildungsplätzen 33.153 unbesetzt. Das entsprach einem Anteil von 5,7 Prozent (Westdeutschland: 5,4 Prozent / Ostdeutschland: 7,2 Prozent).

Im Jahr 2012 wurden mehr als die Hälfte aller neuen Ausbildungsverträge im Bereich Industrie und Handel abgeschlossen (53,0 Prozent). Knapp ein Viertel entfiel auf das Handwerk (23,5 Prozent) und 6,9 Prozent auf die Freien Berufe (darunter Rechtsanwaltsfachangestellte, Steuerfachangestellte und Medizinische Fachangestellte). Die Bereiche Landwirtschaft (2,1 Prozent), öffentlicher Dienst (1,9 Prozent), Hauswirtschaft (0,4 Prozent) und Seeschifffahrt (0,03 Prozent) hatten lediglich einen geringen Anteil an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren die beliebtesten Ausbildungsberufe bei den neu abgeschlossenen Verträgen bei den Frauen im Jahr 2012 Kauffrau im Einzelhandel (7,9 Prozent), Verkäuferin (7,2 Prozent), Bürokauffrau (6,5 Prozent), Medizinische Fachangestellte (6,3 Prozent), Industriekauffrau (5,4 Prozent), Zahnmedizinische Fachangestellte (5,1 Prozent) und Friseurin (4,7 Prozent). Unter den beliebtesten 20 Ausbildungsberufen bei Frauen war mit "Mediengestalterin für Digital- und Printmedien" nur ein Beruf stärker technisch geprägt (Platz 20 / 0,9 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge). Insgesamt konzentrieren sich die weiblichen Auszubildenden noch stärker als die männlichen auf wenige Ausbildungsberufe: Im Jahr 2012 entfielen 71,1 Prozent der Neuabschlüsse auf nur 20 Ausbildungsberufe, bei den Männern waren es im selben Jahr 55,2 Prozent.

Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahr 2012 wurden bei den Männern die meisten zum Kraftfahrzeugmechatroniker ausgebildet (5,9 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge). Es folgten die Berufe Kaufmann im Einzelhandel (4,4 Prozent), Industriemechaniker (4,1 Prozent), Elektroniker (3,4 Prozent), Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (3,1 Prozent), Verkäufer (3,1 Prozent) und Fachinformatiker (3,0 Prozent).

Neben dem Geschlecht wird die Ausbildungsplatzwahl auch durch den Schulabschluss beeinflusst. Auszubildende mit Hochschul-/Fachhochschulreife konzentrieren sich überwiegend auf den kaufmännischen Bereich. An der Spitze stand 2012 die Ausbildung als Industriekaufmann/Industriekauffrau (9,8 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge) und als Bankkaufmann/Bankkauffrau (7,3 Prozent). Es folgten die Berufe Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel (5,8 Prozent), Bürokaufmann/Bürokauffrau (4,6 Prozent) sowie Fachinformatiker/in (4,5 Prozent). Insgesamt entfielen innerhalb der Gruppe der Ausbildungsanfänger mit Studienberechtigung 46,8 Prozent auf nur zehn Ausbildungsberufe. Auf der anderen Seite entschieden sich von den Auszubildenden ohne allgemeinbildenden Schulabschluss die meisten für die Ausbildungsberufe Verkäufer/in (6,2 Prozent), Maler/in und Lackierer/in (3,5 Prozent), Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel (3,4 Prozent), Fachpraktiker/in Küche (3,1 Prozent), Friseur/in (3,0 Prozent), Koch/Köchin sowie Hauswirtschaftshelfer/in (jeweils 2,9 Prozent).

Im Jahr 2012 lag die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung in Westdeutschland bei 737 Euro und in Ostdeutschland bei 674 Euro pro Monat. Allerdings bestehen dabei erhebliche Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen. Beispielsweise war die Vergütung der Berufe Mechatroniker/Mechatronikerin (West: 909 Euro / Ost: 885 Euro), Medientechnologe/Medientechnologin Druck (West und Ost: 905 Euro) sowie Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (West und Ost: 896 Euro) überdurchschnittlich hoch. Deutlich unter dem Durchschnitt lag hingegen die tarifliche Ausbildungsvergütung bei den Berufen Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin (West und Ost: 528 Euro), Bäcker/Bäckerin (West und Ost: 500 Euro), Florist/Floristin (West: 460 Euro / Ost: 312 Euro) und Friseur/Friseurin (West: 454 Euro / Ost: 269 Euro).

Datenquelle

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): www.bibb.de; Statistisches Bundesamt: Berufsbildung auf einen Blick (2013), Berufliche Bildung

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Weitere Informationen "zum Berufsbildungsgesetz (BBiG), zur Handwerksordnung (HwO) und zum Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) " erhalten Sie hier...

Tabelle: Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

In absoluten Zahlen, 30.9.2012

Deutschland Westdt. Ostdt.
Nachfrage nach Ausbildungsplätzen1 627.279 537.861 89.418
davon:
neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 551.271 472.368 78.903
davon:
Industrie und Handel2 332.622 283.017 49.605
Handwerk2 147.327 128.418 18.909
öffentlicher Dienst3 12.102 9.657 2.445
Landwirtschaft 13.260 10.593 2.667
Freie Berufe3 43.014 38.361 4.653
Hauswirtschaft 2.763 2.142 621
Seeschifffahrt 183* 177 3
unversorgte Bewerber insgesamt1 76.008 65.493 10.515
davon:
ohne Alternative 15.648 10.596 5.052
mit Alternative 60.360 54.897 5.463
 
Angebot an Ausbildungsplätzen4 584.424* 499.359 85.068
 
nicht besetzte Ausbildungsplätze4 33.153 26.991 6.162

* Abweichungen zum Gesamtwert sind rundungsbedingt.

1 nur Ausbildung im dualen System und ohne Bewerber mit Wohnsitz im Ausland.
2 einschließlich der neuen Ausbildungsverträge anderer Bereiche, für die sie meldetechnisch zuständig sind.
3 ohne jene neuen Ausbildungsverträge, für die andere Stellen (Kammern) zuständig sind.
4 nur Ausbildung im dualen System und ohne jene unbesetzten Ausbildungsstellen, die für die Bundesagentur für Arbeit (BA) regional nicht zuzuordnen sind.


Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): www.bibb.de

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.