Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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25.1.2014

PIAAC – Lesekompetenz und alltagsmathematische Kompetenz

Außer in den USA hängt in keinem anderen PIAAC-Teilnehmerland die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie in Deutschland.

PIAAC (© OECD / bpb)

Fakten

Bei der sogenannten PIAAC-Studie – Programme for the International Assessment of Adult Competencies – werden die Alltagskompetenzen (Lesekompetenz, die alltagsmathematische Kompetenz und das technologiebasierte Problemlösen) der 16- bis 65-jährigen Bevölkerung untersucht.

Im Bereich Lesekompetenz – also dem Verstehen, Interpretieren und Bewerten von Texten – erzielten die Teilnehmenden in Deutschland im Jahr 2012 im Durchschnitt 270 Punkte und lagen dabei leicht unter dem Wert der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) mit 273 Punkten. Das beste mittlere Leseverständnis hatten 2012 die Menschen in Japan (296 Punkte) und Finnland (288). Sieben Punkte auf der Kompetenzskala entsprechen dabei etwa einem Schuljahr. 10,7 Prozent der getesteten Personen in Deutschland erreichten die höchsten Kompetenzstufen 4 und 5 (sie waren also in der Lage komplexe Schlussfolgerungen zu ziehen und Argumente zu prüfen). Der Durchschnitt der OECD lag mit 11,8 Prozent etwas höher. Auf der anderen Seite waren 17,5 Prozent der Menschen in Deutschland lediglich in der Lage, kurze Texte mit einfachem Vokabular zu lesen und ihnen in stark begrenztem Maße Informationen zu entnehmen (Stufe 1 oder niedriger). Bei der OECD betrug der entsprechende Anteil 15,5 Prozent.

Im Bereich der alltagsmathematischen Kompetenz erreichten im Jahr 2012 ebenfalls Japan (288 Punkte) und Finnland (282) die besten mittleren Ergebnisse. Der Abstand zu Deutschland (272) ist jedoch weniger stark ausgeprägt als beim Leseverständnis. Bei Alltagsaufgaben, die mathematisches Verständnis erfordern, erreichten 14,2 Prozent der Teilnehmer in Deutschland die höchsten Kompetenzstufen – 1,7 Prozentpunkte mehr als der OECD-Durchschnitt (12,5 Prozent). Auf der anderen Seite ging bei 18,5 Prozent der Testpersonen in Deutschland das mathematische Verständnis nicht über einfaches Zählen, Sortieren und die Verwendung der Grundrechenarten hinaus. Im OECD-Durchschnitt befanden sich im Jahr 2012 sogar 19 Prozent auf der Stufe 1 oder niedriger.

In allen Ländern hatten die Teilnehmer der PIAAC-Studie die größten Probleme im Bereich der technologiebasierten Problemlösekompetenz. In Deutschland konnten 2012 beispielsweise 12,6 Prozent der getesteten 16- bis 65-Jährigen keine Computermaus bedienen. Komplexere Aufgaben, wie das Navigieren über Webseiten und die eigenständige Problemlösung in mehreren Schritten, bewältigten nur 36 Prozent der getesteten Personen (OECD: 34 Prozent).

Außer in den USA hängt in keinem anderen Teilnehmerland die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie in Deutschland: Personen, deren Eltern weder Abitur noch eine Berufsausbildung haben, erzielten im Jahr 2012 im Bereich Lesekompetenz durchschnittlich 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindestens ein Elternteil einen (Fach-)Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief vorweisen konnte. Dies ist insofern problematisch, weil das jeweilige Kompetenzniveau auch Einfluss auf andere wichtige Lebensbereiche hat. So war etwa der mittlere Stundenlohn von Arbeitskräften, die in der Lage sind, beim Lesetest komplexe Schlussfolgerungen zu ziehen und Argumente zu prüfen (Stufe 4/5), im Jahr 2012 im OECD-Durchschnitt mehr als 60 Prozent höher als der von Arbeitskräften, die lediglich die Kompetenzstufe 1 oder weniger erreichten. In Deutschland ist dieser Zusammenhang sogar noch stärker ausgeprägt.

Nach Angaben der OECD bestätigt sich der positive Einfluss eines hohen Kompetenzniveaus sogar bei einem Vergleich auf Staatenebene: Länder, in denen größere Anteile von Erwachsenen Spitzenkompetenzen aufweisen, haben in der Regel auch ein höheres Pro-Kopf-Einkommen. Zudem spiegelt sich laut OECD die Kompetenzverteilung innerhalb einer Bevölkerung auch in der Einkommensverteilung wider: Wo die Abstände zwischen Menschen mit den höchsten und den niedrigsten Fertigkeiten groß sind, liegen auch die Einkommen weiter auseinander.

Auch wenn nach Aussage der OECD ein Kausalzusammenhang nicht eindeutig ist, so legen die Ergebnisse der PIAAC-Studie nahe, dass sich Kompetenzniveau, Einkommen und Beschäftigung nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Zum Beispiel hatten in Deutschland im Jahr 2012 Personen mit niedriger Lesekompetenz häufig Probleme mit der Gesundheit. Auch fühlten sie sich eher als "Objekt", denn als "aktive Gestalter" politischer Prozesse. Das vereins- und ehrenamtliche Engagement dieser Personengruppe liegt unter dem Durchschnitt, zudem begegnen sie ihren Mitmenschen überdurchschnittlich oft mit Misstrauen. Die OECD gelangt daher zu dem Schluss, dass gleichmäßig verteilte Kompetenzen nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft von großem Nutzen sind.

Datenquelle

© Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), OECD Skills Outlook 2013: First Results from the Survey of Adult Skills; OECD Berlin Centre: Presse: Erstes 'PISA' für Erwachsene: Deutschland und Österreich im Mittelfeld; PIAAC 2012: Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) führte die PIAAC-Studie im Jahr 2012 in 24 Ländern durch. Darunter die OECD-Staaten Australien, Belgien (Flandern), Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Kanada, Korea, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, die Slowakei, Spanien, die Tschechischen Republik, Großbritannien und die USA. Außerhalb der OECD beteiligten sich Zypern und Russland. In Deutschland nahmen 5.465 Personen an der Studie teil.

Eine vollständige Liste der "Mitglieder der OECD" finden Sie hier...

Weitere Informationen zu den drei bei der PIAAC-Studie gemessenen "Grundkompetenzen" – Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und technologiebasierte Problemlösekompetenz – erhalten Sie PDF-Icon hier...

Informationen zu den "Ergebnissen der PISA-Studie 2012" finden Sie hier...

Tabelle: PIAAC – Lesekompetenz und alltagsmathematische Kompetenz

Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (16 bis 65 Jahre), nach ausgewählten Staaten, PIAAC-Mittelwerte*, 2012

Lesekompetenz
Japan 296
Finnland 288
Niederlande 284
Australien 280
Schweden 279
Norwegen 278
Estland 276
Flandern (Belgien) 275
Tschechische Republik 274
Slowakei 274
Kanada 273
OECD-Durchschnitt 273
Südkorea 273
Großbritannien 272
Dänemark 271
Deutschland 270
USA 270
Österreich 269
Zypern 269
Polen 267
Irland 267
Frankreich 262
Spanien 252
Italien 250

 


alltagsmathematische Kompetenz
Japan 288
Finnland 282
Flandern (Belgien) 280
Niederlande 280
Schweden 279
Norwegen 278
Dänemark 278
Slowakei 276
Tschechische Republik 276
Österreich 275
Estland 273
Deutschland 272
OECD-Durchschnitt 269
Australien 268
Kanada 265
Zypern 265
Südkorea 263
Großbritannien 262
Polen 260
Irland 256
Frankreich 254
USA 253
Italien 247
Spanien 246

* bei der PIAAC-Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) entsprechen sieben Punkte auf der Kompetenzskala etwa einem Schuljahr.

Quelle: © Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), OECD Skills Outlook 2013: First Results from the Survey of Adult Skills