Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Ausgewählte Erwerbstätigenquoten II

1.7.2013
Neben dem Bildungsstand hat auch die Staatsangehörigkeit einen erheblichen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung. Die Erwerbstätigenquote der Deutschen lag in allen Jahren des Zeitraums 1995 bis 2012 über der Quote der Ausländer.

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Fakten



Die Erwerbstätigenquote entspricht dem Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren an der gleichaltrigen Bevölkerung. Zwischen 1991 und 1997 sank die durchschnittliche Erwerbstätigenquote in Deutschland laut Eurostat kontinuierlich von 67,9 auf 63,6 Prozent. Nach einem leichten Anstieg auf 65,7 Prozent im Jahr 2001, fiel die Quote bis 2004 auf 64,3 Prozent. Seitdem ist die Erwerbstätigenquote achtmal in Folge gestiegen. 2008 lag sie zum ersten Mal bei mehr als 70 Prozent, 2012 erreichte sie mit 72,8 Prozent den bisherigen Höchststand.

Erhebliche Abweichungen von der durchschnittlichen Erwerbstätigenquote ergeben sich zum Beispiel dann, wenn die Bevölkerung nach dem höchsten erreichten Bildungsstand unterschieden wird: Deutschlandweit lag die Erwerbstätigenquote der 15- bis unter 65-jährigen Bevölkerung mit einem hohen Bildungsstand (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education) bei 87,6 Prozent im Jahr 2012. Bei der gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe mit einem mittleren Bildungsstand war die Quote mit 76,2 Prozent deutlich niedriger. Schließlich lag die Erwerbstätigenquote der 15- bis unter 65-Jährigen mit niedrigem Bildungsstand bei lediglich 46,3 Prozent.

Der Zusammenhang zwischen hohem/mittlerem/niedrigem Bildungsstand und hoher/mittlerer/niedriger Erwerbstätigenquote gilt dabei für alle hier betrachteten Jahre – sowohl für die Bevölkerung insgesamt als auch für eine gesonderte Betrachtung von Männern und Frauen. Zudem ist der Abstand zwischen den jeweiligen Quoten immer beträchtlich: Im Zeitraum 1992 bis 2012 bewegte sich die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung mit niedrigem Bildungsstand zwischen den Werten 40,7 Prozent (2004) und 55,3 Prozent (2000). Bei der Bevölkerung mit mittlerem Bildungsstand lag die Erwerbstätigenquote hingegen zwischen 68,2 Prozent (2004) und 76,2 Prozent (2012). Schließlich lag die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung mit hohem Bildungsstand in den Jahren 1992 bis 2012 durchgehend bei über 80 Prozent. Die Quote schwankte dabei lediglich zwischen 81,7 Prozent (1997) und 87,6 Prozent (2011/2012). Bildung ist demnach ein zentraler Faktor, um die Erwerbstätigenquote zu erhöhen.

Die Erwerbstätigenquote der Männer ist bei allen drei Bildungsständen höher als die der Frauen. Dabei ist der Abstand umso höher, je niedriger der Bildungsstand ist. Beides gilt für den gesamten Zeitraum 1992 bis 2012. Allerdings haben sich die Abstände reduziert. Während die Erwerbstätigenquote der Männer mit niedrigem Bildungsstand im Fünfjahresdurchschnitt 1992 bis 1996 noch 19,7 Prozentpunkte über jener der Frauen mit niedrigem Bildungsstand lag, waren es im Fünfjahresdurchschnitt 2008 bis 2012 nur noch 11,1 Prozent. Beim mittleren Bildungsstand lagen die entsprechenden Werte bei 16,2 und 8,6 Prozent, beim hohen Bildungsstand bei 10,8 und 7,5 Prozent.

Neben dem Bildungsstand hat auch die Staatsangehörigkeit einen erheblichen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung. Die Erwerbstätigenquote der Deutschen lag in allen Jahren des Zeitraums 1995 bis 2012 über der Quote der Ausländer. Während sich die Erwerbstätigenquote der Deutschen in dieser Zeit relativ stetig von 65,6 auf 74,2 Prozent erhöhte, entwickelte sich die Quote der Ausländer uneinheitlicher. Allerdings ist die Erwerbstätigenquote der Ausländer seit dem Tiefststand im Jahr 2005 (52,7 Prozent) sieben Jahre in Folge gestiegen – auf 61,7 Prozent im Jahr 2012.

Sowohl bei den Deutschen als auch bei den Ausländern liegt die Erwerbstätigenquote der Männer über jener der Frauen. Bei den Deutschen lag der Abstand 1995 bei 18,3 Prozentpunkten (74,8 gegenüber 56,5 Prozent), bei den Ausländern bei 23,8 Prozentpunkten (67,7 gegenüber 43,9 Prozent). Bis 2012 reduzierte sich der Abstand zwischen den Erwerbstätigenquoten der Männer und Frauen bei den Deutschen auf 8,5 Prozentpunkte (78,4 gegenüber 69,9 Prozent) und bei den Ausländern auf 19,4 Prozentpunkte (71,4 gegenüber 52,0 Prozent).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weichen auch die Erwerbstätigenquoten der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund deutlich voneinander ab. Im Jahr 2011 lag die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 63,3 Prozent (Männer: 70,7 Prozent / Frauen: 55,8 Prozent). Die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag hingegen bei 74,7 Prozent (Männer: 78,7 Prozent / Frauen: 70,6 Prozent). Allerdings bestehen auch innerhalb der Gruppe der Migranten große Unterschiede. So lag beispielsweise innerhalb der Personengruppe mit eigener Migrationserfahrung die Erwerbstätigenquote der (Spät-)Aussiedler bei 75,0 Prozent und die der ausländischen Migranten bei lediglich 60,4 Prozent. Vor allem bei den ausländischen Frauen mit eigener Migrationserfahrung ist das Niveau der Erwerbstätigenquote niedrig: Diese lag im Jahr 2011 mit 50,0 Prozent 20,6 Prozentpunkte unter jener der Frauen ohne Migrationshintergrund (70,6 Prozent).

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit (Stand: 05/2013), Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht, Alter und höchstem erreichten Bildungsgrad (Stand: 05/2013); Statistisches Bundesamt: Mikrozensus

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Informationen zu den "Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht und Altersgruppen" erhalten Sie hier...

Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Berichtswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt, zur Gewinnerzielung oder zur Mehrung des Familieneinkommens mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder nicht gearbeitet haben, jedoch einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie vorübergehend abwesend waren (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

Die Erwerbstätigenquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen an der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren.

Ausführliche Informationen zur ISCED-Klassifikation (International Standard Classification of Education) erhalten Sie zum Beispiel bei der Europäischen Kommission.

Informationen zur "Erwerbstätigkeit in Europa" erhalten Sie hier...

Informationen zur "Bevölkerung mit Migrationshintergrund" erhalten Sie hier...

Tabelle: Ausgewählte Erwerbstätigenquoten II



Nach Bildungsstand und Staatsangehörigkeit in Prozent, 1992 bis 2012*

  insgesamt nach höchstem erreichten Bildungsstand nach Staatsangehörigkeit
Vorprimarstufe, Primarstufe, Sekundarstufe I (Stufen 0-2) Sekundarstufe II, post-sekundäre, nicht-tertiäre Stufe
(Stufen 3 und 4)
erste und zweite Phase des Tertiärbereichs (Stufen 5 und 6) Deutsche Ausländer
1992 66,6 83,5 70,5 47,8 - -
1993 65,1 83,4 68,8 47,7 - -
1994 64,7 82,5 68,8 45,8 - -
1995 64,7 83,0 69,2 45,2 65,6 57,0
1996 64,1 82,5 69,2 42,8 65,1 54,8
1997 63,6 81,7 68,5 41,7 64,7 53,0
1998 63,7 - - - 64,8 53,2
1999 64,8 82,6 69,7 54,5 65,9 54,7
2000 65,3 83,0 69,9 55,3 66,3 56,0
2001 65,7 83,2 69,9 44,9 66,6 57,3
2002 65,4 83,0 69,8 43,6 66,4 56,0
2003 64,9 82,9 69,0 42,6 66,1 54,4
2004 64,3 82,6 68,2 40,7 65,5 52,8
2005 65,5 82,8 69,4 42,3 66,9 52,7
2006 67,2 84,2 71,2 44,1 68,7 53,9
2007 69,0 85,3 73,1 44,8 70,5 55,9
2008 70,1 85,7 74,0 45,6 71,7 57,3
2009 70,3 86,3 73,9 45,3 71,9 57,4
2010 71,1 86,7 74,7 45,4 72,7 58,1
2011 72,5 87,6 76,0 52,7 74,0 60,7
2012 72,8 87,6 76,2 46,3 74,2 61,7

* bezogen auf die Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit (Stand: 05/2013), Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht, Alter und höchstem erreichten Bildungsgrad (Stand: 05/2013)


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