Pressekonferenz Wahl-O-Mat

Webvideo-Reihe Refugee Eleven

Statement auf der Pressekonferenz zum Start der Webvideo-Reihe am 14. März 2017 in Berlin

21.6.2017

Als „Eisern Union“ Fan und Mitglied habe ich mich natürlich nur unter Protest dazu bewegen lassen, hierher zur Hertha auf „feindliches“ Gebiet zu kommen, denn erwiesenermaßen gibt es ja nur ein echtes Fußballstadion in Berlin: die Alte Försterei!

Überraschenderweise sind die hier aber alle wirklich nett!

Leidenschaftliche, echte Fans kennen das ja: Da kommst Du auf einer längeren Zugfahrt, auf einer Party mit jemandem ins Gespräch, man versteht sich blendend und findet den Menschen richtig super. Und irgendwann sagt der oder die sowas wie „also ich als Bayernfan“ ... und plötzlich wird es ganz still und alles was vorher gemeinschaftsstiftend war, ist wie weggeblasen! Mehrere Stunden Gemeinsamkeit bedeuten gar nichts mehr gegenüber diesem einen Punkt des Nicht-Einig-Seins!

Die Spielweise der gegnerischen Mannschaft, die Fankultur, die Trikotfarben alles immer indiskutabel, falsch etc. und dabei doch eigentlich immer nur Fußball!

Und ein wenig kommt mir die Diskussion um die vielen geflüchteten Menschen, die in den letzten Jahren aus Syrien, dem Irak, Afghanistan usw. zu uns gekommen sind, so vor, als würden wir immer erst auf das Trennende schauen, anstatt das Gemeinsame zu entdecken: den uns allen gemeinsamen Wunsch nach einem friedlichen und sicheren Leben, nach einem Ausbildungsplatz, einem Beruf, einem menschlichen Leben, einer Heimat.

Und im Kern geht es bei Refugee Eleven, dieser wirklich gelungenen Reihe kurzer und prägnanter Webvideos um genau das: Zwei Menschen unterhalten sich und finden über die gemeinsame Leidenschaft für Fußball eine Grundlage für einen Austausch, für ein Gespräch über Ihre Biografien, für Kommunikation. Und daran sollten wir uns orientieren, vor und jenseits alles Trennenden!

In genau diesem Sinne verbindet Refugee Eleven in elf Webvideos persönliche Geschichten von Geflüchteten mit Sachinformationen zu den Stationen dieser Geschichten von Flucht über Ankunft, Asylverfahren, Anerkennung und Integration oder eben auch Ablehnung.

Integration ist hierbei sicherlich das wichtigste Thema, die Kernaufgabe der nächsten Monate und Jahre für unsere ganze Gesellschaft. Denn wir haben 2015 und 2016 wieder erfahren, dass Migration vermutlich ein Grundelement unseres Lebens in der globalisierten Welt ist und kein „vorübergehendes Phänomen“. Wir müssen also unser Augenmerk vor allem auf Integration richten und den hier neu Angekommenen Zugänge zu Bildungsangeboten und zu Orientierungshilfen ermöglichen, Ihnen den Einstieg in den Alltag und das gesellschaftliche Miteinander erleichtern, Beteiligung und Mitgestaltung ermöglichen.

Gleichzeitig müssen die in Teilen der aufnehmenden Gesellschaft herrschenden Vorurteile entkräftet werden und alltagstaugliche Argumentationshilfen gegen Hass und Rassismus bereitgestellt werden. Wie groß der Bedarf für solche Angebote ist, zeigen Ressentiments, die sich in Form gewaltsamer Ausschreitungen an bestehenden und künftigen Unterkünften für Flüchtlinge Bahn brechen.

Und unser Verständnis vom gesellschaftlichen „Wir“ muss umfassender und vielschichtiger werden wird. Es kann sich nicht mehr nur an der ethnisch-kulturellen Herkunft orientieren, sondern muss quer dazu gedacht und gelebt werden.

Und was wäre dafür besser geeignet als Fußball, denn alle verstehen das Spiel, das Spielprinzip: Das Runde muss ins Eckige, damit ich hier mal gleich der Erste bin, der eine Fußballphrase loslässt.

Davon ausgehend können wir vielleicht ein gesellschaftliches Miteinander begründen. Jedenfalls bin ich fest davon überzeugt, dass Refugee 11 hier ein absolut geeignetes Angebot gerade für junge Menschen macht, um über Fußball zu Migration und Integration, den drängenden Themen unserer Zeit, in den Diskurs zu gelangen.

Mein ausdrücklicher Dank für dieses gelungene Format fußballerischen Erzählens geht daher an alle Beteiligten, an die Spieler der Refugee 11, an die Profis, an die Hertha und all die anderen Vereine für die Unterstützung und nicht zuletzt an unseren sehr engagierten Partner DOCDAYS.

- Es gilt das gesprochene Wort -



 
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