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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 50/2000)

Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden?


Zur zeitgeschichtlichen Erforschung kulturellen Transfers und seiner gesellschaftlichen Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg
Axel Schildt
Inhalt

Einleitung

I. Zum Begriff der "Amerikanisierung"

II. Das erste Nachkriegsjahrzehnt - erfolgreiche Offensive der Amerikanisierung?

III. Das zweite Nachkriegsjahrzehnt - beginnende Konsumgesellschaft und amerikanische Massenkultur

Einleitung
Eine mittlerweile gängige Erzählung der Geschichte des westlichen Teils Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg lautet, dass dieser in immer stärkerem Maße "amerikanisiert" worden sei; von allen Westeuropäern hätten gerade die Westdeutschen am begierigsten die Angebote aus der "Neuen Welt" jenseits des Atlantik aufgenommen, nachdem die nationalistische Hybris in der "deutschen Katastrophe" (Friedrich Meinecke) ihr Ende gefunden habe [1] . Diese Erzählung ist nicht falsch und bezieht ihre Eindrücklichkeit und Plausibilität ebenso aus den Erinnerungen von Zeitzeugen an die Nachkriegszeit und aus literarischen Darstellungen jener Jahre - etwa in Wolfgang Koeppens Roman "Tauben im Gras" (1948) - wie aus aktuellen Phänomenen der Welt des "Business", der Moden, der Kommunikation, die als Steigerung der "Amerikanisierung" bis in die Gegenwart erscheinen [2] .

Zur Person
Axel Schildt
Dr. phil. habil., geb. 1951; stellvertretender Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und a. o. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg.

Anschrift: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Schulterblatt 36, 20357 Hamburg
E-Mail: schildt@fzh.uni-hamburg.de

Veröffentlichungen u. a.: Ankunft im Westen. Ein Essay zur Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, Frankfurt/M. 1999; (Hrsg. zus. mit Karl C. Lammers und Detlef Siegfried) Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000.

Das Interesse an der Gesellschaft und Kultur der Bundesrepublik, die - entgegen manchen Besorgnissen - für Jahrzehnte von existenziellen Krisen verschont blieb, wird vor diesem Hintergrund zu einem guten Teil von Fragen nach ihrem Weg in den Westen gespeist [3] , und es ist nicht verwunderlich, dass sich die Zeitgeschichtsforschung seit einigen Jahren verstärkt diesem Themenfeld zugewandt hat [4] . Bei näherem Hinsehen zeigte sich dabei allerdings, dass die Geschichte kulturellen Transfers aus den USA nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus nicht widerspruchsfrei verlief. Der folgende Überblick skizziert zunächst sehr knapp die traditionsreiche Begriffsgeschichte zur "Amerikanisierung" (I) und wendet sich dann ihren Dimensionen im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg (II) sowie in der Hochzeit der "Ära Adenauer" und im gesellschaftlichen Transformationsprozess der sechziger Jahre (III) zu. Mit dem Übergang zur Konsumfülle nach der anfänglichen Kargheit des Wiederaufbaus vermehrten sich jene Momente, die als "Amerikanisierung" angesprochen wurden, wenngleich sich seit den siebziger Jahren - vom Fast Food bis zur Kopfbedeckung - durchaus noch weitere Entwicklungsstufen ergeben sollten, die hier nicht analysiert werden können.
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16. März 2010
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