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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 46/2003)

Die Christliche Rechte und die amerikanische Politik von der ersten bis zur zweiten Bush-Administration


Michael Minkenberg
Inhalt

Einführung

Das Netzwerk der Christlichen Rechten im Übergang zum neuen Millenium

Christliche Rechte, die Republikaner und die Präsidentschaftswahlen 2000

Die Bush Administration: Die Christliche Rechte endlich im Weißen Haus?

Fazit

Einführung
Seit einem Vierteljahrhundert nimmt die Christliche Rechte Einfluss auf die amerikanische Politik, und immer wieder wurde sie für tot erklärt. Mit der Auflösung der Moral Majority 1986 und der Wahl des älteren, der Bewegung nicht sehr freundlich gesonnenen George Bush zum Präsidenten zwei Jahre später schien das Ende erreicht.[1] Stattdessen setzte im Übergang von Bush zu Clinton eine Transformation und Wiedergeburt der Christlichen Rechten ein, die ihr eine neue politische Schlagkraft zuwachsen ließ. In den letzten Jahren von Clintons Amtszeit, als die Kongresswahlen von 1998 nicht die von den Republikanern gehegten Erwartungen erfüllten und im Februar 1999 das Impeachment (Amtsenthebungsverfahren) gegen Clinton im Senat scheiterte, zeigten sich neuerliche Ermüdungserscheinungen. Diesmal jedoch wurde das Ende der Bewegung auch von ihren eigenen Protagonisten verkündet. Im Vorfeld der Wahlen stellte Radio-Evangelist James Dobson resigniert fest: "Our people no longer recognize the nature of evil."[2] Und einer der wichtigsten Strategen der Christlichen Rechten, der Mitbegründer von Moral Majority und Präsident der Free Congress Foundation, Paul Weyrich, ging nach dem gescheiterten Impeachment noch einen Schritt weiter, indem er in einem Rundbrief vom 16. Februar 1999 erklärte, dass die Rechte den mehr als 20 Jahre währenden Kulturkrieg verloren habe, und empfahl daraufhin den Rückzug aus Politik und Kultur: "We need to drop out of this culture."[3] Weniger als zwei Jahre später zog mit dem born again-Christen und Sohn des ehemaligen Präsidenten George H. W. Bush nicht nur ein den Fundamentalisten und der Christlichen Rechten besonders nahe stehender Republikaner ins Weiße Haus ein. Mit ihm gelangten auch eine Reihe von Aktivisten der Christlichen Rechten und des "conservative movement" wie Grover Norquist, Spencer Abraham und John Ashcroft in einflussreiche Positionen in seiner Administration. Das Gefühl des Triumphes brach sich u.a. in einer besonderen Veranstaltung während der Amtseinführung des neuen Präsidenten im Januar 2001 Bahn. Unter dem Motto "The Funeral: A Conservative Celebration of the Death of the Clinton Administration" feierten Aktivisten der Christlichen Rechten und des "conservative movement" das Ende der Clinton-Ära. Die passende Predigt dazu wurde vom ehemaligen moral majority-Führer und TV-Prediger Jerry Falwell beigesteuert.[4]

Zur Person
Michael Minkenberg
Dr. phil., geb. 1959; Professor für Politikwissenschaft an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder); derzeit Consortium Professor for European Studies an der New York University und der Columbia University in New York.
Anschrift: New York University, Center for European Studies, 58 West 10 th Street, New York, N.Y., 10011, USA.
E-Mail: mm1807@nyu.edu

Veröffentlichungen u.a.: Neokonservatismus und Neue Rechte in den USA, Baden-Baden 1990; Die neue radikale Rechte im Vergleich. USA; Frankreich, Deutschland, Opladen-Wiesbaden 1998; (Hrsg. zus. mit Ulrich Willems) Politik und Religion, PVS-Sonderheft 33/2002, Wiesbaden 2003.


Der vorliegende Beitrag will diesem Umschwung nachgehen und die Frage erörtern, ob mit der Präsidentschaft des jüngeren George Bush eine neue Phase und zugleich ein politischer Höhepunkt in der Entwicklung der Christlichen Rechten erreicht ist, den ihr zu Amtszeiten seines Vaters oder auch Ende der neunziger Jahre nur wenige vorausgesagt hätten. Dazu sollen die Wandlungen im Organisationsfeld der Christlichen Rechten im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert aufgezeigt und sodann in Beziehung zum politischen Umfeld, insbesondere der Republikanischen Partei und der Bush-Administration, gestellt werden. Hier wird die These vertreten, dass die Christliche Rechte seit der Wahl vom Jahr 2000 auf einem neuen, nicht mehr für möglich gehaltenen Höhepunkt angekommen ist, zugleich aber ihre Eigenständigkeit als Bewegung dadurch eingebüßt hat, dass die anfängliche Symbiose, in der die Republikaner die "Partei der Bewegung" waren, einer zunehmenden Instrumentalisierung durch die Partei und Administration gewichen ist. In anderen Worten: Die Christliche Rechte ist nunmehr die "Bewegung der Partei".
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10. Februar 2012
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USA
Editorial
Macht, Souveränität und Herrschaft des Rechts -neue Herausforderungen an die transatlantischen Beziehungen
Die stolpernde Weltmacht
Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Sicherheitspartnerschaft
Die Christliche Rechte und die amerikanische Politik von der ersten bis zur zweiten Bush-Administration
Pax Americana und gewaltsame Demokratisierung
Der neue Militärisch-Industrielle Komplex in den USA
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