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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 20/2003)
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Dynamik der demografischen Alterung, Bevölkerungs-Schrumpfung und Zuwanderung in Deutschland |

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Prognosen und Auswirkungen Herwig Birg
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II. Die demographische
Entwicklung Deutschlands im
internationalen Vergleich |
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Am Ende des 20. Jahrhunderts betrug die Zahl der Lebendgeborenen pro Frau in Deutschland bei den Einwohnern mit deutscher Staatsangehörigkeit 1,2 und bei jenen mit ausländischer 1,9, wobei die aus europäischen Ländern Zugewanderten eine ähnlich niedrige oder eine noch niedrigere Geburtenrate hatten als die Deutschen. Bei den aus der Türkei und aus anderen Entwicklungsländern Zugewanderten liegt die Kinderzahl pro Frau über zwei, so dass sich für alle Ausländer ein Durchschnitt von 1,9 ergibt und für die deutsche und ausländische Bevölkerung zusammen ein Mittelwert von 1,4.
Die für den Ersatz der Elterngeneration durch deren Kinder erforderliche Geburtenrate beträgt in Ländern mit niedriger Sterblichkeit rd. 2,1 Kinder pro Frau. In Deutschland haben historische Ereignisse wie die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise von 1932 und die Wiedervereinigung zu einer Abnahme der Geburtenrate weit unter dieses so genannte "Ersatzniveau" geführt. Gesellschaftliche Faktoren und Reformen wie die Einführung der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wirkten sich auf ihre Weise aus: Je besser z.B. die durch Krankheit, Alter und Tod drohenden Lebensrisiken mit dem Ausbau des kollektiven sozialen Sicherungssystems aufgefangen werden konnten, desto weniger musste man eigene Kinder haben, um gegen diese elementaren Lebensrisiken abgesichert zu sein.
Unter den zahlreichen Einflussgrößen auf die Geburtenrate sind die Lebenserwartung und das Pro-Kopf-Einkommen als Maße für den Entwicklungsstand eines Landes besonders wichtig. Zwischen dem Entwicklungsniveau und der Geburtenrate zeigt sich im internationalen Vergleich ein gegenläufiger Zusammenhang. Dieser Befund lässt sich so interpretieren: Die Menschen leisten sich umso weniger Kinder, je mehr sie sich auf Grund des wachsenden Realeinkommens und Lebensstandards eigentlich leisten könnten. Die Erklärung dieses "demographisch-ökonomischen Paradoxons" ist eine schwierige und wichtige Aufgabe der Bevölkerungstheorie. Die rein ökonomischen Fortpflanzungstheorien kommen in Erklärungsnöte, wenn man ihre Erklärungsangebote beim Wort nimmt und sie mit differenzierten Daten an der Realität prüft. Man muss schon eine Vorstellung über die Entwicklungsbedingungen des menschlichen Lebenslaufs als Ganzes entwickeln, wenn man die Wahrscheinlichkeit für ein einzelnes, den ganzen Lebenslauf bestimmendes Ereignis wie die Geburt eines Kindes und die Bindung an einen Partner bzw. die Entscheidung zur Elternschaft erklären will.
Der Hauptgedanke einer entsprechenden biographischen Fortpflanzungstheorie beruht auf der geschichtlichen Tatsache, dass sich im Zuge des Zivilisationsprozesses das Risiko langfristiger Festlegungen im Lebenslauf in Form von Bindungen an Partner, Eheschließungen und Kindgeburten sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern ständig erhöhte. Da der Entwicklungs- und Zivilisationsprozess eine weltweite Erscheinung ist, nahm die Geburtenrate in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in allen Kontinenten um rund die Hälfte ab. Im Weltdurchschnitt entfielen im Zeitraum 1950 - 1955 noch rd. 5 Kinder pro Frau. Bis 1995 - 2000 ist die Zahl auf rd. 3 gesunken. Nach den Vorausberechnungen der Bevölkerungsabteilung der UN und des Verfassers wird das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 wahrscheinlich ab den Jahren 2040 bis 2045 unterschritten. Auf Grund der wachsenden Geburtenzahlen in der Vergangenheit erhöht sich die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter (15 - 45 Jahre) jedoch in den nächsten Jahrzehnten weiterhin noch stark, sodass die Weltbevölkerung auch bei einer Kinderzahl von weniger als zwei weiterwächst. Die Weltbevölkerung erreicht wahrscheinlich im Zeitraum 2070 bis 2080 bei dann rd. 9 Mrd. ihr Maximum; danach beginnt die neue, epochale Phase der Weltbevölkerungsschrumpfung. |
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19. März 2010
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