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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 47/2007)

Arktis und Antarktis im Klimawandel


Dirk Notz
Inhalt

Einleitung

Anstieg des Meeresspiegels

Ozeanzirkulation

Eis-Albedo-Rückkopplung

Permafrost und Landvegetation

Konsequenzen über den Klimawandel hinaus

Einordnung der jüngsten Veränderungen

Schlussbemerkungen

Einleitung
September 1912, Nordküste Spitzbergens: "Wie in einer Mausefalle sitzen wir hier; in der Bucht ein Spielraum freien Wassers, die Ausfahrt aber durch Eis blockiert. (...) Während ich dieses schreibe, mahlen die Eisschollen an den Schiffswänden, und alle Augenblicke gibt es einen Stoß aus dieser oder jener Richtung."[1]

Zur Person
Dirk Notz
PhD (Cambridge), geb. 1975; Leiter der Forschungsgruppe "Meereis im Erdsystem" am Max-Planck-Institut für Meteorologie, Bundesstraße 53, 20146 Hamburg.
E-Mail: dirknotz@seaice.info

95 Jahre später, gleiche Jahreszeit, gleicher Ort: von Eis weit und breit keine Spur. Nur offenes Wasser, leise schwappende Wellen, leichter Regen. Am 16. September 2007 endete in der Arktis eine Schmelzsaison, in deren Verlauf die Ausdehnung des Meereises auf 4,3 Millionen Quadratkilometer zurückging - knapp halb so viel Eis wie noch in den 1950er Jahren und etwa 1,4 Millionen Quadratkilometer weniger als im Vorjahr. Eine solche Abnahme des Meereises um das Vierfache der Fläche Deutschlands innerhalb eines Jahres tritt selbst in den pessimistischsten Modellberechnungen für den Weltklimareport nicht auf.[2] Die "New York Times" berichtete daraufhin, dass der Arktische Ozean möglicherweise schon im Sommer 2013 eisfrei sein könnte. In Deutschland rückte die Frage in den Mittelpunkt, ob Knuts Anverwandte in freier Wildbahn eine Überlebenschance hätten.[3]

Inwiefern sind solche Prognosen Panikmache, was ist wissenschaftlich abgesichert? Welchen Einfluss hat der Mensch auf die Verschiebungen im arktischen Klimasystem, welche geopolitischen, ökologischen und humanitären Auswirkungen könnten sie haben? Und warum sind die Veränderungen in hohen Breiten auch für uns in Mitteleuropa von einschneidender Bedeutung?

Diese Fragen sollen hier näher diskutiert werden.[4] Zunächst muss die Rolle der Polargebiete im Klimasystem der Erde näher beleuchtet werden. Diese sind für das Klimageschehen auf unserem Planeten von weitaus größerer Bedeutung, als es ihre abgeschiedene Lage vermuten lässt: Der Zyklus von Eiszeiten wird mit großer Wahrscheinlichkeit von Klimaprozessen in Polargebieten gravierend beeinflusst, die Höhe des Meeresspiegels ist direkt an die Menge des im polaren Landeis gebundenen Süßwassers gekoppelt, einige der wichtigsten Steuermechanismen der globalen Ozeanzirkulation liegen in hohen Breiten. Die Polargebiete bilden eine Art Frühwarnsystem des Erdklimas, ein Klimawandel führt hier deutlich früher und stärker zu Veränderungen als etwa in gemäßigten Breiten oder in den Tropen.

Hierfür sind in erster Linie eine Reihe von Mechanismen verantwortlich, durch die Veränderungen im polaren Klimasystem den Klimawandel verstärken (positive Rückkopplung) oder abschwächen (negative Rückkopplung). Einige dieser Rückkopplungsmechanismen sind nach wie vor kaum verstanden, was als Hauptursache dafür gilt, dass Klimaveränderungen in Polargebieten äußerst schwer vorherzusagen sind und zurzeit teilweise weitaus schneller ablaufen als von Klimamodellen prognostiziert - mit möglicherweise globalen Auswirkungen.[5]
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09. Februar 2012
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Editorial
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Klimawandel - einige Fakten
Die ökonomischen Folgen des Klimawandels
Nachholende Entwicklung und Klimawandel
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