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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 45/2001)

Partizipation in Schule und Unterricht


Ralf Schmidt
Inhalt

I. Theoretische Bezüge

II. Die Partizipation an der Gestaltung des Schullebens

III. Die Effektivität und Bedeutung der Schülergremienarbeit

IV. Partizipation im Unterricht

V. Die Partizipation bei der Erstellung oder Änderung der Hausordnung

VI. Fazit

I. Theoretische Bezüge
Im vorliegenden Beitrag werden erste Ergebnisse eines seit Oktober 1999 laufenden Projektes "Jugend und Demokratie in Sachsen-Anhalt - Empirische Bestandsaufnahme und Perspektiven für die Politische Bildung" vorgestellt. Die quantitativen Befunde werden durch Aussagen von Schülern einer Sekundarschule und eines Gymnasiums, die im Rahmen von Gruppendiskussionen im Anschluss an die quantitative Teilstudie befragt wurden, ergänzt. [1]

  • PDF-Version: 56 KB


  • Zur Person
    Ralf Schmidt
    M. A., geb. 1968; wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "Jugend und Demokratie in Sachsen-Anhalt" am Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung, Halle.

    Anschrift: Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung, Hoher Weg 16, 06099 Halle.
    E-Mail:schmidt@zsl.uni-halle.de

    Veröffentlichungen u. a.: (Hrsg. zus. mit M. A. Meyer) Schülermitbeteiligung im Fachunterricht, Opladen 2000.

    Die Untersuchung bezieht sich auf die Ansätze und Ergebnisse der empirischen Schulforschung zu den verschiedenen Ebenen und Dimensionen schulischer Partizipation. Das Thema schulische Partizipation hatte erstmals in Westdeutschland in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren im Gefolge der Schulkritik der Schüler- und Studentenbewegungen Konjunktur. Neben einer Reihe politisch-programmatisch orientierter Arbeiten [2] wurde auch eine empirische Studie zur Relevanz der Schülermitverwaltung (SMV) durchgeführt. Es zeigte sich, dass zwar 85 Prozent der befragten Schüler die SMV für sinnvoll hielten, ihr aber nur 17 Prozent der Befragten eine große Bedeutung zuschrieben. [3] Dieser Fragestellung wurde auch in der vorliegenden Untersuchung nachgegangen.

    Angeregt durch die Debatten um die Verbesserung der Schulqualität und der Schulkultur, die Öffnung der Schulen und um die Stärkung der Einflussrechte von Kindern und Jugendlichen, hat die Diskussion um innerschulische Partizipation in der schultheoretischen Diskussion in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Empirische Studien zu diesem Themenfeld gibt es jedoch immer noch wenige. Neben den Arbeiten zu Mitwirkungsmöglichkeiten der Schüler im Fachunterricht [4] sowie der vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) realisierten bundesweiten Schülerumfrage [5] gibt es eine Studie "Schulentwicklung in Sachsen-Anhalt" [6] , in der es um die Einschätzung schulischer Partizipationschancen aus Sicht der Schüler geht.

    Dass sich die Zufriedenheit von Schülern mit ihrer Schule und damit die pädagogische Grundatmosphäre deutlich verbessert, wenn Schüler ihre Partizipationschancen in der Schule als vielfältig wahrnehmen und sich als ernst zu nehmende Gesprächspartner erleben, ist in mehreren Studien zum Verhältnis zwischen Schulklima und Schulqualität nachgewiesen worden. [7] Auch umgekehrt dürfte gelten: Zufriedenheit und eine positive pädagogische Grundatmosphäre sind wiederum begünstigende Faktoren auf dem Weg der Schüler zu Selbstbestimmung und Mitbestimmung im schulischen System.

    Als Ausgangspunkt der folgenden Darstellung dient ein theoretisches Untersuchungsmodell. Im Zentrum der Analyse stehen die Persönlichkeit des Heranwachsenden und seine politische Orientierung. Diese werden in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit von Einflüssen des mittelbaren oder unmittelbaren Lebensweltbezugs in Schule, Familie und Freizeit sowie in ihrem Interdependenzverhältnis zu gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen und individuellen Voraussetzungen analysiert. Das Themenfeld der Partizipationsformen in Schule und Unterricht stellt nur eine zu untersuchende Dimension neben anderen des komplexen Interaktionssystems Schule dar.

    Anknüpfend an die Untersuchung "Schulentwicklung in Sachsen-Anhalt" werden fünf Partizipationsformen von Schülern in der Schule dargestellt. Es handelt sich dabei um die Ebenen der Partizipation an der Gestaltung des Schullebens, die Effektivität und Bedeutung der Schülergremienarbeit, die Partizipation im Unterricht, das Mitspracherecht bei der Notengebung und die Partizipation bei der Erstellung oder Änderung der Hausordnung. Der Begriff der Partizipation wird dabei allgemein als Oberbegriff zur Beschreibung von verschiedenen demokratischen Beteiligungsformen in der Schule verstanden, die teilweise auch in den Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechten für Schüler, Eltern und Lehrer gesetzlich geregelt werden. [8]
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    09. Februar 2012
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