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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 12/2000)

Schmidteinander ins 21. Jahrhundert


Auf dem Weg in die Spaß- und Spottgesellschaft?
Hermann Strasser / Achim Graf
Inhalt

I. Was geht, wenn sonst nichts mehr geht?

II. Comedy - ein weites Feld

III. Harald Schmidt - der Narr der späten Stunde?

IV. Comedy ist anders - die Gesellschaft auch

V. Scham, Politik und das Fernsehen

VI. Das System Harald Schmidt

VII. Comedy - Spiegelbild des realen Wahnsinns

I. Was geht, wenn sonst nichts mehr geht?
"Deutschland steht still. Und Deutschland verblödet", so lautete unlängst die provozierende These der Wochenzeitung Die Woche [1] . Während die Politik erstarre und die Arbeitslosigkeit wachse, flüchte die Fernsehnation in hirnerweichende Unterhaltung. Was den älteren Jahrgängen der allabendlich gereichte synthetische Cocktail der volkstümlichen Musik, das scheint den jüngeren die Unterhaltung aus dem prall gefüllten Kultschrank des Blödsinns: präsentiert auf dem Altar von Sitcoms, Soaps - und vor allem Comedy. Gerade so, als ob jahrzehntelang nichts zwischen linksintellektuellem Kabarett und rechtspopulistischem Stammtisch existierte, herrscht nun plötzlich ein gewaltiges Angebot, besteht vor allem bei jungen Menschen eine immense Nachfrage nach komödienhaften Acts und Sketchen, unverschämt böse oder aber ohne intellektuellen Anspruch bis hin zur völligen Sinnentleerung: Comedy-Shows auf allen Fernsehkanälen, Nonsens statt Gesellschaftskritik auch auf den Kleinkunstbühnen. Dazu gesellt sich seit 1995 ein fast täglich wiederkehrender Zyniker namens Harald Schmidt, der in seiner Late-Night-Comedy-Show zeigt, "was noch geht, wenn sonst nichts mehr geht" [2] .

Zur Person
Hermann Strasser
Dr.rer.oec., Ph.D., geb.1941; Lehrstuhlinhaber für Soziologie des Akademischen Zentrums für Studium und Beruf an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg.

Anschrift: Gerhard-Mercator-Universität - Gesamthochschule Duisburg, Soziologie, FB 1, Postfach 101503, 47048 Duisburg.
E-Mail: strasser@uni-duisburg.de

Veröffentlichungen u.a.: (Hrsg. zus. mit G. Klein) Schwer vermittelbar: Zur Theorie und Empirie der Langzeitarbeitslosigkeit, Opladen 1997; (zus. mit H. Kerbo) Modern Germany, New York 2000.

Aber ist wirklich alles so schamlos und absurd, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, oder haben wir es nicht eher mit einer neuen, einer anderen Form von Satire oder Parodie zu tun? Ist das klassische Kabarett am Ende und Comedy zum Kabarett der Jahrhundertwende avanciert, als moderne Weiterführung eines Genres lediglich mit anderen Mitteln? Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik hat bislang kaum stattgefunden. Lediglich die gesellschaftlichen Umstände, in denen sich diese Entwicklung vollzieht, sind Gegenstand soziologischer sowie politik- und medienwissenschaftlicher Arbeiten. Recherchen müssen sich daher überwiegend auf Populärzeitschriften und Zeitungen, auf Meinungsbeiträge sowie auf politische und feuilletonistische Essays stützen. Durch Aussagen und Einschätzungen von Akteuren, Kabarettkennern und Medienexperten sowie durch eigene Beobachtungen und vergleichende Analysen hoffen wir, ein genaueres Bild davon zu zeichnen, was Comedy ist und was sie bewirkt. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf Harald Schmidt und auf der Frage, ob der Late-Night-Talker Vorbild einer jungen, entpolitisierten Generation ist, wir uns alle auf dem Weg in die Spaß- und Spottgesellschaft befinden.

Zur Person
Achim Graf
Journalist

Veröffentlichungen: Die Macht der Bilder: Gewalt im Umfeld des Fußballs – ein mediales Konstrukt?, in: Süddeutsche Zeitung; 7. Juni 2000; Elite oder Fußvolk? Call-Center werden zur Jobmaschine, in: Die Zeit 25/2001.
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09. Februar 2012
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Erlebnisgesellschaft
Editorial
Was wird aus der Erlebnisgesellschaft?
Schmidteinander ins 21. Jahrhundert
Jugend im Zeitalter der Eventkultur
Die Erlebnisgesellschaft - der kollektive Weg ins Glück?
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