In der Feststellung, dass Interaktionen keineswegs nur Beiwerk seiner Arbeit sind, begründet sich unsere hier forcierte Konzentration auf das, was der DJ - jenseits aller publikationsnotorischen Euphemisierungen, Mystifizierungen und Mythisierungen - "on stage" unter welchen Bedingungen tatsächlich tut. Denn durch das, was er tut, wenn er seine Arbeit so macht, wie er sie nach den in der Szene geltenden Kriterien machen sollte, unterscheidet sich der Techno-DJ zum Beispiel signifikant von den - auch für Nicht-Hiphopper höchst beeindruckenden - "l'art-pour-l'art"-Virtuositäten, wie sie speziell Hiphop-DJs in ihren bekannten "battles" demonstrieren: Allen Widrigkeiten seiner Arbeitssituation trotzend, ist der kompetente Techno-DJ eben vor allem anderen an der Party, das heißt an der sich selber als Gemeinschaft ertanzenden "raving community" orientiert - genauer: an deren diffusem, kaum kalkulierbarem Kollektiv-Bedarf nach eben der Musik, die in der jeweiligen Situation die Stimmung der Tänzer (paradoxerweise) zugleich aufnimmt, ausdrückt, befördert, transformiert und evoziert: Dieses interagierende Agieren und Agitieren, das gleichsam den Funken überspringen lässt, ist wesentlich dafür, dass aus jemandem, der auf einer Party eben Platten abspielt, ein Hingucker wird (wie er insbesondere von Rainald Goetz immer wieder facettenreich authentifiziert und wie er auch in dem Film "Berlin Calling" von Hannes Stöhr inszeniert wird).
Der kompetente Techno-DJ legt zwar tatsächlich vor allem Platten auf die Plattenteller. So gesehen ist er ein (vorzugsweise nachts tätiger) Handwerker. Er legt diese Platten aber so auf, dass sie eine sichere Grundlage, einen festen Boden bilden für das, wozu Raver sich gemeinhin versammeln: für den hordenförmigen Individual-Tanz in einem wesentlich durch die Musik, durch eine von ihnen als die ihre begriffene Musik entstehenden, verrückten Zeit-Raum. Dies zu vermögen, also eben nicht nur Musik zu mischen, sondern, wie DJ Westbam betont, "Musik mit Leuten" zu mischen, das macht den Techno-DJ dann eben auch zum Künstler - und zur Kultfigur (in) seiner Szene. |
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