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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 44/2002)
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Die Innenseite der der Globalisierung |

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Über die Ursachen von Wut und Hass Götz Eisenberg
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IX. "Entinnerlichung" der sozialen Kontrolle |
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Existenzangst, narzisstische Krisen und Katastrophen gehören in einer Gesellschaft, die immer mehr Menschen signalisiert, dass sie sie nicht benötigt, zum Alltag. Unter der Voraussetzung einer verbreiteten psychischen Entstrukturierung droht bei wachsenden Anomieerfahrungen auch ein Anstieg des Aggressionspegels. Wenn wir nicht energisch gegensteuern und den hemmungslos gewordenen ökonomischen Prozess in eine neue Form solidarischer Gesellschaftlichkeit einbinden, drohen blinde Aggression und Amoklauf zur kriminellen Physiognomie des angebrochenen globalen Zeitalters zu werden.
Gesellschaften, die strukturell lernunfähig sind, reagieren auf einen Anstieg des Gewaltvolumens mit dem Ausbau ihres Polizeiapparats und einer Militarisierung der inneren Sicherheit. Mehr fällt ihnen nicht ein. Statt an die Ursachen von sozialer und psychischer Desintegration zu rühren und den Anomie- und Panikpegel zu senken, geben marktradikale Gesellschaften riesige Summen dafür aus, die Folgen der Desintegration repressiv zu bekämpfen und ihre Ursachen bestehen zu lassen.
Der prekäre soziale Frieden in der bürgerlichen Gesellschaft stützte sich auf eine geschichtlich entstandene Umwandlung von Fremdzwängen in Selbstzwang. Manifeste Gewalt, die in der Phase der Herausbildung der "inneren Selbstzwangapparatur" (Norbert Elias) an der Tagesordnung war, konnte sich nach deren Durchsetzung in Strukturen und Institutionen zurückziehen, aus denen sie nur in den Fällen manifest hervortrat, wo die Verinnerlichung missglückte. Gewalt wurde im Alltag stumm und unsichtbar, ohne indessen verschwunden zu sein. In dem Maße nun, wie die Bedingungen für die Verwandlung von Fremd- in Selbstzwang sich auflösen und die innere Polizei des Gewissens ihren Dienst nicht mehr mit ausreichender Zuverlässigkeit versieht, muss die äußere Polizei, muss Fremdzwang wieder vermehrt in Erscheinung treten. Werden wir gegenwärtig nicht Zeugen des Übergangs des sozialen und demokratischen Rechtsstaats in einen "Präventionsstaat" (Heribert Prantl), der seinen Bürgern mit generalisiertem Misstrauen begegnet und sie unter permanente Beobachtung stellt? Die Disziplinargesellschaft, deren Mechanismen und Funktionsweisen Michel Foucault präzise beschrieben hat, entwickelt sich zur Kontrollgesellschaft. An die Stelle der inneren Stimme des Gewissens, das Handlungsmotive und Verhaltensweisen der Menschen auf ihre Sozialverträglichkeit durchmustert, treten das Auge der Überwachungskamera und "Prävention", die bereits im "Vorfeld des Verdachts" ein Zugreifen ermöglicht. Die hier angedeuteten Prozesse bilden den Hintergrund, vor dem sich die viel gepriesene "kopernikanische Wende" der Polizeiarbeit zur Strategie der "Null-Toleranz" vollzieht. Nicht nur in den USA scheint man entschlossen, die durch die Globalisierung aufgeworfenen neuen sozialen Fragen polizei- und justizförmig zu lösen. Die Ereignisse des 11. September 2001 hat man weltweit zum Anlass genommen, Gewalt- und Überwachungsapparate auszubauen, die die "Neue Weltordnung" gegen die Massen der aus ihr Herausgefallenen und ihre verzweifelten Ausbruchsversuche sichern sollen. Die neue US-Militärdoktrin betrachtet die ganze Welt als ein Vorfeld amerikanischer Interessen und Sicherheit und dehnt die Strategie der "Null-Toleranz" und der "Prävention" im Sinne einer Weltpolizei planetarisch aus. |
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10. Februar 2012
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