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Gewalt im Geschlechterverhältnis

Aus Politik und Zeitgeschichte (B 52-53/2004)

Gewalt im Geschlechterverhältnis

Jede dritte Frau in Deutschland hat schon einmal physische Gewalt erlitten, jede siebte in Gestalt sexuellen Missbrauchs. Prostitution ist ein Feld mit einem hohen Gewaltpotenzial. Dass es auch Gewalt gegen Männer gibt, wird weitgehend ausgeblendet.

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    Frauen werden unter patriarchalischen Strukturen auch über ihre sexuelle Attraktivität, ihre Anziehungskraft und ihre Verfügbarkeit für Männer definiert. Der weibliche Körper wird auf legale wie illegale Weise vermarktet: in der Werbung, in den Medien, in der Pornografie und in der Prostitution. Schätzungen zufolge suchen täglich mehr als eine Million Männer in der Deutschland eine Prostituierte auf, 40 Prozent der Freier haben das Abitur oder einen Hochschulabschluss. Die Nachfrage - insbesondere nach ausländischen Prostituierten - ist groß. Viele der Frauen kommen aus den Ländern Mittel- und Osteuropas; viele sind das Opfer von Menschenhandel. Deutschland ist eines der Hauptziel- und Durchgangsländer für den internationalen Handel mit Frauen. Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ist nach Paragraf 232 Strafgesetzbuch strafbar. Dessen ungeachtet floriert das (Milliarden-) Geschäft, dessen Profiteure auch vor der Anwendung psychischer und physischer Gewalt nicht zurückschrecken.

    Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Jede dritte Frau in Deutschland hat schon einmal physische Gewalt erlitten, jede siebte in Gestalt sexuellen Missbrauchs. Das ist das Ergebnis einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie. Die Übergriffe erfolgen überwiegend im häuslichen Umfeld: in der Ehe oder der Zweierbeziehung. Dass es in einer patriarchalischen Gesellschaft auch Gewalt gegen Männer und damit auch männliche Opfer gibt, scheint widersinnig, gelten diese doch gemeinhin als Täter. Im öffentlichen Diskurs wird die Verletzbarkeit von Männern (durch Männer) kaum wahrgenommen; mehr noch bleiben Frauen als Täterinnen weitgehend ausgeblendet.



    Seiten: 40, Erscheinungsdatum: 20.12.2004, Erscheinungsort: Bonn

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