PDF Version (172 KB) Fakten
Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße exportorientiert und damit auch exportabhängig. Mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Export ab. Gleichzeitig ist Deutschland als rohstoffarmes Land auch auf Importe angewiesen, vor allem im Energiebereich. 2008 wurden etwa 35 Prozent der Inlandsnachfrage durch Importe abgedeckt. Wie hoch die Bedeutung des Außenhandels für Deutschland ist, zeigt auch die Außenhandelsquote. Die Außenhandelsquote entspricht dem prozentualen Anteil des Warenexports und -imports eines Staates/einer Region am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Weltweit stieg die Außenhandelsquote von 19,7 Prozent im Jahr 1970 auf 53,2 Prozent im Jahr 2008. Deutschland hatte im Jahr 2008 mit 72,1 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Außenhandelsquote. Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise fiel die Außenhandelsquote Deutschlands im Jahr 2009 auf 61,2 Prozent. 2010 erreichte sie mit 70,7 Prozent wieder nahezu das Vorkrisenniveau.
Im Jahr 2010 exportierte Deutschland Waren im Wert von 959,5 Milliarden Euro und importierte im Gegenzug Waren im Wert von 806,2 Milliarden Euro. Im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2010 erhöhte sich der Warenimport um 6,0 Prozent pro Jahr, der Export wuchs jährlich um 6,2 Prozent. Von 2008 auf 2009 verringerten sich die Einfuhren krisenbedingt um 17,5 Prozent. Der Rückgang bei den Ausfuhren fiel mit einem Minus von 18,4 Prozent sogar noch etwas höher aus. Zwischen 2009 und 2010 nahmen dann sowohl die Importe (plus 21,3 Prozent) als auch die Exporte (plus 19,4 Prozent) überdurchschnittlich stark zu.
In allen Jahren seit 1952 exportierte Deutschland mehr Waren als es importierte. 2007 wurde mit 195,3 Milliarden Euro der bisher höchste Handelsbilanzüberschuss erzielt. 2008 folgte mit einem Überschuss von 178,3 Milliarden Euro der zweithöchste jemals gemessene Wert. Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise und der hohen Exportabhängigkeit Deutschlands war die Handelsbilanz auch 2009 positiv (138,7 Mrd. Euro). Schließlich wurde 2010 mit 153,3 Milliarden Euro der sechsthöchste Handelsbilanzüberschuss seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.
Entgegen vieler Prognosen konnte Deutschland im Jahr 2008 seinen Titel als "Exportweltmeister" knapp vor China verteidigen – sechsmal in Folge exportierte Deutschland mehr Waren als jedes andere Land der Welt. 2009 wurde Deutschland jedoch klar von China abgelöst (werden Hongkong und Macao zu China hinzugerechnet, exportiert China bereits seit 2005 mehr Waren als Deutschland). Nach Angaben der Welthandelsorganisation (World Trade Organization – WTO) konnte China seinen Vorsprung gegenüber Deutschland im Jahr 2010 auf gut 300 Milliarden US-Dollar vergrößern. Zudem lagen im selben Jahr auch die USA knapp vor Deutschland.
Eine ganz andere Rangfolge ergibt sich, wenn der Wert des Warenexports pro Kopf verglichen wird: Bei dieser Betrachtungsweise lagen im Jahr 2009 die Handelsdrehscheiben Singapur und Hongkong an vorderster Stelle. Innerhalb Europas nahmen Luxemburg, Belgien und die Niederlande Spitzenpositionen ein. Deutschland kam nach dieser Rechnung noch knapp in die Top 20 von 211 Staaten/Gebieten und lag damit weit vor den USA (Rang 59) und China (Rang 102). Entsprechend entfielen auf Deutschland, das einen Anteil an der Weltbevölkerung von 1,2 Prozent hat, von den weltweit getätigten Exporten des Jahres 2009 überdurchschnittliche 9,0 Prozent.
Die hohen Handelsbilanzüberschüsse tragen maßgeblich dazu bei, dass auch die deutsche Leistungsbilanz seit 2001 durchgehend positiv ist. Die Leistungsbilanz fasst verschiedene Bilanzen zusammen – unter anderem die Handels- und die Dienstleistungsbilanz. Der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands stieg zwischen 2003 und 2007 von 40,9 auf 181,2 Milliarden Euro – den bisherigen Höchstwert. Auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 konnten mit 154,8 bzw. 133,7 Milliarden Euro hohe Überschüsse erzielt werden. Im Jahr 2010 lag der Leistungsbilanzüberschuss bei 141,4 Milliarden Euro. Dabei ging die Deutsche Bundesbank von einem Handelsbilanzüberschuss von 154,5 Milliarden Euro aus (das Statistische Bundesamt hat den Wert später auf 153,3 Milliarden Euro korrigiert). Die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen war im Jahr 2010 ebenfalls positiv (plus 44,5 Mrd. Euro). Negativ waren hingegen die Dienstleistungsbilanz (minus 8,0 Mrd. Euro), die Bilanz der laufenden Übertragungen (minus 38,1 Mrd. Euro) sowie die sogenannten Ergänzungen zum Außenhandel (minus 11,4 Mrd. Euro).
Von Januar bis April 2011 wurden von Deutschland Waren im Wert von 345,1 Milliarden Euro exportiert und im Wert von 293,4 Milliarden Euro importiert. Im April belief sich der Wert der Warenausfuhr auf 84,3 Milliarden Euro, der Wareneinfuhrwert lag bei 73,4 Milliarden Euro. Laut dem Statistischen Bundesamt und nach vorläufigen Ergebnissen waren damit die deutschen Ausfuhren im April 2011 um 13,4 Prozent und die Einfuhren um 20,1 Prozent höher als im April 2010. Die Außenhandelsbilanz schloss im April 2011 mit einem Überschuss von 10,9 Milliarden Euro ab (kalender- und saisonbereinigt: 12,0 Mrd. Euro). Zusammen mit den Salden für Dienstleistungen (minus 1,0 Mrd. Euro), Erwerbs- und Vermögenseinkommen (plus 2,3 Mrd. Euro), laufende Übertragungen (minus 1,9 Mrd. Euro) sowie Ergänzungen zum Außenhandel (minus 1,4 Mrd. Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im April 2011 mit einem Überschuss von 8,8 Milliarden Euro ab.
Datenquelle
Statistisches Bundesamt: www.destatis.de; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics, verschiedene Jahrgänge; World Trade Organization (WTO): Online-Datenbank: Time Series: Total merchandise trade; Deutsche Bundesbank: Zahlungsbilanzstatistik
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.
Die Leistungsbilanz fasst die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz (Saldo der Dienstleistungsexporte und -importe), die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die Bilanz der laufenden Übertragungen (zum Beispiel Zahlungen an internationale Organisationen, Entwicklungshilfe und Überweisungen von ausländischen Arbeitnehmern in ihre Heimatländer) zusammen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

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Entwicklung des deutschen Außenhandels
Import, Export und Exportüberschuss in absoluten Zahlen, Veränderung in Prozent, 1980 bis 2010*
| |
Waren- import |
Waren- export |
Export-überschuss |
Waren- import |
Waren- export |
in Mio. Euro |
Veränderung gegenüber dem Vorjahr, in % |
| 1980 |
174.545 |
179.120 |
4.575 |
16,9 |
11,4 |
| 1981 |
188.758 |
202.931 |
14.173 |
8,1 |
13,3 |
| 1982 |
192.483 |
218.701 |
26.218 |
2,0 |
7,8 |
| 1983 |
199.502 |
221.022 |
21.520 |
3,6 |
1,1 |
| 1984 |
222.032 |
249.624 |
27.592 |
11,3 |
12,9 |
| 1985 |
237.143 |
274.648 |
37.505 |
6,8 |
10,0 |
| 1986 |
211.544 |
269.125 |
57.581 |
-10,8 |
-2,0 |
| 1987 |
209.446 |
269.644 |
60.198 |
-1,0 |
0,2 |
| 1988 |
224.769 |
290.237 |
65.468 |
7,3 |
7,6 |
| 1989 |
258.951 |
327.759 |
68.808 |
15,2 |
12,9 |
| 1990 |
293.215 |
348.117 |
54.901 |
13,2 |
6,2 |
| 1991 |
329.228 |
340.425 |
11.197 |
12,3 |
-2,2 |
| 1992 |
325.972 |
343.180 |
17.208 |
-1,0 |
0,8 |
| 1993 |
289.644 |
321.289 |
31.645 |
-11,1 |
-6,4 |
| 1994 |
315.444 |
353.084 |
37.640 |
8,9 |
9,9 |
| 1995 |
339.618 |
383.232 |
43.615 |
7,7 |
8,5 |
| 1996 |
352.995 |
403.377 |
50.382 |
3,9 |
5,3 |
| 1997 |
394.794 |
454.342 |
59.548 |
11,8 |
12,6 |
| 1998 |
423.452 |
488.371 |
64.919 |
7,3 |
7,5 |
| 1999 |
444.797 |
510.008 |
65.211 |
5,0 |
4,4 |
| 2000 |
538.311 |
597.440 |
59.128 |
21,0 |
17,1 |
| 2001 |
542.774 |
638.268 |
95.495 |
0,8 |
6,8 |
| 2002 |
518.532 |
651.320 |
132.788 |
-4,5 |
2,0 |
| 2003 |
534.534 |
664.455 |
129.921 |
3,1 |
2,0 |
| 2004 |
575.448 |
731.544 |
156.096 |
7,7 |
10,1 |
| 2005 |
628.087 |
786.266 |
158.179 |
9,1 |
7,5 |
| 2006 |
733.994 |
893.042 |
159.048 |
16,9 |
13,6 |
| 2007 |
769.887 |
965.236 |
195.348 |
4,9 |
8,1 |
| 2008 |
805.842 |
984.140 |
178.297 |
4,7 |
2,0 |
| 2009 |
664.615 |
803.312 |
138.697 |
-17,5 |
-18,4 |
| 2010 |
806.164 |
959.497 |
153.333 |
21,3 |
19,4 |
* bis einschließlich 1989 früheres Bundesgebiet; 2010: vorläufige Ergebnisse Quelle: Statistisches Bundesamt: www.destatis.de
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