Mitarbeiter der bpb beim 55-jährigen Jubiläum im Jahr 2007. Foto: Volker Lannert

Konsolidierung und technischer Fortschritt 1981-1989

10.7.2011
Als Reaktion auf die Informationsgesellschaft gründet die bpb 1984 das Referat "Neue Medien." Zunehmend werden Filme in der politischen Bildung eingesetzt. Auch werden ein didaktisches Konzept für Computer-Spiele und ein Bildschirmtext-Programm erarbeitet.

"Neue Medien werden unsere Zukunft mitbestimmen. Videorekorder, Kabelfernsehen, Bildschirmtext und Computer werden in Arbeit und Freizeit immer mehr Raum einnehmen" stellt eine Broschüre aus dem Jahr 1988 fest."Neue Medien werden unsere Zukunft mitbestimmen. Videorekorder, Kabelfernsehen, Bildschirmtext und Computer werden in Arbeit und Freizeit immer mehr Raum einnehmen" stellt eine Broschüre aus dem Jahr 1988 fest. (© bpb)

Ein sicherheitspolitisches Thema dominierte die öffentliche Debatte an der Wende von den 1970ern zu den 1980er Jahren: die nukleare Aufrüstung und der NATO-Doppelbeschluss. Der heftige Streit um die mögliche Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa im Falle eines Scheiterns der Abrüstungsverhandlungen zwischen NATO und Warschauer Pakt führte zu Massenprotesten der Friedensbewegung. In der Regierungskoalition aus SPD und FDP kam es bei der Bekämpfung der anhaltenden Wirtschafts- und Beschäftigungskrise zu Meinungsverschiedenheiten, die im September 1982 zum Bruch der Koalition und zum innenpolitischen Wechsel zu einer konservativ-liberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl führten. Auf internationaler Ebene begannen sich seit 1985 mit dem Amtsantritt Michail Gorbatschows als Generalsekretär des Zentralkommitees der KPdSU, der unter den Begriffen Glasnost und Perestroika tief greifenden Wandel in der Sowjetunion ankündigte, die Vorzeichen des Ost-West-Konfliktes zu verändern.

Organisatorische Reformen
Mit rund 120 war die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Mitte der siebziger Jahre konstant geblieben. Täglich wurden inzwischen bundesweit rund 800 Sendungen mit Büchern und Broschüren verschickt. In Reaktion auf die sich entwickelnde "Informationsgesellschaft" und die sich ausbreitenden "Neuen Medien" konstituierte sich 1984 das Referat "Neue Medien". Technologien wie Bildschirmtext (btx) und Videotext wurden eingesetzt und im Haus hielt die EDV Einzug.

Die klassischen Marken wie Das Parlament und die Beilage APuZ, die Informationen zur politischen Bildung und die Schriftenreihe, die Israel-Studienreisen und die Tagungsarbeit mit ihren didaktischen Fachtagungen und Dozentenfortbildungen standen für die Kontinuität des Angebots. 1981 verließ mit Josef Rommerskirchen der letzte Vertreter der Gründergeneration das Haus, seine Stelle im Direktorium übernahm Dr. Gerd Langguth (CDU). Ihm folgte vier Jahre später Wolfgang Maurus (CSU) ins Direktorium.

1985 wurde das Ostkolleg als Abteilung in die bpb eingegliedert Erlass vom 8. Juli 1985. Die Auflösung des Direktoriums für das Ostkolleg, das bislang die wissenschaftliche und pädagogische Verantwortung für die Arbeit des Ostkollegs getragen hatte, folgte. Der wissenschaftliche Beirat der bpb wurde entsprechend um ausgewiesene Fachleute aus der DDR- und Osteuropaforschung ergänzt, die als eigene Kommission innerhalb des Gremiums nun die Arbeit des Ostkollegs beratend unterstützten. Geändert wurde 1987 auch das Berufungsverfahren für die Mitglieder des Kuratoriums der bpb (Erlass vom 18. März 1987). Diese werden seitdem auf Vorschlag der Bundestagsfraktionen direkt vom Bundestagspräsidenten berufen und nicht wie zuvor vom Bundesminister des Innern. Die Eigenständigkeit des Gremiums wurde damit betont.

Thematische Schwerpunktsetzungen
Der bedeutsamste thematische Impuls der frühen 1980er Jahre kam aus einem Massenmedium: Im Januar 1979 erschütterte die Fernsehserie "Holocaust", die in den Dritten Programmen der ARD gesendet wurde, die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Niemals zuvor war den Deutschen die Grausamkeit des nationalsozialistischen Terrors in solch schockierender Weise vor Augen geführt worden. Die unvermittelt losbrechende Debatte machte den immensen Nachholbedarf an Aufklärung und Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit deutlich. Der Hinweis im Vorspann des Films und in der ersten Live-Diskussion, dass die bpb ausführliche Begleitinformationen zur Verfügung stelle, löste eine Flut an Bestellungen aus. Mit der Förderung einer Begleituntersuchung des WDR wurde die gesellschaftliche Wirkung des medialen Ereignisses untersucht. 1980 erhielt die bpb Sondermittel in Höhe von 1,5 Mill. DM zur Finanzierung eines Programms "Nationalsozialismus, Widerstand und demokratischer Neubeginn", das insbesondere Aufklärung über den Nationalsozialismus und dessen Alltagswirklichkeit betreiben sollte. Es enthielt Einzelmaßnahmen im audiovisuellen Bereich, im publizistischen und im Bereich der schulischen und außerschulischen politischen Bildung. Im Rahmen dieses Programms wurde ein Projekt zu Gedenkstätten des Nationalsozialismus angestoßen und 1987 erschien dann in der Schriftenreihe der erste Band der großangelegten Dokumentation "Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus".

Hinzu kam eine weitere, von den Parteien aufgeworfene grundsätzliche Frage: Die Abkehr eines Teils der Bevölkerung von der parteipolitisch geprägten Politik und die wachsende Attraktivität der durch das Eintreten für eine "gemeinsame Sache" legitimierten Bürgerinitiativen und Neuen Sozialen Bewegungen. Themen wie Wettrüsten, Rohstoffverknappung, das Nord-Süd-Verhältnis oder die Nutzung von Atomkraft wurden zunehmend in außerparlamentarischen Diskursen und Interessengruppen thematisiert. In Reaktion auf diese Entwicklung verstärkte die bpb ihre Bemühungen, über ihre Hauptzielgruppe Lehrer, Dozenten und Multiplikatoren hinaus den Kreis der Adressaten zu öffnen und vermehrt kritische und engagierte Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Allerdings wurde in Politik und Fachkreisen äußerst kritisch diskutiert, welche Zielsetzung damit verfolgt werden sollte. Viele vertraten die Meinung, dass die staatliche politische Bildung ein rein etatistisches Politikverständnis habe, und ein gebrochenes Verhältnis zu problem- und konfliktorientierter Bildungsarbeit.

Wichtige thematische Schwerpunkte der 80er Jahre waren außerdem der Nord-Süd-Konflikt, das Thema Arbeitslosigkeit sowie die Auswirkungen des technologischen Fortschritts. Hier spielten insbesondere die Beobachtung der neuen Kommunikationstechnologien und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen, die Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit Neuen Medien und der Einsatz Neuer Medien in der politischen Bildung eine Rolle. Mit dem Machtantritt Gorbatschows rückte schließlich der Wandel der Ost-West-Beziehungen in den Vordergrund.

Neue Maßnahmen und Produkte
Mit der Annotierten Bibliographie für die politische Bildung erschien seit 1980 ein wichtiges Hilfsmittel für in der Jugend- und Erwachsenenbildung Tätige. Bislang waren nur auf der Seite "Das politisches Buch" in der Wochenzeitung Das Parlament Rezensionen wichtiger Neuerscheinungen verfügbar gewesen. Jetzt halfen die kurzen Buchvorstellungen in der zunächst vierteljährlich, seit 1984 dreimal und schließlich ab 1996 einmal im Jahr erscheinenden Bibliographie, den Überblick über die wachsende Fachliteratur zu bewahren.

Die Versorgung des organisierten Bildungsbetriebes mit geeigneten audiovisuellen (AV) Materialen gehörte seit Bestehen der bpb zu ihren Aufgaben. Sie erwirbt von Film- und Fernsehproduktionen, die für die politische Bildung als nützlich erkannt werden, die nichtkommerziellen öffentlichen Vorführrechte und stellt die entsprechenden Filme interessierten Verleihstellen in der gesamten Bundesrepublik zur Verfügung. Seit 1989 informierte der AV-Medienkatalog über das Gesamtangebot der Filme. In den achtziger Jahren wurden außerdem die ersten Kinoseminare und Fortbildungsveranstaltungen im Filmbildungsbereich durchgeführt, die auch heute noch zum Angebot der bpb zählen.

Als weitere Marke positionierten sich seit Mitte der 1980er Jahre die praxisorientierten Arbeitshilfen zur politischen Bildung als Lehr- und Lernmaterialien für die außerschulische politische Bildungsarbeit. Sie wurden im Zusammenwirken mit Trägern aus dem Bereich der politischen Bildung und der Wissenschaft erarbeitet und orientierten sich an aktuell diskutierten Themen. So erschienen die ersten vier Ausgaben zu den Themen "Gleichberechtigung", "Ökologie in der Erwachsenenbildung", "Menschenrechte" und "Von und mit der Dritten Welt lernen".

Zur Auseinandersetzung mit den Neuen Medien wurde das Medienpaket "Neue Medien und familiärer Alltag" mit Lehr- und Lernmaterialien für Erzieher/innen und Eltern fertig gestellt sowie für den Bereich Schule Arbeitsmaterialien für Lehrer/innen und Schüler/innen. Außerdem wurde das Projekt "Entwicklung didaktischer Konzepte mit Themen politischer Bildung für die Umsetzung in Computer-Software" aus der Taufe gehoben. Mitte der 1980er Jahre startete außerdem das Bildschirmtext-Programm (Btx), das über die Behörde, ihre Geschichte, Ziele und Aufgaben sowie ihr Angebot an Publikationen, Filmen und Dienstleistungen informierte.

Die Diskussion um eine stärkere Einbeziehung kultureller Bildung in die politische Bildung mündete schließlich 1988 in das 1. Festival Politik im Freien Theater, das von der bpb gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung in Bremen veranstaltet wurde. Seitdem findet es alle drei Jahre in wechselnden deutschen Städten statt.



 
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Nichts weniger als Erziehung zur Demokratie sollte die 1952 neu gegründete "Bundeszentrale für den Heimatdienst" sein. Als Behörde des Bundesinnenministeriums wollte und sollte sie die Demokratie festigen und einen europäischen Gedanken vermitteln und stärken. Noch heute gilt die "Bundeszentrale für politische Bildung" als wichtiges Werkzeug bei der Arbeit an der "Daueraufgabe Demokratie" Weiter...