Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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3.6.2013

Ausgewählte Arbeitslosenquoten II

Bei einer Unterscheidung nach Nationalität fällt auf, dass die Arbeitslosenquote der Ausländer sowohl in West- als auch in Ostdeutschland deutlich über der Quote der Deutschen liegt.

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Fakten

Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2005 führte zu einer Verschiebung aus der sogenannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit beziehungsweise zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot. Aufgrund des "Hartz-IV-Effekts" – der nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei etwa 380.000 im Jahresdurchschnitt 2005 lag – sind die Arbeitslosenquoten vor 2005 nur eingeschränkt mit denen ab 2005 vergleichbar.

Bei einer Unterscheidung nach Nationalität fällt auf, dass die Arbeitslosenquote der Ausländer sowohl in West- als auch in Ostdeutschland deutlich über der Quote der Deutschen liegt – im Jahr 2012 um 9,6 Prozentpunkte in Westdeutschland (15,3 gegenüber 5,7 Prozent) und um 18,3 Prozentpunkte in Ostdeutschland (29,6 gegenüber 11,3 Prozent). Auch in früheren Jahren lag die Arbeitslosenquote der Ausländer über der Quote der Deutschen. Allerdings hat sich der Abstand zwischen den Gruppen sowohl in West- als auch in Ostdeutschland kontinuierlich vergrößert: 1998 waren ausländische Erwerbspersonen etwa doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie deutsche (West: Faktor 2,0 / Ost: 1,8), 2012 war das Risiko mehr als zweieinhalbmal so groß (West: 2,7 / Ost: 2,6).

Der zwischen 2005 und 2012 insgesamt festzustellende Rückgang der Arbeitslosenquote geht sowohl auf einen Rückgang der Quote der ausländischen als auch der deutschen Erwerbspersonen zurück. Im Westen reduzierte sich die Arbeitslosenquote der Deutschen von 9,5 auf 5,7 Prozent – das entspricht einem Rückgang um 40,0 Prozent. Im Osten fiel die Quote der Deutschen von 19,3 auf 11,3 Prozent (minus 41,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote der Ausländer sank von 2005 bis 2012 zwar ebenfalls deutlich um 34,9 Prozent in Westdeutschland und um 34,2 Prozent in Ostdeutschland, allerdings ausgehend von einem deutlich höheren Niveau: Während in Westdeutschland im Jahr 2005 fast jede vierte ausländische Erwerbsperson arbeitslos war (23,5 Prozent), war es in Ostdeutschland fast jede zweite (45,0 Prozent). Entsprechend war die Arbeitslosenquote der Ausländer im Jahr 2012 sowohl in West- als auch in Ostdeutschland mit 15,3 beziehungsweise 29,6 Prozent noch überdurchschnittlich hoch.

In Westdeutschland haben sich die Arbeitslosenquoten der Männer und Frauen zwischen 1991 und 2012 weitgehend parallel entwickelt. Nach einer Steigerung von 1991 bis 1997 um 5,4 Prozentpunkte bei den Männern und um 3,5 Prozentpunkte bei den Frauen, folgte ein Rückgang um 2,7/2,8 Prozentpunkte bis 2001 und eine erneute Steigerung um 2,0/0,7 Prozentpunkte bis 2004. Im Jahr 2005 – also dem Jahr, in dem Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden – erreichten beide Arbeitslosenquoten ihren bisherigen Höchstwert: Mit 11,3 Prozent bei den Männern und 10,8 Prozent bei den Frauen war in Westdeutschland im Jahr 2005 fast jede neunte Erwerbsperson arbeitslos. 2012 war es lediglich rund jede Fünfzehnte, wobei die Arbeitslosenquote der Männer bei 6,8 Prozent und die der Frauen bei 6,4 Prozent lag.

Bezogen auf die Jahre 1991 bis 2012 lagen die Arbeitslosenquoten der Männer und Frauen in Westdeutschland nie weiter als 1,9 Prozentpunkte auseinander (2003 und 2004). Hingegen betrug der Abstand in Ostdeutschland bis zu 9,1 Prozentpunkte – im Jahr 1994 lag die Arbeitslosenquote der Männer bei 11,3 und die der Frauen bei 20,4 Prozent. Und auch die für Westdeutschland beschriebene Wellenbewegung der Quote lässt sich für Ostdeutschland nicht feststellen: Die Arbeitslosenquote der Männer stieg über den langen Zeitraum von 1991 bis 2004 von 8,7 auf 20,6 Prozent. Erst ab 2005 setzte ein stetiger Rückgang ein, bis 2012 reduzierte sich die Arbeitslosenquote der männlichen Erwerbspersonen von 21,3 auf 12,7 Prozent – das entspricht einem Rückgang um 40,4 Prozent.

Die Arbeitslosenquote der Frauen erreichte in Ostdeutschland bereits 1997 ihren Höhepunkt. Mit 21,6 Prozent war in diesem Jahr deutlich mehr als jede fünfte weibliche Erwerbsperson arbeitslos. Abseits kleinerer Schwankungen im Zeitverlauf reduzierte sich die Quote jedoch in den folgenden 15 Jahren. Allein zwischen 2005 und 2012 sank die Arbeitslosenquote von 19,7 auf 11,1 Prozent – der Rückgang um 43,7 Prozent ist der höchste der hier betrachteten Gruppen. Entsprechend dieser Entwicklungen liegt die Arbeitslosenquote der ostdeutschen Frauen (mit Ausnahme des Jahres 2007) seit 2002 unter der Quote der ostdeutschen Männer.

Bezogen auf den Zeitraum 2005 bis 2012 haben sich sowohl die Arbeitslosenquoten der männlichen als auch die der weiblichen Erwerbspersonen in West- und Ostdeutschland angenähert. Im Jahr 2005 betrug der Abstand zwischen der Quote der arbeitslosen Männer in West- und Ostdeutschland noch 10,0 Prozentpunkte (11,3 gegenüber 21,3 Prozent). 2012 waren es lediglich 5,9 Prozentpunkte (6,8 gegenüber 12,7 Prozent). Bei den Frauen reduzierte sich der Abstand von 8,9 auf 4,7 Prozentpunkte – während 2005 die Arbeitslosenquote der Frauen in Westdeutschland noch bei 10,8 und in Ostdeutschland bei 19,7 Prozent lag, lagen die entsprechenden Werte im Jahr 2012 bei 6,4 und 11,1 Prozent.

Datenquelle

Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 02/2013

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Arbeitslose sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden und mehr umfasst, eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen, dabei den Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben. Zudem müssen sie in der Bundesrepublik Deutschland wohnen, nicht jünger als 15 Jahre sein und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben. Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen oder auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen. Weitere Informationen zur "Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zur "Stillen Reserve " erhalten Sie hier...

Tabelle: Ausgewählte Arbeitslosenquoten II

In Prozent, 1991 bis 2012*

  Deutschland
insgesamt Männer Frauen Deutsche Ausländer
1991 7,3 6,4 8,5 - -
1992 8,5 7,1 10,2 - -
1993 9,8 8,6 11,3 - -
1994 10,6 9,5 12,0 - -
1995 10,4 9,6 11,4 - -
1996 11,5 11,0 12,1 - -
1997 12,7 12,2 13,3 - -
1998 12,3 11,9 12,8 11,7 20,1
1999 11,7 11,3 12,2 11,1 19,0
2000 10,7 10,5 10,9 10,2 17,1
2001 10,3 10,4 10,2 9,8 17,2
2002 10,8 11,3 10,3 10,2 18,8
2003 11,6 12,4 10,8 11,0 20,2
2004 11,7 12,5 10,8 11,0 20,3
2005 13,0 13,3 12,7 11,7 25,1
2006 12,0 12,0 12,0 11,0 23,7
2007 10,1 9,8 10,4 9,2 20,1
2008 8,7 8,6 8,9 8,0 18,1
2009 9,1 9,6 8,6 8,3 19,1
2010 8,6 9,1 8,1 7,8 18,2
2011 7,9 8,2 7,6 7,2 16,9
2012 7,6 7,9 7,3 6,9 16,5

 

 

  Westdeutschland
insgesamt Männer Frauen Deutsche Ausländer
1991 6,2 5,6 7,0 - -
1992 6,4 6,0 7,1 - -
1993 8,0 7,8 8,3 - -
1994 9,0 9,0 9,1 - -
1995 9,1 9,1 9,0 - -
1996 9,9 10,1 9,7 - -
1997 10,8 11,0 10,5 - -
1998 10,3 10,4 10,2 9,4 19,1
1999 9,6 9,7 9,6 8,8 17,9
2000 8,4 8,5 8,3 7,7 15,8
2001 8,0 8,3 7,7 7,2 15,8
2002 8,5 9,1 7,8 7,7 17,4
2003 9,3 10,2 8,3 8,4 18,8
2004 9,4 10,3 8,4 8,6 18,9
2005 11,0 11,3 10,8 9,5 23,5
2006 10,2 10,1 10,2 8,9 22,1
2007 8,3 8,0 8,7 7,4 18,7
2008 7,2 7,0 7,4 6,3 16,7
2009 7,7 8,1 7,3 6,8 17,8
2010 7,4 7,8 7,1 6,5 16,9
2011 6,7 6,9 6,5 5,9 15,6
2012 6,6 6,8 6,4 5,7 15,3

 

 

  Ostdeutschland
insgesamt Männer Frauen Deutsche Ausländer
1991 10,2 8,7 11,9 - -
1992 14,4 10,6 18,5 - -
1993 15,4 11,3 19,9 - -
1994 15,7 11,3 20,4 - -
1995 14,8 11,3 18,5 - -
1996 16,6 14,1 19,2 - -
1997 19,1 16,7 21,6 - -
1998 19,2 17,5 21,0 18,8 33,1
1999 18,7 17,3 20,2 18,3 34,0
2000 18,5 17,8 19,3 18,2 33,9
2001 18,8 18,5 19,0 18,3 35,9
2002 19,2 19,5 18,9 18,8 37,4
2003 20,1 20,6 19,6 19,6 38,8
2004 20,1 20,6 19,5 19,6 38,8
2005 20,6 21,3 19,7 19,3 45,0
2006 19,2 19,5 18,8 18,4 42,4
2007 16,7 16,6 16,8 16,1 37,7
2008 14,6 14,8 14,5 14,1 33,8
2009 14,5 15,5 13,4 13,9 34,0
2010 13,4 14,4 12,3 12,8 32,6
2011 12,6 13,4 11,8 12,0 31,7
2012 11,9 12,7 11,1 11,3 29,6

* bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 02/2013

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