Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Dauer der Arbeitslosigkeit

3.6.2013
Von den 8,45 Millionen Personen, die im Jahr 2011 ihre Arbeitslosigkeit beendeten (Abgänge), war der allergrößte Teil von eher kürzeren Phasen der Arbeitslosigkeit betroffen. 45 Prozent der Abgänger waren weniger als drei Monate arbeitslos.

Dauer der Arbeitslosigkeit.Klicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Die sich nur relativ langsam verändernden Jahreszahlen zur Arbeitslosigkeit vermitteln ein statisches Bild, das den Dynamiken im Bereich der Arbeitslosigkeit nicht gerecht wird. So wurden im Jahr 2011 knapp 8,22 Millionen Personen arbeitslos – davon 5,77 Millionen in West- und 2,45 Millionen in Ostdeutschland. Parallel verließen im selben Jahr rund 8,45 Millionen Personen den Kreis der Arbeitslosen (West: 5,95 Mio. / Ost: 2,50 Mio.). Die offizielle Arbeitslosenstatistik stellt lediglich die Differenzen der Zu- und Abgänge dar. Flussgrößen und unterschiedliche Verläufe der Arbeitslosigkeit, wie insbesondere die Dauer der Arbeitslosigkeit, werden nur unzureichend abgebildet.

Von den 8,45 Millionen Personen, die im Jahr 2011 ihre Arbeitslosigkeit beendeten (Abgänge), war der allergrößte Teil von eher kürzeren Phasen der Arbeitslosigkeit betroffen. 44,9 Prozent der Abgänger waren weniger als drei Monate arbeitslos. 18,9 Prozent waren drei bis unter sechs Monate und 16,6 Prozent sechs bis unter zwölf Monate arbeitslos. Bei lediglich 19,5 Prozent dauerte die Arbeitslosigkeit 12 Monate oder länger. Der Anteil der Abgänger, die weniger als drei Monate arbeitslos waren, lag im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2004 bei 37,4 Prozent und im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 bei 43,8 Prozent. Diese Erhöhung ging zulasten der Abgänger, die drei bis unter sechs Monate beziehungsweise sechs bis unter zwölf Monate arbeitslos waren. Der Anteil der Personen, die zwölf Monate oder länger arbeitslos waren, blieb nahezu konstant: Im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2004 lag er bei 20,2 Prozent und im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 bei 19,7 Prozent.

Da sich insgesamt mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit die Vermittlungschancen reduzieren, stellt Langzeitarbeitslosigkeit ein besonderes Problem dar. Als langzeitarbeitslos gelten Personen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. Zwischen 1992 und 1998 erhöhte sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen von 745.444 auf 1,60 Millionen. Parallel stieg auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen von 25,0 auf 37,4 Prozent. Nach einem Rückgang der Bestandszahl auf 1,35 Millionen im Jahr 2001, erhöhte sich die Zahl bis 2004 auf 1,68 Millionen und weiter auf 1,86 Millionen im Jahr 2006. Allerdings gab es 2006 auch einen statistischen Sondereffekt: Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2005 führte zu einer Verschiebung aus der sogenannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit. Da diese Personen zuvor nicht bei den Agenturen als arbeitslos erfasst waren, begannen sie statistisch ihre Arbeitslosigkeit mit einer Dauer von null, auch wenn sie teilweise vorher schon länger beschäftigungslos waren. Die dann steigenden Bestandszahlen der Langzeitarbeitslosen spiegeln diesen Sondereffekt aber auch die relativ problematischen Eingliederungschancen der "neuen" Arbeitslosen wider.

Zwischen 2007 und 2012 reduzierte sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen dann wiederum von 1,72 von 1,03 Millionen. Parallel verringerte sich auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen von 46,0 Prozent – dem bisherigen Höchstwert – auf 35,6 Prozent (West: 35,4 Prozent / Ost: 36,1 Prozent). Von den 1.031.722 Langzeitarbeitslosen des Jahres 2012 entfielen 707.612 auf West- und 324.110 auf Ostdeutschland (68,6 bzw. 31,4 Prozent).

Datenquelle



Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik, verschiedene Jahrgänge; Arbeitslose nach Rechtskreisen, Deutschland nach Ländern, Jahreszahlen 2012; Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 02/2013

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Für die Ermittlung der Länge einer Arbeitslosigkeitsperiode gibt es unterschiedliche Messkonzepte. Zunächst gibt es die abgeschlossene Dauer, die die Zeitspanne zwischen Beginn und Ende einer Arbeitslosigkeitsperiode umfasst. Sie wird aus der Abgangserhebung ermittelt und ist demnach ein Rückblick auf die Dauer der Arbeitslosigkeit von Personen, deren Arbeitslosigkeit beendet ist. Außerdem wird bei den Arbeitslosen im Bestand die bisherige Verweilzeit in Arbeitslosigkeit gemessen. Dabei handelt es sich um die Zeit der Arbeitslosigkeit, die bis zum Stichtag zurückgelegt wurde, die Arbeitslosigkeit ist also noch nicht beendet. Es ist üblich das Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit mit der nicht abgeschlossenen Dauer zu ermitteln. Konkret wird dabei die Zahl oder der Anteil jener Arbeitslosen betrachtet, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits länger als ein Jahr arbeitslos sind. Die bisherige Dauer ist in der Regel deutlich größer als die abgeschlossene Dauer. Hauptgrund dafür ist, dass die Arbeitslosen mit langen Dauern im Stichtagsbestand überrepräsentiert sind, weil die Wahrscheinlichkeit, in die Stichtagserhebung einbezogen zu werden, umso größer ist, je länger die Arbeitslosigkeit dauert ("length-bias").

Weitere Informationen zur "Stillen Reserve" erhalten Sie hier...

Tabelle: Dauer der Arbeitslosigkeit



Abgeschlossene und bisherige Arbeitslosigkeitsdauer, Anteile in Prozent, 2008 bis 2011

2008* 2009* 2010* 2011**
Arbeitslosenbestand 2.973.546 3.139.546 2.969.646 2.975.823
abgeschlossene Dauer,
Anteile in Prozent
bis zu 3 Monate 46,0 46,9 45,5 44,9
3 bis 6 Monate 19,0 20,6 19,3 18,9
6 bis 12 Monate 15,6 16,6 17,3 16,6
12 Monate und mehr 19,5 15,8 17,9 19,5
durchschnittliche abgeschlossene Dauer,
in Wochen
38,1 33,4 34,3 36,9
bisherige Arbeitslosigkeitsdauer,
Anteile in Prozent
bis zu 3 Monate 29,6 32,4 31,0 28,5
3 bis 6 Monate 16,6 18,8 18,0 16,8
6 bis 12 Monate 17,5 19,0 19,4 19,3
12 Monate und mehr 36,3 29,7 31,6 35,4
durchschnittliche bisherige Dauer,
in Wochen
66,6 56,9 56,9 64,9

* Auswertung basiert ausschließlich auf Daten aus den IT-Fachverfahren der BA
** bezogen auf alle Arbeitslosen mit Angaben zur Dauer


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Analytikreport der Statistik, verschiedene Jahrgänge


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