A new sign designates a third floor unisex restroom at a Kent State University student center in Kent, Ohio, Thursday, May 17, 2007. The University is accommodating transgender students with a newly relabeled unisex restroom that has four images on the door: a man, a woman, a person in a wheelchair and a man and a woman separated by a slash. The concept, which the school hopes to expand in its new buildings and renovation projects, reflects a growing trend on U.S. campuses.
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Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte


8.5.2012
Die Unterteilung in "männlich" und "weiblich" hat ihre Berechtigung, wie die Evolutionsgeschichte zeigt. Die Faktoren für die individuelle Entwicklung – "Anlagen" und "Umwelt" – lassen sich nicht unabhängig voneinander betrachten.

Einleitung



Die Natur in ihre gewachsenen Teile zerlegen!", fordert Sokrates mit seiner berühmten Metzger-Metapher in Platons Phaidros. Gemeint ist damit die begriffliche Zerlegung der Natur in verschiedene Komponenten, um auf diese Weise systemische Bestandteile herauszuarbeiten, welche dabei helfen, letztlich "das große Ganze" besser zu verstehen. Aus soziobiologischer Sicht sind die "gewachsenen Teile der Natur" evolutionäre Angepasstheiten, also physische und psychische Merkmale, die durch die Wirkweise der Darwinschen Prinzipien in langen Zeiträumen geformt wurden und den unbestechlichen Test der natürlichen Selektion bestanden haben.[1] Bezogen auf unser Thema hieße das, eine Unterscheidung der Geschlechter zu versuchen, um trotz aller Gemeinsamkeiten von Männern und Frauen vielleicht doch einige Unterschiede zu entdecken, die als Resultat biologischer Anpassungsprozesse bedeutsam sind. Aber ist eine mehr oder weniger strikte Unterscheidung der Geschlechter im Sinne "gewachsener Teile" der Natur wirklich gerechtfertigt? Angesichts sich rasch ändernder Auffassungen von Geschlechterrollen und einer beachtlichen kulturellen Vielfalt in der Interpretation des Geschlechtsunterschieds sind immer wieder Zweifel geäußert worden, ob Hinweise auf Biologie und Evolution überhaupt lehrreich und nützlich sein können, wenn es darum geht, gesellschaftliche Praxis in Bezug auf Geschlechterdifferenzen und Rollenzuweisungen zu diskutieren. Um zu zeigen, dass die Unterteilung in "weiblich" und "männlich" - fernab von der teilweise haarsträubenden populär-wissenschaftlichen "Aufbereitung" wissenschaftlicher Erkenntnisse[2] - tatsächlich ihre Berechtigung hat, lohnt ein kurzer Exkurs in die Naturgeschichte der Sexualität.


Fußnoten

1.
Vgl. Harald Euler, The Psychology of Families, in: Ulrich J. Frey/Charlotte Störmer/Kai P. Willführ (eds.), Homo novus. A human without illusions, Berlin-Heidelberg 2010.
2.
Vgl. auch Lise Eliot, The Trouble with Sex Differences, in: Neuron, 72 (2011), S. 895-898.