A new sign designates a third floor unisex restroom at a Kent State University student center in Kent, Ohio, Thursday, May 17, 2007. The University is accommodating transgender students with a newly relabeled unisex restroom that has four images on the door: a man, a woman, a person in a wheelchair and a man and a woman separated by a slash. The concept, which the school hopes to expand in its new buildings and renovation projects, reflects a growing trend on U.S. campuses.
1 | 2 | 3 | 4 Pfeil rechts

Geschlechtsidentität und Menschenrechte im internationalen Kontext


8.5.2012
Im internationalen Menschenrechtsschutz hat sich Vieles zum Positiven entwickelt. Zugleich aber lässt die geschlechtliche Vielfalt und Randständigkeit von Trans* und Inter* sie weiterhin zum Ziel von Diskriminierung und Gewalt werden.

Einleitung



Während meiner offiziellen Besuche der 47 Mitgliedsstaaten des Europarates war ich erschüttert über die Wissensdefizite bezüglich der Menschenrechtsbelange von transgender Personen, sogar bei politischen Entscheidungsträgern."[1] Was Thomas Hammarberg, der ehemalige Menschenrechtskommissar des Europarates, beobachtet hat, ist ein bis heute ungelöstes Menschenrechtsproblem. Die rechtliche, medizinische und gesellschaftliche Diskriminierung von Transsexuellen, Transidenten, Transgendern, transgeschlechtlichen Menschen (kurz: Trans*), aber auch die von Intersexuellen, Intersex, zwischen- oder intergeschlechtlichen Menschen (kurz: Inter*) ist vielfach belegt, politisch umstritten und menschenrechtlich nur ungenügend thematisiert.[2] Das verwundert nicht, steht doch nicht weniger als das gesellschafts- und staatstragende Zweigeschlechtersystem auf dem Spiel. Sieht man genauer hin, entdeckt man hinter der Einfalt des Systems jedoch eine Vielfalt von Menschen, die - gleich welchen Geschlechtes - als Rechtsträger_innen in ihren Selbstbestimmungs- und Persönlichkeitsrechten bis heute nahezu überall auf der Welt massiv eingeschränkt sind.[3]

Dieser Artikel bietet einen kurzen Abriss der Geschichte internationaler Menschenrechte in Bezug auf Geschlechtsidentität sowie globale Einblicke in die Lebens- und Diskriminierungssituation von Trans* und Inter*. Als deutsches Autor_innen-Team haben wir uns entschieden, mithilfe von lokalen Selbstzeugnissen internationaler Aktivist_innen den Weg von Unsichtbarmachung, Ausschluss und Unterdrückung hin zum Sichtbarwerden und zu wertschätzender Anerkennung von geschlechtlicher und körperlicher Vielfalt zu beschreiben.[4]





Fußnoten

1.
Europarat, Human Rights and Gender Identity. Issue Paper by Thomas Hammarberg, Council of Europe Commissioner for Human Rights. CommDH/IssuePaper (2009) 2, Strasburg 2009.
2.
Wir verwenden diverse nicht-barrierefreie Sonderzeichen wie den Asterisk oder Unterstrich. Sie dienen als Platzhalter, um zwischengeschlechtliche Identitäten jenseits von binär männlichen oder weiblichen sprachlich sichtbar zu machen.
3.
Vgl. Jannik Franzen/Arn Sauer, Benachteiligung von trans* Personen, insbesondere im Arbeitsleben. Expertise für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Berlin 2010.
4.
Schon das Autor_innen-Team ist trans* inklusiv besetzt. Der Artikel ist eine positionierte Situationsanalyse und Ergebnis eines partizipativen, qualitativen, nicht disziplinär verorteten Forschungsprozesses. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Justus Eisfeld (Global Action for Trans* Equality), sowie folgenden Forscher_innen und Aktivist_innen des Transrespekt versus Transphobie-Projekts (TvT) für ihren Input und die Schilderung der Situation vor Ort in Email-Interviews: Carla LaGata (Transgender Europe), Kristian Ranelovi (Gayten LGBT Serbien), Witnes Booysen (Gender DynamiX Südafrika), Naomi Fontanos (STRAP Philippinen), Agniva Lahiri (PLUS Indien), Joleen Mataele (TLA & Pacific Sexual Diversity Network Pazifik) und Dr. Tamara Adrian (Universidad Central de Venezuela). Bei Dr. Laura Adamietz (Universität Bremen) und Ise Bosch (Dreilinden gGmbH) bedanken wir uns für den inhaltlichen Austausch.