Ein Journalist filmt am Dienstag (15.03.11) Norbert Röttgen (CDU) während einer Pressekonferenz.

Editorial


10.7.2012
Freie, unabhängige Medien und kritisch nachfragende Journalistinnen und Journalisten sind für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft unerlässlich. Sie informieren, erklären, ordnen ein, bieten verschiedene Meinungen, aktivieren, kurz: Sie helfen, demokratische Öffentlichkeit herzustellen. Zudem haben sie eine wichtige Kontrollfunktion gegenüber den Mächtigen, weshalb die Massenmedien als "vierte Gewalt“ gelten.

Seit über einem Jahrzehnt befindet sich die Medienwelt im Umbruch. Lange Zeit gültige Gewissheiten werden durch das Internet grundlegend infrage gestellt. Zum einen betrifft das die herkömmlichen Geschäfts- und Vertriebsmodelle, insbesondere von Zeitungen und Zeitschriften. Deren Basis war zu großen Teilen das Anzeigengeschäft, das sich inzwischen auf den Onlinebereich verlagert hat. Tragfähige Alternativen gibt es kaum, weshalb viele Medienhäuser zum Sparen gezwungen sind, mit Auswirkungen auf Qualität und Vielfalt. Zum anderen ist die Abgrenzung zwischen Sendern und Empfängern aufgeweicht: Jeder, der sich im Netz zu bewegen versteht, kann heute ein potenziell großes Zielpublikum ansprechen, ohne dass dabei ein Verlag oder eine Redaktion bemüht werden muss.

Doch die gewachsenen Möglichkeiten für die Einzelnen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für diejenigen, die vom Journalismus leben, schwieriger geworden ist, den Lebensunterhalt zu bestreiten: Immer mehr Journalistinnen und Journalisten arbeiten unter prekären Bedingungen und sind gezwungen, sich mit anderen Jobs über Wasser zu halten. Die Unabhängigkeit zu bewahren wird zur Herausforderung. Erst recht im 50. Jahr nach der "Spiegel“-Affäre ist es an der Zeit, sich den gesellschaftlichen Wert unabhängiger Medien und Medienmacher wieder bewusst vor Augen zu führen.



 
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