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Ausschnitt eines noch nicht ausgefüllten Kreuzworträtsels.

Editorial


23.4.2013
Die Zeitdiagnose, wir befänden uns auf dem Weg in eine "Wissensgesellschaft", hat auch 40 Jahre nach ihrer Popularisierung im Konzept der "nachindustriellen Gesellschaft" (Daniel Bell) nicht ausgedient. Reaktiviert in den 1990er Jahren, bietet sie anscheinend eine sinnhafte Deutung für Krisen, Umbrüche und Wandlungsprozesse in (Post-)Industriegesellschaften; mit Bezug auf sie werden zahlreiche politische Maßnahmen legitimiert. Aber leben wir wirklich in einer Wissensgesellschaft, in der jeder aufsteigen kann, der Wissen erwirbt und lebenslang lernt?

Die "Ressource Wissen" ist nach dieser Diagnose zentral für die ökonomische Wertschöpfung der Zukunft. Doch was ist "Wissen"? Eine allgemein gültige Definition ist kaum möglich, einige Merkmale aber seien benannt: Wissen ist nicht in Isolation denkbar, es ist stets kontextabhängig, und seine Aneignung, Hervorbringung und Geltung gesellschaftlich und kulturell (vor)geprägt. Wenn wir etwas "wissen", dann in sozialen Zusammenhängen und im Rahmen einer Wissensordnung, die sich durch neues Wissen oder neue Akteure, Institutionen und Medien verändern kann.

Ein prägnantes Beispiel liefert das Internet, das Wissen verändert beziehungsweise bestimmte Entwicklungstendenzen aufgreift und verstärkt. Es trägt als Medium der beschleunigten Entstehung wie auch des Verfalls von Wissen Rechnung – und dazu bei. Zugleich bietet es vervielfachtem und vervielfältigtem Wissen Raum und ermöglicht dessen Gestaltbarkeit. Die Expertenschaft bekommt zunehmend Konkurrenz durch informierte Laien. Wissen wird ein Stück weit "demokratisiert". Aber wie lassen sich wissenschaftliche Kriterien in Einklang bringen mit der Ausweitung des Zugangs zu Wissensbeständen und zu deren Produktionsprozessen?