Der Dortmunder Torschütze Timo Konietzka (hinten) und sein Teamkollege Lothar Emmerich (vorn) bejubeln das erste Tor der Fußball-Bundesliga am 24.08.1963 im Bremer Weserstadion.
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Wirtschaftsmacht Bundesliga


24.6.2013
Die Bundesliga feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Passend zum Jubiläum standen sich am 25. Mai 2013 mit Bayern München und Borussia Dortmund erstmals zwei deutsche Mannschaften im Finale der Champions League gegenüber. Das rein deutsche Finale dokumentiert eindrucksvoll, wie erfolgreich sich die Bundesliga in den vergangenen Jahren auch international entwickelt hat. Kaum noch etwas erinnert heute an die Anfänge der Bundesliga in der ersten Saison 1963/64. Das Spiel selbst ist fast unverändert geblieben, die wirtschaftlichen Dimensionen haben sich dagegen grundlegend gewandelt: Fußball ist mittlerweile ein Milliardengeschäft – über zwei Milliarden Euro Umsatz hat die Bundesliga in der Saison 2011/12 gemacht. Die Popularität des Fußballs hat fast die gesammte Bevölkerung erreicht. Das wiederum lockt Medien und Sponsoren. Die Kommerzialisierung und die Popularität des Fußballs bringen indes auch Probleme mit sich: Der Fußball ist "attraktiv" geworden für Wettmanipulationen und Korruption; darüber hinaus wird er wieder zunehmend als öffentliche Bühne für Gewalt und Rassismus missbraucht. Ob er will oder nicht, der Fußball übernimmt in diesem Spannungsfeld eine wichtige soziale Funktion und Verantwortung.

Der Konflikt zwischen voranschreitender Kommerzialisierung und bewahrender Tradition hat die Frage aufgeworfen, wem eigentlich der Fußball gehört – den Fans, den Funktionären oder gar den Sponsoren und Medien? Die rechtliche Autonomie des Fußballs, seine wirtschaftliche Monopolstellung und seine gesellschaftliche Bedeutung haben in Teilen eine "Parallelwelt" geschaffen, die eigenen Gesetzmäßigkeiten gehorcht. Der Profifußball besteht mittlerweile aus einer Reihe von Akteuren mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen, Netzwerken, tradierten Normen und branchenspezifischen Handlungsmustern. Aus diesem Gefüge entstehen Strukturen, Abhängigkeiten und Konflikte. Im Folgenden werden die wichtigsten Zusammenhänge des Fußball-Business rund um die Bundesliga dargestellt und diskutiert.

Ökonomische Entwicklung



Fußball dominiert mit großem Abstand den professionellen Sport in Deutschland – das gilt für die Zahl der Aktiven wie auch passiv Interessierten, aber viel mehr noch gemessen an wirtschaftlichen Kennzahlen. Nach Umsatz rangiert selbst die 3. Liga im Fußball noch vor der Handball-Bundesliga (HBL), der Deutschen Eishockeyliga (DEL) und der Deutschen Basketball-Bundesliga (BBL).[1] Der Abstand des Fußballs wächst sogar noch – die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat ihm einen zusätzlichen Schub verliehen. Nahezu alle Alters- und Einkommensschichten interessieren sich für Fußball, insgesamt zwei Drittel der Bevölkerung. Über 44.000 Zuschauer kommen durchschnittlich pro Spiel in die Stadien. Mit der Saison 2011/12 hat die Bundesliga beim Umsatz sogar die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. In der Saison 2001/02 war es noch rund eine Milliarde Euro. Auch die Zweite Bundesliga entwickelt sich solide. Die Kombination aus sportlichem Erfolg und gesunder finanzieller Basis machen die Bundesliga womöglich zu einem Erfolgsmodell und Vorbild auch auf europäischer Ebene.

Interessant ist die Verteilung der Einnahmen und Ausgaben der Bundesligavereine. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf (441 Millionen Euro), der Werbung (553 Millionen Euro) und den Medienrechten (546 Millionen Euro) machen mit jeweils rund einem Viertel den größten Anteil an den Gesamteinnahmen aus. Die Struktur der Einnahmen ist über die vergangenen Jahre nahezu konstant gewesen; der relativ stabile und ausgeglichene Mix kann als Vorteil gegenüber einer zu einseitigen Finanzierung und unerwarteten Ausfällen von Einnahmen gesehen werden. Den Einnahmen in Höhe von 2,08 Milliarden Euro standen in der Saison 2011/12 Aufwendungen in Höhe von 2,02 Milliarden Euro gegenüber. Die Bundesliga hat damit einen Überschuss von rund 60 Millionen Euro erzielt. Den größten Posten bei den Aufwendungen machen die Spielergehälter mit 787 Millionen Euro aus, was einem Anteil an den Gesamtaufwendungen von 39 Prozent entspricht.[2]

Die Bundesliga ist wirtschaftlich weitgehend gesund – abgesehen von einzelnen Clubs, die sich aufgrund hoher Investitionen und unerwartet geringem sportlichen Erfolg nun konsolidieren müssen. Ein Blick in die Bilanzen bestätigt die gute Verfassung der Bundesliga: Das Eigenkapital der Vereine betrug zum 30. Juni 2012 rund 779 Millionen Euro. Auf der Aktivseite stehen das Sach- und Anlagevermögen und die Forderungen, auf der Passivseite die Verbindlichkeiten und als Saldo aus Vermögen plus Forderungen minus Verbindlichkeiten das Eigenkapital. Auf der Aktivseite stehen unter anderem Finanzanlagevermögen in Höhe von 474 Millionen Euro, Sachanlagevermögen in Höhe von 237 Millionen Euro und ein Spielervermögen in Höhe von 371 Millionen Euro zu Buche, auf der Passivseite unter anderem 624 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Die Eigenkapitalquote, das ist der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme (Gesamtkapital), beträgt damit rund 44 Prozent.

Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung der Fernsehgelder in der Bundesliga. Gab es in den Anfängen der Bundesliga "nur" eine knappe halbe Million Euro, sind es ab der Saison 2013/14 rund 628 Millionen Euro. Die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte und das Aufkommen des Privatfernsehens haben maßgeblich dazu beigetragen. Zweifelhaft ist aus ökonomischer und ordnungspolitischer Sicht, ob die öffentlich-rechtlichen Anstalten um Fußballrechte mitbieten sollten, da es kein Versagen privater Märkte gibt und Fußball nicht im engeren Sinne zum öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gehört.

Geben und Nehmen



Nicht zuletzt macht sich der Wirtschaftsfaktor Fußball auch fiskalisch bemerkbar. Die Bundesliga zahlte in der Saison 2011/12 insgesamt fast 662 Millionen Euro an Steuern und Abgaben, davon 174 Millionen Umsatzsteuer (abzüglich Vorsteuer) und 363 Millionen Euro Lohnsteuer. Allerdings profitiert die Bundesliga auch in besonderer Weise von öffentlich finanzierter Infrastruktur, etwa von der Zuwegung zu Stadien, dem öffentlichen Nahverkehr, Subventionen bei Stadionbauten oder Polizeieinsätzen an Spieltagen.

Gerade in strukturschwachen Regionen stellen Bundesligavereine oftmals einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Um zu verhindern, dass die positiven regionalwirtschaftlichen Effekte durch einen etwaigen Abstieg in Gefahr geraten, unterstützen Kommunen den ortsansässigen Verein oftmals auf vielfältige Weise, etwa durch Aufschub von Steuerschulden oder mithilfe von Subventionen bei Stadionneubauten. Da eine andere Nutzung eines Fußballstadions als durch den regionalen Fußballclub ohnehin kaum möglich ist, stellt der kommunale Besitz des Stadions oft nur eine verdeckte Finanzhilfe für den Verein dar. In Europa befinden sich über die Hälfte der Stadien und Trainingsanlagen im kommunalen Besitz.[3]

Solche staatlichen und kommunalen Hilfen stellen jedoch potenziell auch eine Wettbewerbsverzerrung dar. Vereine mit hoher regionaler Bedeutung antizipieren sogar einen möglichen bailout durch die Kommune und gehen stärker ins finanzielle Risiko. Und tatsächlich fangen die Kommunen in finanzielle Nöte geratene Vereine oftmals auf, was gerade in Zeiten überschuldeter Kommunen höchst umstritten ist.[4]


Fußnoten

1.
Die 3. Liga erzielte 2010/11 einen Umsatz von 112,3 Millionen Euro, die HBL 84,4 Millionen, die DEL 79,2 Millionen und die BBL 60,9 Millionen. Der Umsatz der Fußball-Bundesliga lag in jener Saison bei über 1,9 Milliarden Euro. Vgl. Finanzreport deutscher Profisportligen, in: Sponsors, (2011) 12, S. 55.
2.
Vgl. Deutsche Fußball Liga (Hrsg.), Bundesliga Report 2013, Frankfurt/M. 2013, online: http://www.bundesliga.de/media/native/autosync/report_2013_dt_72dpi.pdf« (3.6.2013).
3.
Vgl. UEFA, Benchmarking-Bericht zur Clublizenzierung in Europa – Finanzjahr 2011, Nyon 2012.
4.
Im März 2012 erklärten der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia und der UEFA-Präsident Michel Platini, künftig stärker gegen Staatshilfen im Fußball vorzugehen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
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Autor: Henning Vöpel für bpb.de
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