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APuZ Monster

16.12.2013 | Von:
Matthias Burchardt

Das Medium ist das Monster - Essay

Monsterifikation und De-Monstration

In einer globalisierten und technifizierten Welt ist unser Denken und Handeln vor große Aufgaben gestellt, wenn wir Verantwortung übernehmen wollen. Die Möglichkeit, ein ethisches Problem wahrzunehmen, sich seiner anzunehmen, um ihm in angemessener Form zu entsprechen, scheint auf eine gewisse Nahräumigkeit angewiesen zu sein. Insofern ist es nicht nur Ignoranz, sondern auch schlichte Überforderung, wenn wir die Komplexität der moralischen Herausforderungen nicht mehr erfassen, geschweige denn ihr handelnd gerecht werden. Simplifikationen wirken entlastend, bergen aber auch die Gefahr theoretischer, ethischer und politischer Einseitigkeit, wie ich an Beispielen zeigen möchte, in denen bewusst "Monster" kreiert werden, um öffentlichen Debatten einen "Spin", eine politische Deutungsrichtung zu verleihen.

Monsterbeispiel I: "Das Kopftuchmädchen". 2010 erschien das umstrittene Buch "Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen" von Thilo Sarrazin. Die Resonanz brachte sicherlich viele Gemütslagen und Meinungen zum Ausdruck: vom Ressentiment gegen Fremde bis hin zur Forderung, bisher nicht ausreichend diskutierte Fragen um Migration und Integration neu aufzugreifen. Zum Symbol der Debatte wurde schließlich das "Kopftuch" beziehungsweise dessen Trägerin: "das Kopftuchmädchen". Es bietet sich zur Monsterifikation insofern an, als es sich der opportunen Transparenzdoktrin[6] verweigert: Wer sich verbirgt, hat etwas zu verbergen – seien es patriarchale Unterdrückungsstrukturen, religiöser Fundamentalismus, integrationsunwilliger Traditionalismus oder gar ein Sprengstoffgürtel. Während das moderne westeuropäische Mädchen unter dem Enthüllungsdruck der Mode die Darstellung ihrer mehr oder weniger vorteilhaften Körperformen zu leisten hat, setzt "das Kopftuchmädchen" dem konsumierenden Blick beunruhigende Grenzen.

Auch das Gefühl, dass "Deutschland sich abschafft", hat einen realen Gehalt, selbst wenn man keinem chauvinistischen Nationenbegriff nachhängt. Politische Entscheidungen werden nicht mehr ausschließlich in den nationalen Parlamenten diskutiert und beschlossen, sondern von supranationalen Gremien oder demokratisch nicht legitimierten Organisationen wie etwa der Welthandelsorganisation. Auch wird der soziale Zusammenhalt brüchig, weil Armut und Perspektivlosigkeit um sich greifen und die europäische Wertebasis des Humanismus und der Aufklärung erschüttert ist. Und während die Indizes an den Börsen ein Allzeithoch verbuchen können, verkümmern kommunale Infrastruktur und öffentliche Kulturförderung. Im Bildungssystem vollzieht sich seit dem unterdurchschnittlichen Abschneiden Deutschlands in der ersten Schulleistungsstudie PISA auf Geheiß der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein epochaler Traditionsabbruch in Zielen, Gehalten und pädagogischen Handlungsformen. Die als "Wandel" beschönigte Abwicklung der kulturellen Identität der europäischen Tradition, sei sie christlich, humanistisch oder sozial-emanzipatorisch, entwurzelt und verängstigt Menschen. Die Verantwortung für diese Verwerfungen liegt aber gerade nicht beim "Kopftuchmädchen", sondern in der Globalisierung des Sozialabbaus unter einer entfesselten Logik des Marktes. Ein wesentliches Motiv für Migration besteht ja nicht im Wunsch, visuelle Verstörung oder Überfremdungsgefühle in Fußgängerzonen auszulösen, sondern in Armut, politischer Verfolgung und Entwurzelung. Neben dem Wunsch nach Horizonterweiterung durch einen Ortswechsel erzählt Migration eben auch von der Unmöglichkeit eines guten Lebens in der Heimat. Das "Kopftuchmädchen" fungiert insofern als Projektionsfläche und Sündenbock für durchaus berechtigte Ängste, zugleich aber werden Opfer zu Tätern stilisiert. Als Referenz zur Beurteilung dieser Umstände ist gar keine Biologie der Ethnizität zu bemühen, sondern eignen sich schlichtweg die Menschenrechte.

Monsterbeispiel II: "Der dicke Mensch". Die Spielregeln der Political Correctness haben die soziale Diskriminierung nicht aufgehoben, falls dies je deren Zweck gewesen sein sollte, sondern in ihren Formen sublimiert, rationalisiert, moralisiert und diversifiziert. Der dicke Mensch erfährt diese monsterifizierende Stigmatisierung im Horizont einer Mode, die nicht die Schönheit des individuellen Körpers zum Vorschein bringt, sondern diesen mit der Abweichung vom BMI (Body Mass Index) konfrontiert. Er wird in Fernsehshows wie "The biggest loser" unter dem Vorwand von Hilfeleistung oder in Ernährungs- und Gesundheitssendungen als Risikofaktor vorgeführt. Gesundheitsökonomen warnen vor dem volkswirtschaftlichen Schaden, den der dicke Mensch anrichtet, insofern er eine Belastung der Kranken- und Sozialkassen darstelle. Als Erklärungsmuster wird oft individuelles Fehlverhalten wie ungezügeltes Essen oder zu wenig Sport herangezogen. Den Resonanzboden für diese Deutung bildet die kursierende und zugleich unausgesprochene Sozialnorm einer hedonistischen Askese, in der sich das protestantische Arbeitsethos (Max Weber) mit einem konsumhaften Wellness-to-go paart, versinnbildlicht in der freudlosen Körperzurichtung in Fitnesscentern. Schönheit und Gesundheit sind in dieser Sicht keine Gunst der Natur oder die Gnade eines Gottes, sondern das Produkt harter Arbeit am eigenen Körper. Und dieser Körper ist eben nicht mehr Leib, also der primäre Ort sinnlich-sinnhafter Welt- und Selbsterschließung, sondern Werk- und Ausstellungsstück, das sich seiner Marktgängigkeit im Horizont von Angebot und Nachfrage je neu versichern muss: Leistungsfähigkeit und visuelle Attraktivität werden gegebenenfalls mit Medikamenten oder plastischer Chirurgie hergestellt. Dick-Sein ist insofern ein individuelles Vergehen, moralisierend gesprochen eine Sünde. Wer dick ist, ist selbst schuld und erntet mit Recht gute Tipps und latente Verachtung – nicht nur seiner Form, sondern auch seiner Person wegen, deren Schwäche sich fleischlich manifestiert.

Diese zynische Betrachtungsweise sagt im Grunde mehr über die Betrachter als über die Betrachteten aus und beruht auf vielen fragwürdigen Voraussetzungen. Zum einen zeigt sich im historischen oder kulturvergleichenden Blick, dass Dick-Sein nicht zwangsläufig mit Leid, Hässlichkeit, Armut und Krankheit konnotiert werden muss, sondern ganz im Gegenteil auch mit sexueller Lust, lebensbejahender Sinnlichkeit, Schönheit, Macht, Reichtum und Gesundheit. Die Rechnung der Gesundheitsökonomen bezüglich des vermeintlich erhöhten Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (offen bleibt, ob es sich hier um Korrelationen oder Kausalitäten handelt) fragt kaum nach den Folgen des Fitnesswahns, der Mangel- und Fehlernährungen, der Medikalisierung und Chirurgisierung des optimierten Körpers, den Folgen von Magersucht. Eine wesentliche Tragik besteht schließlich darin, dass viele Menschen aufgrund des Jojo-Effekts der vielen Diäten dick sind. Es zeigt sich das vom Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer beschriebene Phänomen: Krank durch gesunde Ernährung.[7]

Monsterbeispiel III: "Der Terrorfürst". Eine Lieblingsfigur der medialen Kommunikation ist seit dem 11. September 2001, neben dem "irren Diktator" (wie Saddam Hussein oder Muammar Al-Gaddafi), "der Terrorfürst". Er verkörpert das Monster des absolut Bösen, das einerseits bezüglich seiner Motive als gänzlich irrational, in der Wahl seiner Mittel aber andererseits als perfide, mit aller Macht der instrumentellen Vernunft ausgestattet, dargestellt wird. Sein Lebensraum ist eine Höhle in afghanischen Gebirgszügen, seine Mission die Zerstörung der westlichen Zivilisation mit ihren Grundwerten von Freiheit, Demokratie und gesellschaftlicher Toleranz. Nun stünde es westlichen Rechtsstaaten gut zu Gesicht, im Umgang mit ihren Gegnern auch auf rechtsstaatliche Mittel zu setzen, denn ansonsten bedürfte es gar keiner Terrorfürsten mehr, um das westliche Wertefundament zu zerstören. Die Liquidierung Osama bin Ladens kann hier als Beispiel dienen: Im Rahmen einer juristischen Aufarbeitung hätte der Nachweis einer Schuld geführt, das Motiv geklärt und gegebenenfalls das Strafmaß festgelegt werden müssen. In diesem Fall würde man selbst den ärgsten Feind noch als Menschen oder Bürger behandeln, ein Monster dagegen kann man mit Zustimmung der öffentlichen Meinung einfach mit "kurzem Prozess" liquidieren. Die Obszönität, dass dieser Akt in Echtzeit auf dem Screen von den mächtigsten Politikern der "freien Welt" verfolgt wurde, während in Guantánamo nach wie vor auch unschuldige Menschen ohne vorherigen Prozess gefangen gehalten werden, könnte ebenso nachdenklich stimmen wie die zunehmende Akzeptanz von peinlichen Befragungstechniken wie dem sogenannten water-boarding. Auch hier spielt die Monsterifikation eine legitimatorische Rolle: Gegen monströse Gegner darf man auch zu unorthodoxen Maßnahmen greifen. Der Zweck heiligt die Mittel.

Monsterbeispiel IV: "Die Märkte". Auch im Umgang mit der Weltfinanzkrise, die zur Staatsschuldenkrise umerzählt wurde, finden sich Elemente monsterifizierender Simplifikationen. Zum Bezugspunkt aller Diskussionen und Maßnahmen wurden "die Märkte" erklärt, denn eines galt als besonders bedrohlich, nämlich dass "die Märkte" "nervös" werden. Und "nervöse Märkte" könnten die ganze Weltwirtschaft in den Abgrund reißen. Man fühlt sich an die antike Mythologie erinnert: Vor der Stadt lauert ein gewaltiges Ungeheuer, das es zu besänftigen gilt, damit es von seiner Drohung absieht, das Gemeinwesen anzugreifen. Da es ebenso unkalkulierbar wie unzähmbar ist, bleibt als alternativlose Option, ihm von Zeit zu Zeit eine Ladung von Jungfrauen als Opfer darzubieten, damit sein nervöser Blutdurst gestillt wird. Entsprechend erscheint es plausibel, wenn man zur – gleichermaßen pathetischen wie permanenten – "Rettung" von Staatshaushalten, Banken oder Währungen von Menschen verlangt, "Opfer" zu bringen. Schließlich kündigt sich im Monster des "nervösen Marktes" eine schicksalhafte Strafe an, die uns zu Recht ereilt, weil wir schließlich alle "über unsere Verhältnisse gelebt" haben.

Das Narrativ oder Propagandamärchen der nervösen Märkte leistet Deutung von Wirklichkeit und Legitimation politischen Handelns zugleich, ohne aber in der Sache selbst Aufklärung zu leisten. "Die Märkte" sind eben kein naturwüchsiges, unzähmbares Ungeheuer, sondern eine durch politische Entscheidungen entfesselte Instanz. Auch verschleiert die anonymisierende Rede, dass eine überschaubare Anzahl von identifizierbaren Akteuren dadurch ihr Geld vermehrt, dass ganze Volkswirtschaften oder Währungsräume als Geiseln genommen werden. Zu jeder politischen Entscheidung gibt es Alternativen – wer Sachzwangargumentationen bemüht, dem fehlt es an Fantasie, an Verantwortungsbereitschaft oder am nötigen Mut, sich mit mächtigen globalen Akteuren anzulegen. Besonders perfide erscheint die Individualisierung und Moralisierung der Krise im Vorwurf: "Wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt." Wer genau ist der Adressat dieses Vorwurfes? Geht es um Konsumentscheidungen in Privathaushalten oder um Parlamentsbeschlüsse und öffentliche Haushalte? Sicher wäre darüber hinaus auch danach zu fragen, in welchem global-ökonomischen Kraftfeld diese Entscheidungen gefallen sind und wer diese Rahmenbedingungen gestaltet beziehungsweise von ihnen profitiert hat.

Monsterbeispiel V: "Der Datenkrake". Das aktuellste Monster in den Medien ist der Datenkrake. Nicht erst seit den Enthüllungen Edward Snowdens kritisieren Datenschützer, dass große Unternehmen, staatliche und geheimdienstliche Institutionen ihre Tentakel in alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens ausstrecken, um dort Informationen jeglicher Form abzugreifen. Die Vielarmigkeit des Kraken versinnbildlicht seine potenzielle Omnipräsenz, sein Korpus die Option einer zentralen Aggregation und Korrelation der gewonnenen Daten. Galt er bis vor Kurzem noch als domestiziertes Nutztier im Einsatz gegen den Terrorfürsten (siehe oben), kamen spätestens mit der Überwachung der deutschen Bundeskanzlerin, die offenkundig nicht zum engeren Kreis einer Terrorzelle gehören kann, Zweifel an dieser Einschätzung auf. Was ist hier geschehen? Sind den Politikern – wie bei Goethes Zauberlehrling – ihre eigenen Herrschaftsinstrumente entglitten? Und: Welcher Meister kann die Besen wieder in die Kammer zaubern? Tatsächlich hat das digitalisierte und vernetzte Zeitalter den versprochenen Demokratisierungs- und Emanzipationsschub ubiquitärer und dezentraler Kommunikation nicht vollzogen. Ganz im Gegenteil haben sich unerschöpfliche Quellen zentralisierbarer Datenerfassung und -speicherung zur Gewinnung exklusiven Herrschaftswissens und soft governance offener Gesellschaften aufgetan. Über den Abgleich von Google-Suchanfragen und Payback-Analysen des Kaufverhaltens wurden in den USA für eine Wahlkampagne potenzielle Obama-Wähler ermittelt, die dann mit einem iPhone-App-gestützten Argumentarium mittels Schneeballsystem punktgenau an der Haustür mobilisiert wurden.[8] Schon allein aus den Metadaten der digitalen Kommunikation per Mail oder in sozialen Netzwerken kann ein Anatomieatlas der informellen sozialen Strukturen gewonnen werden. "Influencer", also Personen, deren Meinung sich andere anschließen, gelten als Reflexpunkte, deren Aktivierung Stimmungen, Überzeugungen und politische Willensbildung kaskadenartig in die Breite multipliziert. Das Konzept des "Astro-Turfings", benannt nach einer Kunstrasenmarke, simuliert mittels Blogs und Foren eine Graswurzelentwicklung, also eine spontan entstandene politische Bewegung engagierter Bürger – mit dem Unterschied, dass dort Lobbygruppen aktiv sind, entweder durch maskierte, bezahlte Mitarbeiter oder sogar durch Computerprogramme, die massenhaft authentische User-Äußerungen vortäuschen. Der Datenkrake begnügt sich also keineswegs mit der Aneignung von Daten, sondern errichtet daraus ein operatives Steuerungsdispositiv anonymisierter Macht, die jeglicher demokratischer Kontrolle entzogen ist. So wichtig Aufklärung in diesen Fragen ist, so wenig hilfreich ist die Dämonisierung des Kraken, schürt sie doch Ängste und den Eindruck von Ohnmacht. In dem zynischen Satz: "Wer nichts zu verbergen hat, braucht den Kraken nicht zu fürchten" klingen immer auch schon Kapitulation und Einschüchterung mit, sodass das geschürte Gefühl globaler und porentiefer Kontrolle Menschen davon abhält, wesentliche Bürgerrechte wahrzunehmen, sei es die Versammlungsfreiheit, die freie Meinungsäußerung, die Aufdeckung von politischen Skandalen oder gar demokratischer Widerstand. Angst vor Überwachung lässt die realen und virtuellen öffentlichen Räume politisch veröden.

Propagandademokratie?

Gemessen an dem oben beschriebenen Auftrag des Journalismus für politische Bildung und demokratische Kultur kann die an den Beispielen demonstrierte Aufbereitung von Sachverhalten am Narrativ des Monströsen nur als bedenklich eingestuft werden. Kenntnisse und ein begründetes Urteil werden gerade nicht er-, sondern verschlossen, wenn das Erzählmuster des Ungeheuers als Grundlage der politischen Orientierung etabliert wird. Der Journalist und Medienkritiker Walter Lippmann offenbart die zugrunde liegende Strategie: Durch Medienbilder schiebt sich eine Pseudo-Wirklichkeit vor die tatsächliche Wahrnehmungs- und Handlungswelt der Menschen und wird zum Bezugspunkt von Denken, Fühlen und Handeln: "In all these instances we must note particularly one common factor. It is the insertion between man and his environment of a pseudo-environment. To that pseudo-environment his behavior is a response. But because it is behavior, the consequences, if they are acts, operate not in the pseudo-environment where the behavior is stimulated but in the real environment where action eventuates."[9]

Einmal etabliert sind diese Bilder solange immun gegen Einwände lebensweltlicher Erfahrung, wie sie als Schemata zur Einordnung dieser Erlebnisse fungieren. Von der Wirksamkeit dieser Strategie zeugen die Dämonisierungskampagnen der Nationalsozialisten gegen Juden und andere ethnische Gruppen, aber auch gegen Behinderte. Selbst jahrzehntelange positive Erfahrungen mit Menschen im direkten Umfeld konnten häufig das monströse Bild von "den Juden", "den Zigeunern" oder "den Schwachsinnigen" nicht widerlegen. Und die daraus resultierenden Taten geschahen in der Realität und nicht im Bild.

Die Frage nach Monstern in den Medien reicht also tiefer als eine Kritik an der Sensationslust von Menschen, die sich in Boulevardmagazinen am Panoptikum absonderlicher Abweichlinge genussvoll ihrer eigenen Normalität versichern wollen. Das Erzählmuster des Monströsen kann im Rahmen des Fiktionalen unterhaltsam und sogar erkenntnisträchtig sein, als Tiefenschablone des politischen Journalismus unterläuft es die Ansprüche von Aufklärung und Humanismus, mit erheblichen Auswirkungen in ethischer und theoretischer Hinsicht. Der unwissentliche oder gar strategische Einsatz des archaischen Monster-Konzeptes kann einer modernen Demokratie immensen Schaden zufügen.

Fußnoten

6.
Vgl. Byung Chul Han, Transparenzgesellschaft, Berlin 2012, S. 40ff.
7.
Vgl. Udo Pollmer, Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung, Köln 1996.
8.
Vgl. Stefan Schulz, Wir wissen, wen du wählen wirst, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.8.2013, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wie-big-data-das-wahlgeheimnis-aushebelt-wir-wissen-wen-du-waehlen-wirst-12553613.html« (21.11.2013).
9.
Walter Lippmann, Public Opinion, New York 1922, S. 15.
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