Eine Figur mit Hut und einem Fernglas steht am 13.07.2013 in Berlin zwischen Sträuchern und Bäumen in einem Garten einer Kleingartenanlage und schaut versteckt aus den Büschen heraus.
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Offener Umgang mit geheimer Geschichte

25.4.2014

Quo vadis?



Dem BND kommt innerhalb der deutschen Sicherheitsarchitektur eine herausgehobene Verantwortung bei der Wahrung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu. Aus diesem Grunde muss er sich seiner Identität sicher sein. Dabei sind sowohl sein aktuelles politisches als auch sein historisches (Selbst-)Bild elementare Bestandteile der dafür notwendigen Identitätsbildung. Mit der Bewusstwerdung seiner Geschichte versichert sich der BND seiner Identität, die er für sein gegenwärtiges Agieren benötigt. Die Erforschung der eigenen Geschichte erscheint somit als politische, soziale und moralische Notwendigkeit, um zukunftsorientiert mithilfe stabiler Identitätszuschreibungen vertrauensbildend agieren zu können.[20]

Die Einrichtung der BND-internen Forschungs- und Arbeitsgruppe "Geschichte des BND" und die Einsetzung der UHK sind erste Schritte zu einer größeren Transparenz der eigenen Historie. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet der seit rund vier Jahren praktizierte Umgang mit der eigenen Vergangenheit für den BND eine dauerhafte Verpflichtung, da dieser kein endlicher, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist. Das öffentliche Interesse von Politik und Gesellschaft an der Tätigkeit des BND bleibt auch weiterhin bestehen. Aus diesem Grunde soll nach Beendigung der Forschungstätigkeit der UHK im Jahr 2016 ein eigenes Historisches Büro im BND eingerichtet werden, bei dem die Forschungs- und Arbeitsgruppe "Geschichte des BND" die Keimzelle bilden soll, so wie es der BND-Präsident zuletzt angekündigt hat: "Wir werden eine Art Historisches Büro einrichten, eine historische Sammlung anlegen und unsere Geschichte kontinuierlich in der Ausbildung und in der Lehre vermitteln."[21] Für den BND ist die begonnene historische Aufarbeitung eine dauerhafte politische Notwendigkeit, die Debatte um seine geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit zu versachlichen, ihr perspektivisch den Nährboden zur Legendenbildung fundiert zu entziehen, Misstrauen und falsche Vorstellungen in der Öffentlichkeit abzubauen, um damit für seinen aktuellen und zukünftigen Auftrag Vertrauen und politischen Handlungsspielraum zu gewinnen.


Fußnoten

20.
Vgl. Werner Wertgen, Vergangenheitsbewältigung: Interpretation und Verantwortung, Paderborn u.a. 2001, S. 363.
21.
G. Schindler (Anm. 2).
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Autor: Bodo Hechelhammer für bpb.de
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