Monumentale Fußabdrücke auf der Schwelle eines Tempels.
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Nachhaltige Wassernutzung


21.7.2014
Wasser ist Leben – diese Einsicht wird seit Jahrtausenden von Völkern in aller Welt geteilt. Auf den ersten Blick scheint Sorglosigkeit berechtigt zu sein, denn mehr als zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt. Und selbst wenn man das salzige Meerwasser und das für den menschlichen Verbrauch nicht verfügbare Süßwasser wie die polaren Eismassen abzieht, bleiben 12.000 Kubikkilometer Trinkwasser übrig. Es scheint mehr als genug für alle zu geben, besonders in regenreichen Ländern wie Deutschland. Trotzdem mahnen Umweltschützer(innen) auch bei uns einen sorgsamen Umgang mit dem kostbaren Nass an. Eine übertriebene Forderung? Viele Menschen in Deutschland sparen bewusst Wasser, etwa mithilfe von Spartasten an Toiletten. Gleichzeitig erleben wir hierzulande aber auch Verschwendung und rücksichtslose Schadstoffeinleitungen. Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser wird nicht nur durch fehlende Achtsamkeit und ein kurzfristig ausgerichtetes Nutzungsinteresse behindert, sondern auch durch die Komplexität der Prozesse des "Verbrauchs" von Wasser.

Ist Wassersparen überflüssig?



Die Deutschen gelten als "Weltmeister" beim Wassersparen. Der hiesige Trinkwasserverbrauch ist mit täglich etwa 120 Litern je Einwohner[1] ausgesprochen niedrig, was ein Erfolg langjähriger Kampagnen ist. Zu Beginn der 1990er Jahre betrug der deutsche Prokopfverbrauch noch 145 Liter, und in den USA und Japan ist er weiterhin deutlich mehr als doppelt so hoch wie bei uns. Es tauchen aber zunehmend Zweifel auf, ob das Wassersparen in Deutschland sinnvoll ist. Die verfügbare Wassermenge im eigenen Land scheint mehr als ausreichend zu sein, und für die Behebung der Wasserknappheit in weit entfernten Ländern ist unser Wassersparen offenbar irrelevant. Manche Expert(inn)en in der Wasserwirtschaft warnen sogar vor zu großen Sparbemühungen, weil das Wasser- und Abwasserleitungsnetz auf größere Mengen ausgelegt ist und die Fließgeschwindigkeit vor allem des Abwassers so gering werden könnte, dass Verstopfungen drohen.

Allerdings: Niemand kann bisher die Folgen des Klimawandels verlässlich vorhersagen. Dies gilt zum Beispiel für die Folgen des allmählichen Abschmelzens der Alpengletscher. Bislang binden sie im Winter große Wassermengen als Eis und Schnee, während im Sommer kontinuierlich Schmelzwasser in Flüsse abgegeben wird. Die Gletscher haben also eine Ausgleichsfunktion für Bäche und Flüsse. Entfällt dieser Puffer, kann es bei heftigen Niederschlägen im Gebirge verstärkt zu Hochwasserkatastrophen an den Unterläufen der Flüsse und – meist in den Sommermonaten – zu längeren Niedrigwasserperioden kommen. Das hat Auswirkungen auf die Grundwasserbildung in ufernahen Zonen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Schadstoffbelastung in vielen oberflächennahen Grundwasserleitern zunimmt, vor allem durch industrielle Bodenbelastungen sowie Nitrate und Pestizide aus der Landwirtschaft. Es ist deshalb geboten, die tiefer liegenden Grundwasservorräte zu schonen. Zu wenig beachtet wird zudem der enge Zusammenhang zwischen Wasser- und Energieverbrauch. So ist hierzulande die Zahl der "Warmduscher" beträchtlich, und auch für viele andere Zwecke wird das Wasser erwärmt oder erhitzt, bevor es genutzt wird. Ein besonders großes Einsparpotenzial beim häuslichen Wasserverbrauch bietet der Bereich Baden/Duschen/Körperpflege, denn hierfür werden 36 Prozent des Trinkwassers verwendet. Auf die Toilettenspülung entfallen 27 Prozent des Verbrauchs.[2] Wasserspararmaturen helfen beim sorgsamen Umgang und gehören inzwischen in den meisten Neubauten zum Standard. Wasser zu sparen dient der nachhaltigen Bevorratung dieses unverzichtbaren Lebens-Mittels und hilft zudem, Kosten zu mindern. Ein solches Verbrauchsverhalten kann dann auch die Grundlage dafür bilden, die Leitungsnetze schrittweise dem verringerten Verbrauch anzupassen.

In vielen Entwicklungsländern ist die Wassersituation hingegen dramatisch: Eine wachsende Zahl von Ländern leidet unter Wasserstress, und eine Folge davon ist, dass die innergesellschaftlichen Konflikte um das rar gewordene Gut zunehmen, in Afrika vor allem zwischen Ackerbauern und umherziehenden Viehzüchtern. Auch wachsen die Spannungen um die Wasserverteilung grenzüberschreitender Gewässer, so unter den elf Anrainerstaaten des Nils und seiner Zuflüsse. Trotzdem ist die Wasserverschwendung in vielen Entwicklungsländern immer noch beträchtlich, vor allem dadurch, dass ein Drittel oder sogar fast die Hälfte des Leitungswassers durch Leckagen verloren geht, bevor es die Kunden erreicht. Mittlerweile wird in vielen Städten im Süden der Welt versucht, diese Verluste durch die Erneuerung der Leitungsnetze drastisch zu senken. Erfreulicherweise finden Wasserspartechniken bei Wasserhähnen und WCs auch in Ländern mit Wasserstress vermehrt Verwendung. Es wäre ein falsches Signal, wenn das "Wassersparvorbild" Deutschland in dieser Situation die eigenen Anstrengungen einstellen würde.

"Virtueller" Wasserverbrauch



4.000 Liter Wasser am Tag – so hoch ist der durchschnittliche "virtuelle" Wasserverbrauch jedes Bundesbürgers. Als "virtuell" gilt die Wassermenge, die für die Herstellung all der Güter erforderlich ist, die wir täglich konsumieren. Für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch sind zum Beispiel mehr als 15.000 Liter Wasser nötig. Das umfasst das Wasser, das das Rind im Laufe seines Lebens säuft, das Wasser, das für die Herstellung des Futters erforderlich ist, und (ein kleinerer Posten) der Verbrauch des Schlachthofes. Ein Kilogramm Mais hat einen "Wasserfußabdruck" von 900 Litern, eine Tasse Kaffee von 140 Litern, eine Jeans von 11.000 Litern und ein Auto von 400.000 Litern.[3]

Der virtuelle Wasserbedarf ist mittlerweile für viele Produkte berechnet worden, wobei bei der Bewertung eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen ist. Es spielt zum Beispiel eine Rolle, ob der Tee in einer sehr regenreichen Region wie Assam am Fuß des Himalajas oder in Ländern mit Wasserstress angebaut wird. Auch kommt es darauf an, ob das Wasser nach dem Gebrauch stark verschmutzt in die Natur zurückgegeben wird, wie etwa von vielen indischen Färbereien, oder aber kaum Schadstoffe enthält wie beim Bioreisanbau. Dennoch ist es möglich, beim eigenen Konsum zu bedenken, wie viel virtuelles Wasser wir nutzen. Martin Geiger, Wasserexperte der Naturschutzorganisation WWF, betont: "Wie viel virtuelles Wasser in einem Produkt steckt, sieht man diesem natürlich nicht auf den ersten Blick an. Als Faustregel kann aber gelten: regional und saisonal einkaufen, nur in Maßen Fleisch konsumieren. Allein dadurch lässt sich schon einiges an virtuellem Wasser einsparen."[4]


Fußnoten

1.
Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Wasser – Wohlstand – Wandel, Berlin 2011, S. 17.
2.
Vgl. Bundesumweltamt, Rund um das Trinkwasser, Dessau 2013, S. 13.
3.
Vgl. Vereinigung Deutscher Gewässerschutz, Virtueller Wassergehalt ausgewählter Produkte, »http://www.virtuelles-wasser.de/produktgalerie.html« (1.7.2014).
4.
Zit. nach: Bayerischer Rundfunk, Virtuelles Wasser fließt in Warenströmen, BR Hintergrund, 7.11.2013, »http://www.br.de/themen/wissen/virtuelles-wasser-wasserfussabdruck100.html« (1.7.2014).
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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Frank Kürschner-Pelkmann für bpb.de

 
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