APuZ 37–38/2016 Der neue Mensch

Der Neue Mensch

Die Idee eines Neu-Werdens des Menschen hat über das Christentum Eingang auch in die säkularisierte Moderne gefunden. In den Sozialutopien der Neuzeit verlagerte sich das eschatologische Ziel vom Jenseits ins Diesseits. Mit dem "Ende des utopischen Zeitalters" schien auch das Ende des Strebens nach einem Neuen Menschen gekommen.

Doch Utopien sind keineswegs verschwunden, ebenso wenig wie die Sehnsucht nach einem Neuen Menschen. Transhumanistische Zukunftsvisionen richten ihre Erwartungen an biotechnologische Eingriffe in den Körper des Menschen, die ihn – bis hin zur Unsterblichkeit – perfektionieren sollen. Unterhalb der Ebene einer vollständigen Transformation zu einem Neuen Menschen haben sich zudem Techniken der alltäglichen Selbstoptimierung etabliert.

     

Anne Seibring

Editorial

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Gottfried Küenzlen

Der alte Traum vom Neuen Menschen. Ideengeschichtliche Perspektiven

Die Idee vom Neuen Menschen ist uralt. Immer schon haben die Menschen nach einem Anders- und Neu-Sein ihrer selbst gestrebt, nach einem Neuen Menschen gesucht. Der Beitrag stellt zentrale Abschnitte der Ideengeschichte vom Neuen Menschen dar. Weiter...

Sabine A. Haring

Der Neue Mensch im Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus

"Politische Religionen" wie der Nationalsozialismus und der Sowjetkommunismus knüpften in ihren Vorstellungen vom Neuen Menschen an christliche Traditionen an und formten diese im Rahmen ihrer jeweiligen Weltanschauungen um. "Erneuerung" wurde zur zentralen Kategorie. Weiter...

Sascha Dickel

Der Neue Mensch – ein (technik)utopisches Upgrade. Der Traum vom Human Enhancement

Im bioethischen Diskurs wird unter dem Begriff "Human Enhancement" die technische Verbesserung des menschlichen Körpers verhandelt. Dieser Diskurs ist von Utopien durchzogen, die Ausdruck einer liberalen Innovations- und Wachstumsgesellschaft sind. Weiter...

Jan-Christoph Heilinger

Grenzen des Menschen. Zu einer Ethik des Enhancement

Die meisten Menschen stoßen in Alltag und Beruf an Grenzen. Angesichts von An- und Überforderungen erscheint vielen der Einsatz eines "kleinen biotechnischen Helfers" eine bedenkenswerte Option. Doch ist Enhancement immer das Mittel der Wahl? Weiter...

Stefanie Duttweiler

Nicht neu, aber bestmöglich. Alltägliche (Selbst)Optimierung in neoliberalen Gesellschaften

Aktuelle Beispiele zeigen, dass Selbstoptimierung heute vor allem das Erreichen eines bestmöglichen Zustandes unter gegebenen Voraussetzungen bedeutet. Die so erreichte Selbstbestimmung erweist sich als Kontaktpunkt zwischen Selbst- und Fremdführung. Weiter...

Rosi Braidotti

Jenseits des Menschen: Posthumanismus

Verweise auf das Posthumane sind sowohl in akademischen Debatten als auch in öffentlichen Diskussionen mit Begeisterung wie mit Befürchtungen verbunden. Der Beitrag zeigt Grundlinien einer posthumanen kritischen Theorie auf. Weiter...