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Deutsche Minderheiten im Ausland


10.3.2017
Das Phänomen "Deutsche Minderheiten im Ausland" ist älter als die Begriffe "Deutsche", "Minderheiten" und "Ausland". Es existiert, seit deutschsprachige Menschen über Grenzen wanderten und Grenzen über diese Menschen hinweg verschoben wurden. Als sich die meisten der heute im Ausland bestehenden deutschen Minderheiten herausbildeten, gab es noch kein "Deutsches Reich", sondern das "Heilige Römische Reich", das im 15. Jahrhundert den Zusatz "deutscher Nation" erhielt und 1806 unterging. In ihm lebten während des Mittelalters Menschen, die vor allem einen germanischen, aber auch romanischen oder slawischen Dialekt sprachen, denn die Hochsprachen in ihrer heutigen Form entwickelten sich in der Regel erst in der Frühen Neuzeit. Entsprechend handelte es sich bis ins frühe 19. Jahrhundert bei "Deutschen im Ausland" in erster Linie um Sprecher deutscher Dialekte, die sich vor allem durch ihren rechtlichen Status, ihren sozialen Stand und ihre Konfession definierten.

Erst als sich die Kategorie "Nation" durchgesetzt hatte, wurden diese "Deutschsprachigen" zu "Deutschen". Das 19. Jahrhundert mit seinen rasanten Entwicklungen in allen Lebensbereichen führte auch dazu, dass aus "Deutschsprachigen", die außerhalb des Deutschen Bundes (1815–1866) oder des Deutschen Reiches (1871–1945) lebten, Angehörige "deutscher Minderheiten" wurden. Dies geschah insbesondere dann, wenn die Autonomie ihrer Selbstverwaltungsgebiete aufgehoben wurde, innerhalb derer sie noch eine Mehrheit gebildet hatten. Bezogen auf das gesamte Gebiet des jeweiligen Staates sanken sie nun – auch aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft – auf das Niveau einer "nationalen Minderheit" herab oder assimilierten sich.

Im Folgenden sollen die deutschen Minderheiten, die im östlichen Europa[1] leben, im Vordergrund stehen. Bezogen auf die Gegenwart sind damit in erster Linie jene Deutschen gemeint, die den Status einer "nationalen Minderheit" im Sinne des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates besitzen.[2] Anschließend soll auch kurz auf die Deutschen in Westeuropa und in "Übersee" eingegangen werden. Für sie dient das Bekenntnis zur deutschen Herkunft, Sprache und Kultur als Bezugsrahmen.

Geschichte der Deutschen im östlichen Europa



Mittelalter bis 20. Jahrhundert
Die östliche Grenze des "deutschen" Sprachgebiets verlief um 1000 n. Chr. von Nord nach Süd entlang der Elbe-Saale-Böhmerwald-Linie. Östlich dieser Grenze lebten slawische Stämme, die sich zum Teil den römisch-deutschen Königen und Kaisern unterworfen hatten, oder die Magyaren, deren Herrscher ab dem Jahr 1001 als Könige von Ungarn den Donau-Karpatenraum regierten. Im 11. und 12. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung in Mittel- und Westeuropa aufgrund günstiger klimatischer und ökonomischer Bedingungen sehr stark. Als es in Westmitteleuropa keine ausreichenden Landerwerbsmöglichkeiten mehr für den Bevölkerungsüberschuss gab, kam ein Prozess in Gang, der als "deutsche Ostsiedlung" bezeichnet wird.[3] Slawische Landesherren und die ungarischen Könige erkannten in dieser Entwicklung die Chance, ihre relativ dünn bevölkerten und wirtschaftlich kaum erschlossenen Gebiete mit westlichen Bauern, Handwerkern, Kaufleuten oder Rittern besiedeln zu lassen. Gleichzeitig dehnten einige norddeutsche Fürsten im 12. und 13. Jahrhundert sowie der Deutsche Orden im 13. und 14. Jahrhundert ihr Herrschaftsgebiet nach Osten aus, oft verbunden mit der gewaltsamen Mission der baltischen Völker. Diese Entwicklung war weder ein planmäßig umgesetzter "deutscher Drang nach Osten" zur Unterwerfung der slawischen Nachbarn, noch eine Erschließung "wüster, menschenleerer" Gebiete durch "deutsche Kulturbringer", wie es manche im Geiste des Nationalismus geführte Debatten im 19. und 20. Jahrhundert glauben machen wollten.

Die Siedlungswellen von West nach Ost führten dazu, dass im späten 14. Jahrhundert in Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Obersachsen, Schlesien und Ostpreußen, meistens aus dem Zusammenleben von Slawen und westlichen Siedlern, sogenannte deutsche "Neustämme" entstanden, die in diesen Regionen die Bevölkerungsmehrheit stellten. In Böhmen und Mähren, in Westpreußen, im Baltikum (vor allem im heutigen Estland und Lettland), in der Zips (heutige Nordslowakei) oder in Siebenbürgen (heutiges Zentralrumänien) waren zahlreiche Landstriche von größeren deutschen Gruppen bewohnt, die dort Selbstverwaltungsgebiete besaßen und weitgehend die lokalen Eliten stellten.[4]

Die großen Pestepidemien des späten Mittelalters und die im 16. und 17. Jahrhundert erbittert geführten Kriege der europäischen Dynastien und Konfessionen führten dazu, dass aufgrund der enormen Bevölkerungsverluste keine neuen Siedlungsbewegungen entstehen konnten. Erst nach diesen Ereignissen ergriffen drei Herrscherhäuser erneut die Initiative. Die Hohenzollern machten nach dem Dreißigjährigen Krieg den Anfang mit der Ansiedlung neuer westlicher Siedlergruppen im Havelland, Pommern und Ostpreußen, später auch in Westpreußen. Die Habsburger begannen nach dem letzten großen Krieg gegen das Osmanische Reich (1716–1718) mit der planmäßigen Anlage von Siedlungen im ehemals osmanischen Ungarn, dessen zentrale und südliche Gebiete durch die "Türkenkriege" weitgehend entvölkert waren. Die Aussiedlungswilligen begaben sich während des 18. Jahrhunderts in drei großen "Schwabenzügen" auf den Weg, meistens über Ulm, entlang der Donau bis nach Ungarn. Dort wurden die später "Donauschwaben" genannten Gruppen vor allem im Ungarischen Mittelgebirge (Zentralungarn), in der "Schwäbischen Türkei" (Südungarn), in der Batschka (heutiges Nordwestserbien) und im Banat (heutiges Nordostserbien und Westrumänien) angesiedelt. Nach der ersten Teilung Polens 1772 erhielt die Habsburgermonarchie die Provinz Galizien (Südpolen), drei Jahre später die Bukowina vom Fürstentum Moldau. In beiden Gebieten entstanden rasch deutschsprachige Siedlungen, die mit Wien in engem Kontakt blieben.[5]

Auch die Zarin Katharina II. ("die Große") ließ ab 1763 in Russland zahlreiche deutsche Kolonien an der unteren Wolga, im nördlichen Schwarzmeergebiet und bei Sankt Petersburg anlegen. Mit der Ausdehnung des Zarenreiches im 19. Jahrhundert im Kaukasus und der Eroberung Bessarabiens 1812 entstanden auch hier deutsche Tochtersiedlungen. Nach dem verlorenen Krimkrieg 1856 lehnten die russischen Eliten eine weitere Ansiedlung Deutscher ab. Das sogenannte "Angleichsgesetz" führte ab 1871 zu einer schrittweisen Aufhebung der Selbstverwaltung der russlanddeutschen Kolonisten. Trotz einer allgemeinen "Russifizierung" wuchs die Zahl der Deutschen im Zarenreich aufgrund der hohen Geburtenrate auf rund 2,4 Millionen an. In der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts nahm der Anteil des deutsch-baltischen Adels an den politischen, administrativen und militärischen Eliten Russlands massiv ab, und auch die deutsch geprägten Städte in Est-, Liv- und Kurland verloren nach 1880 ihre Autonomie. Dabei gerieten die Deutsch-Balten nicht nur durch die Einführung des Russischen unter Druck, sondern auch durch die Nationalbewegungen der Esten und Letten, die eine Gleichstellung mit der deutschen Oberschicht forderten.[6]

Eine ähnliche Entwicklung betraf auch die Deutschen in Ungarn. Der sogenannte "Ausgleich" des habsburgischen Kaisers mit dem ungarischen Adel teilte das Reich 1867 in eine österreichische und eine ungarische Hälfte. Im Königreich Ungarn begann ab 1875 eine verstärkte "Magyarisierungspolitik", die bereits ein Jahr später zur Auflösung des Selbstverwaltungsgebietes der Siebenbürger Sachsen führte. Dank ihrer starken wirtschaftlichen Stellung, die ein lebendiges Kulturleben und eigenständiges Bildungssystem garantierte, war die deutsche Minderheit in Siebenbürgen jedoch weniger intensiv von den Magyarisierungsmaßnahmen betroffen. Das deutschsprachige Schulwesen der rund zwei Millionen Donauschwaben wurde hingegen bis zum Ersten Weltkrieg durch ein magyarischsprachiges ersetzt. Die Budapester Bemühungen, einen homogenen Nationalstaat zu schaffen, obwohl die Magyaren nur rund 50 Prozent der Bevölkerung stellten, und die demonstrative Zurückhaltung Wiens in dieser Frage führten zu einer Anlehnung der sächsischen und schwäbischen Eliten an das Deutsche Reich.

In der österreichischen Reichshälfte stellten die Deutschsprachigen mit etwa einem Drittel die relative Bevölkerungsmehrheit. Sie lebten in den Alpen- und Donauländern sowie in Teilen der böhmischen Länder in geschlossenen Siedlungsgebieten, in Galizien und der Bukowina als kleinere Gruppen. Das Entstehen von Nationalbewegungen in allen Teilen des östlichen Europa führte zu einer Erschütterung des habsburgischen Vielvölkerreiches, das nach dem Ersten Weltkrieg in zahlreiche kleinere Staaten zerfiel, in denen die Deutschsprachigen lediglich in der Republik Österreich die Bevölkerungsmehrheit bildeten.[7]

Zwischenkriegszeit
Gemäß den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages trat das Deutsche Reich 1919 größere Gebiete in seinen Ostprovinzen an die neu entstandene Republik Polen ab, etwa die Provinz Posen oder Teile von Westpreußen und Oberschlesien. Auch in diesen Gebieten hatten die Abgrenzung zwischen den ethnischen Gruppen und vor allem die preußische Germanisierungspolitik den deutsch-polnischen Gegensatz verschärft. Dieser führte dazu, dass sich rund 850.000 Deutsche, die sich nun innerhalb der Grenzen des polnischen Staates wiederfanden, bis 1925 für eine Übersiedlung nach Deutschland entschieden.[8] Beim polnischen Zensus von 1931 wurden 741.000 deutsche Muttersprachler gezählt, die Angehörigen der "deutschen Nationalität" wurden auf über eine Million Personen geschätzt. Mit 3,3 Millionen (1930) war die deutsche Minderheit in der 1918 gegründeten Tschechoslowakei wesentlich stärker. In den neu entstanden Staaten Estland, Lettland und Litauen lebten zusammen etwa 250.000 Deutsche. In Ungarn bekannten sich 1930 rund 477.000 Menschen zur "deutschen Nationalität", in Großrumänien waren es 745.000. Die deutsche Minderheit in Jugoslawien zählte etwa 500.000 Menschen.

Die politischen Vertreter der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa versuchten in der Zwischenkriegszeit deren Lage zu verbessern, unter anderem durch die Gründung eines eigenen europaweiten Interessenverbandes (Verband der deutschen Volksgruppen Europas). Dass die deutschen Minderheiten in der politischen Auseinandersetzung mit den Parteien der Mehrheitsgesellschaften oft als Repräsentanten des untergegangenen Habsburgerreiches oder des Kriegsverlierers Deutschland gesehen wurden und zahlreichen Schikanen ausgesetzt waren, stärkte insbesondere in der jüngeren Generation das Gefühl, eine Verbesserung ihrer Lage nur mit der Hilfe Deutschlands erreichen zu können.[9]

Dort hatte schon vor dem Ersten Weltkrieg die Vorstellung einflussreiche Anhänger gewonnen, bei den deutschen Minderheiten jenseits der Reichsgrenzen handele es sich um "Auslandsdeutsche", die nicht nur "im Erhalt ihres Deutschtums" unterstützt, sondern auch in den Dienst des Reiches gestellt werden sollten. In diesem Sinne wollte das 1917 in Stuttgart gegründete Deutsche Ausland-Institut die Verbindungen dieser "Diaspora" mit der "alten Heimat" stärken. Da nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der deutschen Minderheiten im östlichen Europa beträchtlich gestiegen war (insgesamt auf etwa 8,5 Millionen), nahm auch in der Weimarer Republik das öffentliche Interesse an den "Auslandsdeutschen" zu. Insbesondere Organisationen, die revisionistische Ziele verfolgten, traten für ein Protektionsverhältnis gegenüber den "Grenzlanddeutschen" ein, die in Gebieten wohnten, die vor dem Versailler Vertrag zu Deutschland gehört hatten. Die Ausreise dieser Deutschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach Deutschland wurde im Reich durchaus kritisch bewertet, da sich damit die Chancen auf eine Revision der ungeliebten neuen Grenzen verschlechterten.[10]

Diese Tendenzen verstärkten in den ostmittel- und südosteuropäischen Ländern die Ängste der Eliten vor einem Zerfall ihrer multiethnischen Staaten. Wie im Falle Ungarns vor dem Ersten Weltkrieg führte diese Wahrnehmung zu einer weiteren Einschränkung der politischen Partizipationsmöglichkeiten der Minderheiten. Diese Spirale des gegenseitigen Misstrauens und die Verschlechterung der Lage der deutschen Minderheiten bereiteten einer jüngeren Generation von Politikern in den Reihen der "Auslandsdeutschen" den Boden für neue, radikalere Wege. Nach 1933 kam es zu einer engen Vernetzung dieser Politikergeneration mit den nationalsozialistischen Kräften im Reich. Beiden gelang es innerhalb weniger Jahre, die politischen und gesellschaftlichen Strukturen der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa mit Berlin gleichzuschalten und die historisch gewachsenen Parteien und Vereine der "Volksdeutschen" konsequent zu zerschlagen. Danach stellten sie die deutschen Minderheiten im vollen Umfang in den Dienst des von Deutschland verbrecherisch begonnenen und geführten Zweiten Weltkriegs.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Dass es den Nationalsozialisten nicht darauf ankam, die Lage der Deutschen in ihren jeweiligen Heimatländern zu verbessern, sondern diese direkt als Ressource zum Erreichen ihrer Kriegsziele einzusetzen, wurde bereits kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs deutlich. Unter Federführung des "Hauptamts Volksdeutsche Mittelstelle" wurden zwischen 1939 und 1941 etwa eine Million Deutschsprachige aus Estland, Lettland, Litauen, Wolhynien, Galizien, der Bukowina, Bessarabien, der Dobrudscha, Südtirol und Krain umgesiedelt. Die aus Sicht Berlins "nicht überlebensfähigen Volkssplitter" wurden – nach der Vertreibung polnischer und slowenischer Bauern – zum größten Teil in Regionen angesiedelt, die von Deutschland besetzt und in das Reichsgebiet eingegliedert worden waren. Mit den Annexionen des "Sudetenlandes" (1938), des "Protektorates Böhmen und Mähren" (1939), des Memellandes (1939) und nach Kriegsbeginn der freien Stadt Danzig sowie westpolnischer und slowenischer Gebiete wurden über vier Millionen "Auslandsdeutsche" wieder oder zum ersten Mal Bürger des Deutschen Reiches. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde im August 1941 durch Moskaus Erlass die deutsche Minderheit des Landes pauschal als "Volksfeind" deklariert. Bis zu einer Million Deutsche wurden 1941/42 in die asiatischen Teile der Sowjetunion deportiert, wo sie – bei einer sehr hohen Sterblichkeitsrate – bis 1955 in Sonderlagern Zwangsarbeit verrichten mussten. Eine Rückkehr in ihre alten Siedlungsgebiete blieb verboten.[11]

Als die Rote Armee nach dem Sieg von Stalingrad 1943 in die Gegenoffensive überging und im Sommer 1944 an der Grenze Ostpreußens stand, fürchteten viele Deutsche Vergeltungsaktionen für Hitlers Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die millionenfache Ermordung der jüdischen und slawischen Bevölkerung Europas. Allein zwischen August 1944 und Mai 1945 flohen etwa vier bis fünf Millionen Deutsche aus den Gebieten zwischen Ostsee und Adria. Nach dem Krieg beschlossen die Alliierten eine "Westverschiebung" Polens – es musste seine Ostgebiete an die UdSSR abtreten und erhielt dafür die östlich der Oder und Neiße gelegenen Territorien Deutschlands, in denen es die aus Ostpolen vertriebenen Polen ansiedelte. Um diese Grenzziehung abzusichern, verfügten die Alliierten, die Deutschen aus den erwähnten Gebieten "auszuweisen", sofern sie nicht bereits geflohen oder den sogenannten "wilden Vertreibungen" 1944/45 zum Opfer gefallen waren. Diese Maßnahmen betrafen auch die Deutschen in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien sowie etwa die Hälfte der Ungarndeutschen. Von den mehr als 18 Millionen Deutschen, die vor 1939 östlich von Oder und Neiße gelebt hatten, starben rund zwei Millionen infolge von Flucht, Vertreibungen oder Deportationen in die Sowjetunion. Etwa zwölf Millionen erreichten bis 1950 die Bundesrepublik Deutschland und die DDR sowie etwa 400.000 Österreich.[12]

Um 1950 lebten vor allem im polnischen Oberschlesien, der slowakischen Zips, Ungarn, Rumänien und in den asiatischen Teilen der Sowjetunion noch über vier Millionen Deutsche. Ihnen galten zahlreiche diskriminierende Maßnahmen,[13] zudem wurden die deutschen Bildungs- und Kultureinrichtungen verboten. Lediglich in Rumänien wurde ein regimekonformes deutschsprachiges Unterrichtswesen geduldet. Die vor dem Krieg oft exponierte Rolle der Deutschen im Kultur- und Wirtschaftsleben wurde nun in ihr Gegenteil verkehrt, was dazu führte, dass ab 1950 insgesamt 4,5 Millionen Aussiedler und Spätaussiedler vor allem die Sowjetunion, Polen und Rumänien verließen.[14]


Fußnoten

1.
Der Begriff "östliches Europa" umfasst die Großregionen Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa.
2.
Zum Begriff "Minderheit" vgl. Georg Kneer, Nationalstaat, Migration und Minderheiten, in: Armin Nassehi (Hrsg.), Nation, Ethnie, Minderheit, Köln u.a. 1997, S. 85–102.
3.
Grundlegend zur Geschichte der Deutschen im östlichen Europa: Sabine Doering/Matthias Weber (Hrsg.), Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de«; Matthias Weber, Deutsche Minderheiten in der europäischen Siedlungsgeschichte, in: Christoph Bergner/ders. (Hrsg.), Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, München 2009, S. 33–45.
4.
Vgl. Konrad Gündisch, Deutsche, in: Harald Roth (Hrsg.), Studienhandbuch Östliches Europa, Bd. 1, Köln u.a. 20092, S. 463–471.
5.
Vgl. Klaus J. Bade (Hrsg.), Deutsche im Ausland – Fremde in Deutschland, München 1992, S. 29–84.
6.
Vgl. ebd., S. 85–134.
7.
Vgl. Gündisch (Anm. 4), S. 467ff.
8.
Vgl. Jochen Oltmer, Deutsche Zuwanderer aus den nach dem Ersten Weltkrieg abgetretenen Gebieten in Deutschland, in: Klaus J. Bade et al. (Hrsg.), Enzyklopädie Migration in Europa, Paderborn u.a. 2013, S. 525–529.
9.
Vgl. Weber (Anm. 3), S. 39ff.
10.
Vgl. Cornelia Eisler, Auslandsdeutschtum, in: Doering/Weber (Anm. 3); Dirk Hoerder, Geschichte der deutschen Migration, München 2010, S. 86f.
11.
Vgl. Alfred Eisfeld, Vom Stolperstein zur Brücke – Die Deutschen in Russland, in: Bergner/Weber (Anm. 3), S. 79–85.
12.
Vgl. Klaus J. Bade/Jochen Oltmer, Aussiedlerzuwanderung und Aussiedlerintegration, in: dies. (Hrsg.), Aussiedler: deutsche Einwanderer aus Osteuropa, Göttingen 20032, S. 18f.
13.
Vgl. Weber (Anm. 3), S. 35–42.
14.
Vgl. Gündisch (Anm. 4), S. 469ff.
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Autor: Gerald Volkmer für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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