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Zuwanderung und Integration. Aktuelle Zahlen, Entwicklungen, Maßnahmen

30.6.2017

Maßnahmen zur Integration



Für die Zuwanderer steht eine Vielzahl an Maßnahmen in den Bereichen Sprachvermittlung, Bildung, Integration in Ausbildung und Arbeit sowie gesellschaftliche Integration zur Verfügung. Verantwortlich für die Maßnahmen sind sowohl der Bund, die Länder als auch die Kommunen.[20]

Zentraler Punkt ist die Vermittlung der deutschen Sprache. Dies beginnt bereits mit Sprachfördermaßnahmen in den Kitas. Maßnahmen wie das Programm "Sprach-Kitas" werden von der Bundesregierung über die Programmlaufzeit von 2016 bis 2019 mit jährlich bis zu 100 Millionen Euro gefördert.[21] Daran schließt die schulische Sprachförderung im Fach Deutsch an, die sich an Kinder wendet, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Die Formate sind je nach Alter der Kinder, Schulform und Bundesland unterschiedlich.[22]

Der Integrationskurs ist das Kernstück der Integrationsmaßnahmen für erwachsene Zuwanderer, finanziert vom Bund und umgesetzt vom BAMF. Neben dem allgemeinen Integrationskurs (600 Stunden Sprachkurs, 100 Stunden Orientierungskurs) gibt es Kurse mit Alphabetisierung, Kurse für Frauen, Eltern, Jugendliche und junge Erwachsene (die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen), Förderkurse (900 Stunden Sprachkurs) sowie Intensivkurse (400 Stunden Sprach-, 30 Stunden Orientierungskurs) für Zugewanderte mit einem Schul- oder Ausbildungsabschluss (analog der Hochschulreife). Bei circa 1700 Trägern (zum Beispiel Volkshochschulen, private Sprach- und Fachschulen, Bildungsstätten) wurden allein 2016 rund 20.000 Kurse begonnen. Insgesamt haben von 2005 bis 2016 etwa 1,65 Millionen Personen einen Integrationskurs begonnen, davon 339578 im Jahr 2016, was fast eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr darstellt und unter anderem auf die starke Flüchtlingszuwanderung 2015 zurückzuführen ist.[23]

Spracherwerb wird aber auch gefördert, um die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern: In den Sprachkursen, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom BAMF angeboten werden (ESF-BAMF-Programm), können Zuwanderer seit 2007 berufsrelevante Sprachkenntnisse erwerben. Zielgruppe sind Personen mit Anspruch auf Arbeitslosengengeld I und II, aber auch arbeitssuchende Personen mit Migrationshintergrund und geringen Sprachkenntnissen (mindestens Niveau A1).[24] Dieses Programm läuft allerdings aus und wird durch die berufsbezogene Deutschsprachförderung ersetzt, die 2015 geschaffen wurde und ebenfalls vom BAMF umgesetzt wird. Dieses Programm soll individuelle Bedürfnisse besser erfassen. Daher gibt es neben einem Basismodul (300 Stunden) anschließende Spezialmodule für verschiedene Berufe; ebenso für Personen, die sich in einem Verfahren zur Anerkennung ihre ausländischen Qualifikationen befinden, oder für Personen, die im regulären Integrationskurs nicht das Niveau B1 erreichen konnten.[25]

Arbeitsmarktorientierte Maßnahmen zur Integration, die hier anschließen, sind zum Beispiel solche aus dem IQ-Programm "Integration durch Qualifizierung", das über 400 Teilprojekte umfasst mit Schwerpunkten in den Bereichen Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung. Dazu kommen Qualifizierungsmaßnahmen für Personen, die über ausländische Abschlüsse verfügen.[26] Für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse haben sowohl der Bund als auch die Länder für die Berufe in ihren jeweiligen Zuständigkeiten Anerkennungsgesetze erlassen und Stellen für die Anerkennung bestimmt.

Bund und Länder fördern auch die Beratung für Zuwanderer. Seit 2005 gibt es die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer als zeitlich befristetes und individuelles Beratungsangebot durch Träger der Wohlfahrtspflege (oft in der Sprache des Herkunftslandes). Es richtet sich an Neuzugewanderte über 27 Jahre. Auch schon länger hier lebende Zuwanderer können beraten werden, wenn ein "nachholender Integrationsbedarf" vorliegt.[27] Daneben gibt es, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Beratung der Jugendmigrationsdienste (JMD) für Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 27 Jahren. Die JMD arbeiten dabei mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Integrationskursträgern und anderen Einrichtungen der Jugendhilfe zusammen.

Daneben fördern Bund, Länder und Kommunen Projekte zur sozialen und gesellschaftlichen Integration von Zuwanderern. Hierzu gehören etwa Kurse speziell für Frauenoder Angebote aus dem Bereich Integration durch Sport mit zielgruppenspezifischen Angeboten. Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration weist aber zu Recht darauf hin, dass neben all den spezifischen Maßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund auch die allgemeinen Maßnahmen in den zentralen Bereichen der Familien- und Arbeitsmarkt- sowie der Bildungspolitik eine integrierende Wirkung entfalten.[28]

Fazit



Auch wenn in den vergangenen zwei Jahren fast ausschließlich über Fluchtmigration gesprochen wurde, war und ist die Zuwanderung nach Deutschland vielfältiger. Sie umfasst ganz überwiegend EU-Bürger und auch ausländische Studierende. Gemeinsam ist jenen, die neu nach Deutschland kommen, dass sie ganz überwiegend in jungem Alter sind und einen längeren Aufenthalt in Deutschland anstreben. Das bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich.

Heute hält der Staat ein breites Angebot an Integrationsmaßnahmen bereit. Im Vordergrund stehen der Erwerb der deutschen Sprache und die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Die Maßnahmen sollen die notwendigen Voraussetzungen für die gesellschaftliche Integration schaffen, die aber nicht als einseitige Anpassung der Zuwanderer zu begreifen ist, sondern als ein fortwährender Prozess, der die gesamte Gesellschaft betrifft.


Fußnoten

20.
Vgl. Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Integration im föderalen System: Bund, Länder und die Rolle der Kommunen, Berlin 2012.
21.
Siehe http://sprach-kitas.fruehe-chancen.de«.
22.
Zu verschiedenen Modellen vgl. Mona Massumi et al., Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im deutschen Schulsystem, Köln 2015, S. 43–51.
23.
Vgl. BAMF (Anm. 10), S. 3.
24.
Vgl. BAMF, Das ESF-BAMF-Programm, 25.5.2016, http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/DeutschBeruf/Deutschberuf-esf/deutschberuf-esf-node.html«.
25.
Vgl. BAMF, Berufsbezogene Deutschsprachförderung (gem. §45a AufenthG), 13.6.2017, http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/DeutschBeruf/Bundesprogramm-45a/bundesprogramm-45a-node.html«.
26.
Zur Programmübersicht siehe http://www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/programmuebersicht.html«.
27.
Ausführlich Lisa Brandt et al., Zehn Jahre Migrationsberatung für Erwachsene (MBE), BAMF, Forschungsbericht 25/2015.
28.
Vgl. Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Deutschlands Wandel zum modernen Einwanderungsland, Jahresgutachten 2014, Berlin 2014, S. 152–160.
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Autoren: Özlem Konar, Axel Kreienbrink, Anja Stichs für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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